Sicherheit in Rödermark

Lesedauer ca. 5 Minuten

Aktuelle Meldungen aus der Tagespresse wie „167.000 Einbrüche in Deutschland„, „10% mehr als im Jahr 2014“ oder „Aufklärungsrate von nur 15%“ lassen das subjektive Sicherheitsempfinden auch in unserer Stadt sinken. Schnell werden Rufe nach Maßnahmen durch die Politik laut.

Mit diesem Artikel will ich nichts schön reden – jede Straftat ist eine zu viel! Auf der anderen Seite dürfen wir aber auch nicht alles einfach schwarz mahlen, uns allzu schnell der Angst ergeben und populistischen Forderungen nachgehen. Eine sachliche Herangehensweise an die Fakten und eine kritische Auseinandersetzung mit diesen halte ich persönlich für die bessere Lösung.

Zu diesem Zweck habe ich mich sowohl mit der Polizei, als auch mit fachkundigen Bürgern – in Verbindung gesetzt und gemeinsam das Zahlenwerk gesichtet. Das Polizeipräsidium Südosthessen hat mir dazu auch die im Internet nicht zugängigen Zahlen ab 1990 zukommen lassen. Hervorzuheben ist in diesem Zahlenkonvolut das Jahr 1996 (siehe farbliche Markierung in Statistik unten). In diesem Jahr wurde die Polizeistation von Rödermark nach Dietzenbach verlagert. Bemerkenswert dabei ist, dass ab diesem Zeitpunkt (trotz eines Bevölkerungszuwachses von rund 1.500 Bürgern) bis heute die durch die Polizei registrierten Straftaten mit Ausnahmen in unserer Stadt von den Fallzahlen her weniger geworden sind!

Werfen wir nun gemeinsam einen Blick in die polizeiliche Kriminalstatistik für Rödermark.


hz_kriminalstatistik_roedermark

Zur Erläuterung: „HZ“ = „Häufigkeitszahl“/ Anzahl der Straftaten auf je 100.000 Einwohner


Jahr 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999
Fälle 1.372 1.728 1.631 1.505 1.655 1.551 1.495 1.734 1.578 1.459
HZ 5.571 6.907 6.425 5.981 6.534 6.106 5.849 6.748 6.113 5.658
Jahr 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009
Fälle 1.529 1.394 1.451 1.428 1.656 1.418 1.567 1.366 1.199 1.071
HZ 5.923 5.351 5.554 5.437 6.299 5.363 5.952 5.215 4.596 4.116
Jahr 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019
Fälle 1.255 1.656 1.200 1.206 1.097 1.304
HZ 4.806 6.387 4.626 4.560 4.141 4.851

Bewertung in Rödermark durch das Polizeipräsidium Südhessen und fachkundigen Bürgern

Unsere Stadt Rödermark steht laut Polizeipräsidium im Vergleich der Häufigkeitszahlen zum Bundesland Hessen und auch zu denen von Hessensüd sehr gut da:

„Diese HZ lässt einen Vergleich zu. So betrug im Jahr 2015 die aktuelle HZ für das Polizeipräsidium Südosthessen 5.646, in Hessen lag sie bei 6.616. In Rödermark liegt sie bei 4.851. Hierzu sei bemerkt […], dass 2015 eher ein „Ausrutscher“ nach oben war. Im Vergleich zu 2014 ist ein Fallzahlenanstieg um 207 Delikte zu registrieren, der insbesondere im Bereich Vermögens- und Fälschungsdelikte entstand. In einer Langzeitbetrachtung ist festzustellen, dass bis 2006 die Fallzahlen in der Tendenz zwischen 1.400 und 1.700 lagen. Seit 2006 liegen die Fallzahlen im Mittel zwischen 1.200 und 1.300 Fällen.“ (Henry Faltin, Polizeipräsidium Südosthessen)

Im Klartext: nicht die oftmals in der Öffentlichkeit wahrgenommenen Haus- und Autoeinbrüche, sondern die Vermögens- und Fälschungsdelikte waren z.B. in 2015 für den Anstieg verantwortlich. Ich habedie Kriminalitätsstatistiken der letzten Jahre weiter genauer untersucht. Diese Betrachtung zeigte, dass wir zwar im gesamten Kreis Offenbach einen mittleren Platz in der Kriminalitätsstatistik einnehmen, im Vergleich mit anderen Städten in Südosthessen aber nur im unteren Drittel landen – wir müssen also an dem Thema dran bleiben.

