Einzelhandel in Rödermark

Der Einzelhandel ist tot. Es lebe die Innenstadt!

Lesedauer ca. 5 Minuten

In vielen meiner Vorträge habe ich meine Gedanken zur Verödung der Innenstadt und dem Sterben des Einzelhandels vorgetragen. Auch in meinem Wahlprogramm habe ich zu dieser Thematik bereits einiges geschrieben. In den folgenden Zeilen möchte ich alle Gedanken zu einer Strategie zusammenfassen. Es bringt nichts um den heißen Brei zu reden! Daher schlage ich zum Teil radikale Veränderungen vor.

Sterbender Einzelhandel? Das ist erst der Anfang!

Ein wichtiger Faktor für den Einzelhandel sehe ich in dem demografischen Wandel im Mittelstand. Im Bundesgebiet haben alleine zwischen 2015 und 2017 rund 580.000 Inhaber mittelständischer Unternehmen aus Altersgründen eine Übergabe oder Verkauf ihres Unternehmens vollzogen. Diese Entwicklung hat auch vor unserer Stadt nicht haltgemacht und wird sich in den nächsten Jahren noch verschärfen!

Als Stadt müssen wir es schaffen, nicht nur den Einzelhandel, sondern auch die Dienstleistungsangebote und die medizinische Versorgung durch ausreichende Angebote in die nächste Generation zu überführen. Wenn wir nicht im wahrsten Sinne des Wortes „alt aussehen möchten“, dann müssen die genannten Bereiche gemeinsam mit der Politik Hand und Hand marschieren und funktionieren. Ziel muss es sein, der nächsten Generation entsprechende Arbeitsfelder attraktiv zu übergeben.

Der Trend hin zum Internethandel scheint unaufhaltsam und wird sich in den nächsten Jahren noch verstärken! Bereits heute stellt sich der großflächige Einzelhandel* auf diese Veränderungen ein. Als ein Beispiel möchte ich hier REWE nennen: Der Konzern wirbt sehr energisch um neue Mitarbeiter im Lieferbereich. Werden wir in den nächsten Jahren ein ähnliches Sterben im großflächigen Einzelhandel erleben, wie es aktuell im Einzelhandel geschieht? Der Unterschied zwischen großflächigem und normalen Einzelhandel ist, dass sich die Großen auf diesen Trend besser und schneller einzustellen scheinen.

Aber bleiben wir zunächst beim normalen Einzelhandel…

Todgeglaubte leben länger.

Es ist kein Geheimnis: Der Einzelhandel hat es nicht nur in unserer Kommune schwer und muss sich gegen die Konkurrenz aus Großmärkten und Internet behaupten. Manche Kommunen und Einzelhändler haben diesen Kampf bereits mehr oder weniger aufgegeben. Ich bin fest davon überzeugt, dass man es mit innovativen Konzepten, mit Alleinstellungsmerkmalen und sinnvollen Ergänzungen eigener Internetangebote schaffen kann, sich diesen Herausforderungen erfolgreich zu stellen.

Aber eines muss in diesem Zusammenhang ganz klar gesagt werden: Die Uhr für dieses Entgegensteuern steht auf „5 vor 12“! Wenn es dem Einzelhandel nicht gelingt, sich auf die Konkurrenz und die Strukturen des 21. Jahrhunderts einzustellen, wird es mit einer Zukunftsperspektive schwierig werden. Den nötigen Wandel hin zu konkurrenzfähigen Einzelhandelsangeboten werde ich in enger Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen im Gewerbeverein vorantreiben. Dazu gehören u.a. die Förderung im Bereich Schulungen und Weiterbildungsmaßnahmen durch die Wirtschaftsförderung. Aber… ich sag es mal so: Wer keine Hilfe will, dem ist auch schwer zu helfen!

Was kommt, wenn der Einzelhandel gegangen ist?

Ich weiß, dass ich mit den folgenden Gedanken einen Tabubruch in derRrödermärker Politik begehe und den bisherigen Strategien widerspreche, aber ich bin fest davon überzeugt: NUR SO GEHT ES! Neben guten Angeboten der Wirtschaftsförderung, lokale Unternehmer im Einzelhandel konkurrenzfähiger und innovativer werden zu lassen, müssen wir uns aber auch die Frage stellen, was kommen soll, wenn der Einzelhandel an manchen Stellen und in manchen Bereichen gegangen ist? Das oberste Ziel sollte nicht sein, den innerstädtischen Einzelhandel um jeden Preis zu erhalten, sondern die Innenstadt insgesamt vor dem Sterben zu bewahren! Ich schlage daher eine Synthese der bestehenden Konzepte und der bisherigen Zielrichtung vor! Meine Grundthese lautet dabei, dass nicht nur der Einzelhandel eine Innenstadt am Leben erhalten kann

