Gott tut heute noch Wunder! Titelbild pixabay.com

Die Worte meines Lebens! Von Brenda Lee Diekmann

Lesedauer ca. 7 Minuten

Mehrfach schwebt ihr Mann in Lebensgefahr. Und dann wird Brenda Lee Diekmann auch noch selbst schwer krank. Die junge Mutter ist am Ende ihrer Kräfte. Drei Worte helfen ihr, trotzdem nicht den Lebensmut zu verlieren: »Fürchte dich nicht!«

B R E N D A  L E E  D I E K M A N N

Asthma, Neurodermitis, Allergien: Mein Mann hatte schon immer gesundheitliche Probleme. Vor allem in seiner Kindheit schränkten sie ihn sehr ein. Im Erwachsenenalter besserten sich die Symptome dann deutlich. Besonders leistungsfähig wurde er trotzdem nie. Er fühlte sich stets schlapp und hatte einen enorm hohen Puls. Als wir im Herbst 2008 gemein- sam mit unseren zwei Kindern eine Konferenz besuchten, verschlechterte sich sein Zustand auf einmal so sehr, dass er zusammenbrach. Mit Herzrasen und einem Puls von 190 wurde er mit dem Krankenwagen abgeholt. Von da an hatten wir keine Ruhe mehr. Er bekam solche Herzattacken nun oft zweimal wöchentlich. Jedes Mal musste ich mitten in der Nacht den Rettungsdienst rufen. Zu der Zeit war unser ältester Sohn 22 Monate, unsere Tochter vier Monate alt. Wir hatten keine Großeltern in der unmittelbaren Nähe und so musste ich jedes Mal beide Kinder mit ins Krankenhaus nehmen.

Bald war nicht nur mein Mann, sondern auch ich mit den Nerven und der Kraft am Ende. Jedes Mal standen wir wahnsinnige Ängste aus. Die Ärzte rieten Samuel daraufhin zu einer Operation am Herzen. Der Eingriff verlief ohne Komplikationen und seitdem traten keine Herzattacken mehr auf. Aller dings war er nach wie vor sehr schlapp und sein Herz schlug viel zu schnell. Von Geburt an hatte Samuel eine Trichterbrust. Darum, so erklärten uns die Ärzte, habe die Lunge zu wenig Platz im Brustkorb und das Herz hänge schief. Aus diesem Grund riet man ihm zu einer Trichterbrustkorrektur. Wir überlegten sehr lange, ob er den Eingriff machen lassen sollte. Da sich sein Gesundheitszustand jedoch eher verschlechterte als verbesserte, entschieden wir uns dafür. Unterdessen hatten wir auch noch einmal Nachwuchs bekommen: Joel war inzwischen sechs Monate alt und ich stillte ihn noch, aber dieses Mal hatte ich ja genug Zeit, um für die OP alles zu planen. Meine Oma kam, um auf den Kleinen aufzupassen, und meine Eltern nahmen uns die beiden Großen ab. So konnten wir den Eingriff im Dezember 2011 relativ gelassen angehen. Es hieß, es sei ein Routineeingriff und Samuel könnte, wenn alles gut verliefe, schon nach zehn Tagen wieder als Pastor tätig sein. Doch so sollte es nicht kommen.

 

Eine OP mit Komplikationen

Am Tag der OP rief mich das Krankenhaus an und bat mich zu kommen. Als ich eintraf, sagte man mir, es seien Komplikationen auf- getreten. Samuel läge auf der Intensivstation und wäre nicht ansprechbar. Ich dachte mir: Wie kann das sein? Ich war mir sicher, Gott hat noch so viel mit ihm vor und konnte nicht verstehen, warum es jetzt so kam.

Die Ärzte schickten mich wieder nach Hause. Auf der einstündigen Autofahrt betete ich so intensiv wie noch nie zuvor und wurde plötzlich innerlich ganz ruhig, als wollte Gott mir sagen: »Fürchte dich nicht! Ich habe alles unter Kontrolle!« Als ich zu Hause ankam, klingelte das Telefon. Es war die Intensivstation. Man teilte mir mit, es sei ein Missverständnis gewesen. Sie hätten meinen Mann verwechselt, er sei ansprechbar und liege auf der Normalstation.

Es sah nicht gut aus!

Also fuhr ich wieder zum Krankenhaus. Tatsächlich lag Samuel auf der Normalstation, aber Komplikationen hatte es trotz- dem gegeben: Die Ärzte hatten den Brustkorb nicht wie geplant herausbiegen und fixieren können, darum mussten sie ihm das Brustbein brechen und ihm anstelle von einer zwei Titanstangen einsetzen, um den Brustkorb zu fixieren. Aus einer geplanten Woche Heilungsprozess wurden so zwölf. Und es dauerte noch einige mehr, bis er wieder voll belastbar war. Die Ärzte erklärten uns, dass die Stangen ein Leben lang im Körper bleiben könnten und Samuel nun wieder alles machen könne. Es wäre wahrscheinlicher, dass er an den Folgen eines Autounfalls stirbt als dass die Stangen brechen.

