Frage an Samuel Diekmann

FRAGE: Was ist von den Pfingstlern zu erwarten?

Lesedauer ca. 2 Minuten

FRAGE

“Bei einer Internetrecherche zu Ihrer Person bin ich darüber gestolpert, dass Sie Pastor einer Pfingstgemeinde sind. Was ist von den Pfingstlern zu erwarten?”

ANTWORT von Samuel Diekmann

“Zunächst einmal was Grundsätzliches: Gerne bin ich bereit auf Fragen jedweder Art einzugehen. Ich würde es aber besser finden, wenn bei den Angaben eine ‘echte E-Mail Adresse’ genannt würde. Dann könnte ich Ihnen die Antwort auch direkt zusenden.

Nun aber zu Ihrer Frage. Als Pastor kommt man eigentlich nur im eigenen Urlaub dazu, eine andere Kirchengemeinde zu besuchen. In meinem Urlaub besuche ich sehr gerne Gottesdienste anderer Konfessionen. Die Predigten von unserem Rödermarker Pfarrer Elmar Jung genieße ich dabei sehr. Ich habe viele katholische Christen in meinem Bekannten- und Freundeskreis. Ich schätze meine katholischen Geschwister sehr. Mein CREDO ist dabei stets, dass ich so viele geistliche Geschwister haben möchte, wie unser Vater im Himmel Kinder hat.

Zu Ihrer Frage ‘was ist von den Pfingstlern zu erwarten?’ möchte ich sagen, dass NICHT meine Konfession, sondern meine Person zu Wahl des Bürgermeisters zur Wahl steht. Ich möchte Bürgermeister aller Rödermarker sein, nicht nur der Christen (in ihren unterschiedlichen Konfessionen), sondern auch unseren evangelischen, muslimischen, anagnostischen und atheistischen Mitbürger.

Trotzdem denke ich, dass eine kleine Konfessionskunde als Antwort zu Ihrer Frage ganz gut sein könnte: Die Pfingstgemeinde ist geschichtlich in der der Kirchenwelt eine sehr junge evangelische Glaubensrichtung. Es gibt sie gerade einmal seit rund 100 Jahren. Sie ist keinesfalls eine homogene Gruppe. Es gibt hier sehr orthodoxe, konservative, bis – und hier finde ich mich wieder – progressivere Gläubige. Alle Pfingstler zeichnet aus, dass sie daran glauben, dass Gott heute noch wirkt. In Deutschland gehören wir zu den evangelischen Freikirchen – sprich solche, die eine freiwillige Glaubensendscheidung zu einem Eintritt in unserer Kirche voraussetzt, die Trennung von Staat und Kirche konsequent leben und daher z.B. auch keine Kirchensteuern erheben -. Sie stellen hier in unserem Land die 2. größte Freikirche und weltweit sind wir nach der römisch katholischen Kirche die 2. größte chr. Konfession mit immer noch wachsenden Zahlen.

Da Sie sich allerdings als katholischer Christ vorgestellt haben, möchte ich Ihnen zudem Ihren Papst als Vorbild empfehlen. Anfang dieses Jahres grüßte Papst Franziskus uns Pfingstler in einer Videobotschaft. Er rief darin zur Einheit aller Christen auf und übte sogar Selbstkritik.[1] Die konfessionellen Gräben können – der Papst macht es vor – überwunden werden. Der bisherige Höhepunkt dieser Versöhnung war der Besuch von Franziskus in einem Gottesdienst in einer Pfingstgemeinde. Hier bat er um Vergebung für „Übergriffe und Verunglimpfungen“, die durch Katholiken begangen wurden. Wörtlich sagt er: „Ich bin der Hirte der Katholiken und bitte euch deshalb um Vergebung für jene katholischen Brüder und Schwestern, die vom Teufel besessen waren und nichts verstanden haben.“[2] – ich denke dem ist nicht mehr viel hinzuzufügen!

Ich selbst habe eine ökumenische Perspektive. Unser Gemeindebund ist Mitglied in dem Arbeitskreis der christlichen Kirchen (ACK). Selbst wurde ich an mehreren Stellen in ökumenische Veranstaltungen als Referent geladen. Auch in Rödermark gibt es seit Jahren gute Beziehungen zu der ansässigen Freikirche. Auch hier war ich schon öfter als Gastprediger geladen.

Ich hoffe, dass dieser kleine konfessionelle Überblick Ihre Frage befriedigend beantwortet und Ihnen den Weg frei macht, auch den Blick über den eigenen Tellerrand zu wagen.”


[1] https://www.faz.net/aktuell/politik/spaltungen-in-der-kirche-papst-erkennt-mitverantwortung-an-12819885.html

[2] https://www.katholisches.info/2014/07/28/papst-bittet-pfingstler-um-vergebung-katholiken-die-vom-teufel-besessen-waren/

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