Eigene Polizeistation?

1997 forderte der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Steiger bereits ein Jahr nach der Verlagerung der örtlichen Polizeistation nach Dietzenbach für Rödermark wieder eine eigene Wache. Damals schienen ihm die Zahlen recht zu geben. Die Polizeistation Dietzenbach, die auch für unsere Stadt zuständig ist, hat ihre Aufgaben aber heute erfüllt. Auch Fachkundige Bürger nennen die Forderung nach einer eigenen Polizeistation heute zwar „Wünschenswert, aber zur Zeit eine unrealistische Forderung„. Aktuell sehe ich daher keinen Grund mich der Forderungen nach einer eigenen Polizeiwache uneingeschränkt anzuschließen. Die vorhandenen Angebote müssen allerdings gestärkt und ggfs. weiter ausgebaut werden.

1. Polizeisprechstunden wahrnehmen

Alltägliche Probleme sollten und können m.E. weiterhin in einer wöchentlichen Polizeisprechstunde angesprochen und vorgetragen werden können. Hier bestünde dann die Möglichkeit Anzeigen zu erstatten, Bürger zu beraten und Informationen einzuholen.

Hinweis: Polizeisprechstunden finden in Rödermark grundsätzlich Mittwochs von 16.00 – 18.00 Uhr im Zimmer 107 im Rathaus Urberach (Tel. 911 875) statt.

2. Beratungen durch fachkundige Bürger – wie dem Verein Bürger für Sicherheit in Rödermark e.V. – in Anspruch nehmen

Der Verein bietet eine ganze Reihe an hervorragenden Vorträgen und Beratungen zu diversen Themen an. Hier einige Beispiele:

  • Rundumsicherheit – Einbrechern keine Chance „Absolute Sicherheit gibt es nicht – aber was kann ich tun, um mein Eigentum besser zu schützen?“
  • Tipps gegen Betrügereien – Gefahren im Alltag – Drückerkolonnen, Telefonabzocke, Gewinnspiele, Kaffeefahrten, unseriöse Handwerker und ihre Überraschungen. Warnungen vor dem immer noch aktuellen Enkel-Wasser-Zettel Trick
  • Abzocke, Betrügereien im Internet (Abmahnungen). Miese Attacken auf Computer von Bankkunden. Neu: Vorsicht vor falschen E-Mails, Trojaner, Viren, Phishing und Hackern. Wir geben Sicherheitstipps und sprechen über die Gefahren in „Sozialen Netzwerken“. Gerade unsere Jugend ist sehr leichtsinnig im Umgang mit Ihren Daten und stark gefährdet. Mit Einsatz von Virensoftware bleiben auch Sie auf der sicheren Seite!

HIER kann der aktuelle Programmflyer heruntergeladen werden. Interessierte Bürger, Gruppen und Vereine können einen Termin direkt über Herrn Horst Hyland (Kontakt: Tel. 06074/917725 – Mail: hhyland@t-online.de) vereinbaren.

3. Eigenschutz vor Einbrecher und Autoknacker

Die gerade frisch verabschiedete „Aachener Erklärung“ zeigt, dass das Problem der Organisierten Haus- und Autoeinbrüche globaler Natur ist und kommunale Lösungen nur bedingt Lösungen anbieten kann. Räuberbanden wohnen heute z.B. in Belgien, führen ihren Raubzug in Deutschland durch und verkaufen das Diebesgut in den Niederladen. Hier braucht es eine Länderübergreifende Zusammenarbeit, die immer mehr in der polizeilichen Arbeit bereits Einzug hält.

Trotzdem sind wir gemeinsam nicht ohnmächtig! Ein zielgerichteter Eigenschutz des Hauses und des eigenen Fahrzeuges kann einiges verhindern. Wenn man bedenkt, dass ein Einbruch im Durchschnitt maximal 4 Minuten dauert und meist schon nach 1-2 Minuten abgebrochen wird, falls Türen und Fenster ausreichend gesichert sind, dann lohnt sich Eigensicherung in jedem Fall. Der Verein BfS und die Polizeisprechstunde beraten Sie hier sehr gerne.