Die Zeit um die OP war sehr schwer für unsere ganze Familie. Die Kinder fürchteten sich, ihren Papa zu verlieren, und ich hatte Angst um meinen Ehemann. Trotzdem trug ich Gott immer in meinem Herzen und fühlte, dass er da war. Ich hatte zwar immer Angst und kam an meine Grenzen, aber ich verspürte gleichzeitig eine Gewissheit, dass er seine Hand über uns hält.

Nach und nach kehrte wieder der Alltag ein. Wir waren glücklich, dass Gott uns durch getragen hatte. Nun war das tiefe Tal, in dem wir uns so lange befunden hatten, endlich durchquert und wir würden wieder bergauf steigen. Doch das stellte sich als Trugschluss heraus – es sollte erst noch richtig bergab gehen.

Ich wog nur noch knapp 50 Kilo

Im Juli 2013 bekam ich Grippesymptome mit heftigsten Gliederschmerzen, Fieber, Ausschlägen und Erbrechen. Mein Hausarzt fand jedoch nicht heraus, was ich hatte. Nach vier Wochen ging es mir immer noch nicht besser. Inzwischen konnte ich meine Gliedmaßen nicht mehr richtig fühlen. Der Arzt stellte immer neue Vermutungen an: Verdacht auf Bandscheibenvorfall, Verdacht auf Meningitis, Verdacht auf multiple Sklerose. All dies bestätigte sich zum Glück nicht. Er schloss darum etwas Ernstes aus und stellte die Behandlungen ein, obwohl sich mein Zustand kein bisschen gebessert hatte. Er sagte, es sei wahrscheinlich ein stressbedingter, verschleppter Infekt. Als unsere Kinder ebenfalls schlapp wurden und sich krank fühlten, wurden wir stutzig und gingen zur Kinderärztin. Diese diagnostizierte bei allen drei Kindern und meinem Mann Scharlach. Da ich nun schon so lange krank war, untersuchte sie mich eben- falls und stellte fest, dass auch ich seit mehreren Wochen an Scharlach erkrankt war. Nun schien die Ursache endlich gefunden zu sein. Wir bekamen allesamt Antibiotika, doch mein Gesundheitszustand verbesserte sich trotzdem nicht.

Die Ärzte konnten mir nicht helfen

Die Ärzte konnten mir nicht helfen

Weil mein Hausarzt mit mir abgeschlossen hatte, kam ich dauerhaft bei der Kindeärztin unter. Sie veranlasste mehrere Blutuntersuchungen und konnte eine Zytomegalie feststellen – eine Krankheit, die von Herpesviren ausgelöst wird. Mir ging es immer schlechter, ich verlor zunehmend an Gewicht. Als ich nur noch knapp 50 Kilogramm wog und nicht mal mehr sitzen konnte, kam ich ins Krankenhaus. Dort wurde ich nochmals komplett durchgecheckt, doch wieder konnten sich die Ärzte meinen   schlechten   Gesundheitszustand nicht erklären. Abgesehen von ein paar minimal auffälligen Werten sei ich laut der Untersuchungsergebnisse völlig gesund, sagten sie. Also wurde ich wieder aus dem Krankenhaus entlassen. Mein Mann war sichtlich am Ende, denn er musste neben der Arbeit in der Gemeinde alleine unsere drei Kinder betreuen. Zusätzlich gerieten wir finanziell immer mehr unter Druck und fochten Kämpfe mit der Krankenkasse ums Krankengeld aus. Zu dieser Zeit trennte sich in unserem Freundeskreis die Spreu vom Weizen. Ich fühlte mich alleingelassen und enttäuscht. Doch Gott stellte uns Menschen an die Seite, von denen wir nie gedacht hät-ten, dass wir ihnen so wichtig sind!

Alles drohte, zusammenzubrechen

Im Dezember 2013 brach Samuel dann auf einmal im Fitnessstudio unter wahnsinnigen Schmerzen im Brustkorb zusammen und konnte sich kaum mehr auf den Beinen halten. Er schleppte sich nach Hause. Als er ankam, war er weiß wie eine Wand und legte sich sofort ins Bett. Ich bekam Panik und bat ihn, zum Arzt zu gehen, aber er vermutete, er habe sich schlichtweg übernommen und bräuchte einfach ein bisschen Ruhe.