Innenstadtbelebung durch Gastronomie

Kultur und Musikprogramm mit Gastronomiekonzept verbinden

Wie angerissen ist die Rödermarker Kaufkraft im Bundesvergleich überdurchschnittlich hoch. Insgesamt 173,2 Mio. Euro stehen zur Verfügung. Dieses Geld wird aber nicht nur im Wirtschaftskreislauf des Einzelhandels ausgegeben. Ich schlage im innerstädtischen Bereich einen ergänzenden Weg vor: die Gastronomie mit Angeboten von Kunst und Kultur ausbauen.

Sowohl Ober-Roden, als auch Urberach haben sehr schöne Plätze, zum Teil verwinkelte Ecken mit dem Charme einer Altstadt. Ich möchte mich für ein Gastronomiekonzept in der Innenstadt einsetzten und uns Rödermärker zum Ausgehen einladen.

Die bestehenden Lokale müssen durch gute, innovative Gastronomiekonzepte ergänzt werden und könnten ganz nebenbei auch identitätsstiftend sein und z.B. unsere Apfelweinkultur und hessische Küche herausstellen.  Angebote für Jung und Alt sollten dabei im Fokus sein – ein Burger- oder Steakhaus, ein Irischer Pup, eine Inkneipe oder, Musikbar usw. wären denkbar.

In Verbindung z.B. mit einem Fahrradkonzept und geeigneten Fahrradstellplätzen, einem Nachttaxi usw.  könnte ein ganzheitliches Konzept „Rödermark geht aus“ entstehen und so die Innenstadt beleben.

Innenstadtbelebung durch Wohnraum

Neben diesen Maßnahmen will ich aber auch eine dritte Strategie ansprechen. Die Umnutzung von gewerblichen Leerstand in innerstädtischen Wohnraum! Bisher waren diese Gedanken kaum im politischen Diskurs zu hören. Ich will das ändern und die Umnutzung als ein weiteres Instrument für die Innenstadtbelebung nutzen.

Ein positives Beispiel ist für mich die Stadt Köln. In enger Zusammenarbeit mit der Stadt können dort Besitzer von Ladenlokalen in Kölner Randbereichen, die ihre Immobile in Wohnraum umwandeln möchten, innerhalb von 24 Stunden die entsprechende Genehmigung erhalten. Auch als Rödermärker sollten wir „toten“ Leerstand lieber in „lebendigen“ Wohnraum umnutzen – ein Markt für entsprechenden Wohnraum gibt es aktuell auf jeden Fall.

„Rödermarkplan“ mit „Masterplan Innenstadt“

Fraktionsübergreifend haben wir uns für die erste Weichenstellung eines Rödermarkplanes entschieden, der sowohl die Wohn- und Bauentwicklung, als auch die hiesige wirtschaftliche Entwicklung im Blick haben soll. Für mich gehört diese Plan zwingend auch durch einen „Masterplan Innenstadt“ ergänzt. Alle meine drei angesprochenen Maßnahmen (Einzelhandel beleben, Innenstadt durch Gastronomie, Kunst und Kultur beleben und Leerstand in Wohnraum umwandeln) gehören berücksichtigt.

Auch darf es kein Tabu sein sich auf wenige, gute Plätze, die bereits heute angenommen werden, zu konzentrieren und diese mit entsprechenden Angebote weiter zu beleben und anderen öffentliche Plätze, die bisher kaum oder gar nicht angenommen wurden, zu beeidigen.

Unsere Stadt braucht ein Umdenken. Nur so kann Bewährtes erhalten werden, neues Identitätsstiftendes geschaffen werden und unsere Innenstadt vor dem Veröden bewahrt werden! Ich möchte mich als Ihr Bürgermeister genau dafür einsetzen – am Sonntag, den 5. Februar 2017 haben Sie die Wahl zwischen weiter so oder einer zukunftsfähigen Weichenstellung auch für unsere Innenstadt.



Fußnote – Großflächiger Einzelhandel*: Wann ein Einzelhandelsbetrieb als großflächig einzustufen ist, regelt die Baunutzungsverordnung (§ 11 Abs. 3 BauNVO). Danach ist ein Einzelhandelsbetrieb großflächig, wenn er eine Geschossfläche von 1200 m² überschreitet (z.B. unser Kaufland in Urberach). Zuvor wurde bereits ab ca. 700 m² Verkaufsfläche die Großflächigkeit angenommen.

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