 Video das die Globale Dimension des Navigationsgerätediebstahles zeigt, aber auch gute Hinweise für die Eigensicherung gibt.


https://youtu.be/38my655WnsA

 Video das Einbrechern auf den Zahn fühlt und wertvolle Tipps gibt.


4. Mehr Licht, Information und Zusammenarbeit

An folgenden Stellen kann aber auch die Stadt in Zusammenarbeit mit anderen Stellen noch etwas bewegen. Beispielsweise die Kameraüberwachung an beiden Bahnhöfen schrittweise verbessern, neuralgisch bekannte und schlecht ausgeleuchtete öffentliche Räume besser gestalten (hier favorisiere ich nach wie vor eine Stromsparende LED Umrüstung) und das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger durch vermehrte Streifengänge in unseren Wohngebieten verbessern. Die Polizeistation Dietzenbach koordiniert die Einsätze des freiwilligen Polizeidienstes in Rödermark und entscheidet, welches Duo wann, wo und wie lange Streife läuft. Eine gute Zusammenarbeit zwischen Polizei, Ordnungsamt und dem freiwilligen Polizeidienst ist somit eine unverzichtbare Voraussetzung für das Zusammenwirken.

Außerdem gehört der Präventionsrat der Stadt wiederbelebt, ein Arbeitskreis aus Behörden, Schulen, Kindergärten, Kirchen und Vertretern des Vereins „Bürger für Sicherheit“. Ein Ergebnis aus dem Präventionsrat aus dem Jahr 2010 war z.B. das „Ringmaster“-System, über das die Polizeistation Dietzenbach per Telefonkette vor Betrügern und ähnlichen Ganoven warnt. Rund 2000 Rödermärker Haushalte waren hier angeschlossen; im Fall des Falles erreichte die Polizei so 30 Prozent der Bürger. Im Jahr 2012 wurde das Projekt „Ringmaster“-System (trotz guter Erfahrungen) leider eingestellt. Bis jetzt warten wir auf ein Nachfolgesystem – genau dafür möchte ich mich stark machen. Denkbar wäre neben einer Telefoninformation auch eine Lösung via einer eigenen „Rödermarkapp“ (hier könnte nicht nur im Fall der Fälle gewarnt, sondern auch ganz allgemein zB. über die Müllabfuhr in der eigenen Straße informiert/erinnert werden, Veranstaltungen/ Straßensperrungen usw. bekannt gegeben werden) [siehe „Nachtrag“].

Zusammenfassung

Ich habe mich in diesem Artikel bewusst nicht mit Krawalldelikten von Jugendlichen beschäftigt. Die Ursachen und Antworten dafür liegen meiner Meinung nach zum größten Teil in einer nicht ausreichenden Jugendbetreuung und fehlenden Angeboten für Jugendliche, vor allem am Wochenenden und in den Abendstunden. Diese Problematik ist jedoch an anderer Stelle inhaltlich und gemeinsam mit den Jugendlichen zu lösen.

Ich hoffe, dass ich Ihnen einen kleinen Einblick über meine Positionen und Antworten zum Thema Sicherheit in Rödermark geben konnte. Ich möchte ihnen Mut machen die vorhanden Strukturen und Angebote zu nutzen.


[Nachtrag] Asche auf mein Haupt! Wie konnte ich fruehwarn.de in diesem Artikel vergessen zu erwähnen… Das „Bürger-Frühwarn-System“ ist auf private Initiative und Kosten eines Rödermärkers als Zwischenlösung für den Ringmaster ins Leben gerufen worden. Bürger können sich sowohl auf der Homepage, als auch via Emailnachricht (hier werden nur die wichtigen Meldungen versendet) kostenlos über aktuelle Sicherheitshinweise informieren. Aktuell abonnieren laut Adminaussage 160 Bürger entsprechende Meldungen per Email. Die Administration dieses Angebotes ist eine echte Fleißarbeit, verdient Anerkennung und zeigt auch, dass unseren Bürgern ein kommunales Informationssystem mit entsprechenden Sicherheitsmeldungen sehr wichtig bleibt.  


 

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