Am nächsten Tag ging es ihm etwas besser, aber noch immer hatte er starke Schmerzen. Zu allem Überfluss war unser Kühlschrank leer, doch ich war immer noch so krank, dass ich nicht einmal laufen konnte. Also suchte ich jemanden, der für uns einkaufen gehen würde. Doch niemand hatte Zeit. Unser Auto hatte den Geist aufgegeben und unser Konto war bis aufs letzte überzogen. Wir beschlossen, das Auto durch Anschieben wieder zum Fahren zu bringen und mit unseren Leergutbons   einzukaufen.   Ich setze mich hinters Steuer und Samuel schob. Wir kamen allerdings nicht weit, da er plötzlich zusammenbrach. Er bekam keine Luft mehr und hatte starke Schmerzen im Brustkorb. Nach zwei Stunden rief ich den Notarzt. Ich erzählte ihm von Samuels Krankengeschichte, doch er bezweifelte, dass es etwas mit dem Brustkorb zu tun haben könnte. Vielmehr vermutete er,   die   Schmerzen   kämen vom Herzen. Unsere Kinder lagen zum Glück schon im Bett und bekamen von all dem nichts mit. Während sich unser Wohnzimmer mit Krankenpflegern   und   Notärzten   füllte, konnte ich nicht viel tun. Ich hatte zwar große Angst, aber ich spürte zur selben Zeit auch eine tiefe innere Ruhe. Ich fühlte, dass Gott da war und wieder zu mir sagte:

„Fürchte dich nicht! Ich habe alles in meiner Hand.“

Die ganze Nacht lag ich wach und betete. Alles drohte, zusammenzubrechen und ich fühlte mich so wehrlos und hilflos. Ich konnte nur auf Gott vertrauen, dass er es wieder gutmachen würde. Um 3 Uhr nachts rief Samuel an. Er sagte, dass seine Stangen beim Sport gebrochen waren und sich eine sogar in den Herzbeutel gebohrt und innere Blutungen verursacht habe. Die Ärzte würden gerade eine Not-OP vorbereiten, deren Ausgang ungewiss sei. Wenn das Herz stark verletzt wäre, müssten sie den gesamten Brustkorb öffnen und ihn und eventuell ins Koma legen. Er sagte mir, dass er mich liebe und dass ich dasselbe auch den Kindern ausrichten solle, falls alle Stricke reißen würden. Ich versuchte, ihn zu beruhigen und wir beteten noch einmal gemeinsam.

Gebet ist Wunderbar

Gebet ist Wunderbar

Dann informierte ich unsere Gemeinde und unsere Familie. Die wiederum baten andere Leute, mitzubeten. Letztendlich waren es Menschen aus vielen Ländern weltweit, die Gott um Hilfe für uns baten. Am nächsten Morgen kamen meine Eltern und kauften für uns ein, mein Vater reparierte das Auto und sie nahmen unsere Kinder mit zu sich nach Hause. Ich fuhr sofort ins Krankenhaus. Samuel war wach ansprechbar.

Autorin: Brenda Lee Diekmann

Er lag noch auf der Intensivstation, aber es ging ihm den Umständen entsprechend gut. Die Ärzte sagten, es sei ein Wunder, dass er überlebt habe. Über 600 Milliliter Blut, die in den Herzbeutel gelaufen waren, hatten sie während der OP abgesaugt! Aber nicht nur, dass Samuel das überlebt hatte, war ein Wunder, sondern auch, dass ich die Kraft und Ruhe besessen hatte, die Situation trotz meines angegriffenen Gesundheitszustands zu tragen!

Endlich weiß ich, was mit mir los ist

Samuel geht es heute gut, er hat die Stangen entfernt bekommen. Ich bin immer noch schwer krank und es geht mir zeitweise sehr schlecht. Aber Gott hat mir diese Kinderärztin zur Seite gestellt, die mich ernst nahm und für mich kämpfte, als andere Ärzte sagten, ich sei gesund. Heute weiß ich, dass ich nicht gesund bin. Durch die Kontakte der Ärztin bin ich zu einem sehr guten Rheuma- tologen gekommen, der erst kurz zuvor eine Schulung in autoinflammatorischen rheumatischen Erkrankungen1 absolviert hatte. Ich wurde getestet und es stellte sich heraus, dass ich eine der seltensten rheumatischen Krankheiten der Welt habe, die auf einem Gendefekt beruht.

Auch wenn ich immer noch krank bin: Gott hat die Kontrolle über mein Leben behalten. »Fürchte dich nicht!« – das sind die Worte, die in meinem Leben schon immer eine tragende Rolle gespielt haben. Aber erst heute weiß ich, was sie bedeuten.

Autorin: Brenda Lee Diekmann / Erschienen in „Entscheidung“; Ausgabe 306 – 6/2014 / www.entscheidung.org


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