Wahlkampf mit (sehr) bitterem Beigeschmack! Wehret den Anfängen…

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Lese auch das Interview in Vorwärts zu den Vorfällen.

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… ja, ich gebe ja zu, diese Zeilen schreibe ich schon mit einer gewissen Frustration und Enttäuschung… – eigentlich bin ich stinksauer! Ja, es ist auch mein erster Wahlkampf, in dem ich nicht für andere, sondern für unsere SPD-Liste, auf der ich selbst kandidiere, werbe. Vieles ist neu, manches gewöhnungsbedürftig. Nun wird es aber brisant.

Ganz am Anfang waren es nur ein paar zerstörte Plakate. „Ganz normal!“ haben die alten Hasen zu mir gesagt. Na gut, habe ich mir gedacht.

Shitstorm via Email

Aber dann bekam ich mehrere E-Mails über meine Homepage, die teilweise mehr als unter die Gürtellinie gingen. „Zugezogener, geh nach Hause!“, „Christenschwein!“, „Du bist keiner von uns und niemand wird dich wählen, höchstens anzählen“… usw.

Drohungen via Facebook

Aber diese Nachrichten sind nichts gegen Facebook: „Landesverräter!“, „An die Wand stellen!“, „Ich tue deiner Familie was an!“ (das ist geschönt – in Wirklichkeit waren die Mitteilungen schlimmer und vulgärer)… – hier war es den Absendern sogar egal, dass sie mir ihre Nachrichten mit vollem Namen persönlich übermittelt haben.

Aber das Internet ist eben so eine Sache. Allerdings beachte man die Rhetorik in den Kommentaren der Parteien auf den Facebook-Seiten der Mitbewerber. Hier und da findet man die gleiche Redensarten von „den Fremden“, „dem Auswärtigen“ usw.

Und ich weiß spätestens jetzt, dass ich damit gemeint bin. Ja, den einen oder anderen kritischen Kommentator habe ich sogar zu einem persönlichen Treffen und Gespräch eingeladen. Siehe da, plötzlich konnte ich viele Ängste und Sorgen mit Fakten und persönlichen Erfahrungen aus der Flüchtlingsarbeit ausräumen.

Mit Parolenen Stimmung machen

Die persönlichen Gespräche mit Menschen auf der Straße verliefen sehr positiv. Darauf war und bin ich stolz! Bei allen unterschiedlichen Positionen ließ sich niemand dazu verleiten, die bundespolitische Flüchtlingskarte auszuspielen! Was ist in den letzten Wochen nicht alles Schreckliches passiert in unserem Land: von den Ereignissen in Köln bis hin zu Clausnitz können alle ein Lied davon singen.

Ich bin Pastor in Dietzenbach, aber auch viele Flüchtlinge aus Rödermark kommen in unseren Gottesdienst, den wir nachmittags zweisprachig anbieten. Wir haben eine geniale Diakonin, die Menschen hilft und begleitet und gute Arbeit verrichtet.

Ich kenne die beiden Seiten der Medaille: vielen Probleme, aber auch viel Positives! Erst heute habe ich eines meiner neuen „Schäfchen“ in einem Supermarkt beim Einräumen der Regale getroffen. Als er mich sah, nahm er mich in den Arm. Er wolle arbeiten, auch neben der Schule und etwas werden und zurückgeben. Das hat er mir gesagt. Großartig, wie ich finde!

Wir haben hier bisher keine AfD, keine populistischen Sprüche und keinen Wahlkampf auf Kosten der Schwächsten erlebt – das war zumindest mein Eindruck… und dann… flattern mir Flyer der FDP ins Haus und ich sehe einen Twittereintrag der CDU und ich sehe die Plakate der Freien Wähler Hessen!

„Rechtsstaat stärken“ lese ich bei der FDP und über die „Ereignisse in Köln“, „Recht und Kultur achten“ bei der CDU und „Flüchtlingsherausforderung nicht zu Lasten der Bürger“ bei den Freien Wählern (siehe OP-online Artikel aus Obertshausen). Na, ist das denn nicht selbstverständlich? Auch in unserem SPD-Wahlprogramm kann man ganz selbstverständlich von einem „… Ziel des gleichberechtigten, von gegenseitiger Wertschätzung geprägten Zusammenleben aller in einer am Grundgesetz ausgerichteten Rechts- und Wertegemeinschaft…“ lesen. Und auch davon, wie wichtig Sprachkurse sind usw. Aber damit Wahlkampf machen? Dass die CDU in Rodgau mit einem Wahlplakat Stimmung gegen die Schwächsten machte, konnte ich noch als regionalen Fauxpas abschieben, aber jetzt…?

Wahlkampf mit kühlem Kopf!

Jetzt, ausgerechnet auf den letzten Metern, muss man sich der Schwächsten der Gesellschaft bedienen und auf ihren Rücken und mit den Ängsten und Sorgen Privilegierter Wahlkampf machen? Nein! Da platzt mir der Kragen und da bin ich ganz ehrlich:

  • Das ist UNchristlich!
  • Das ist UNmenschlich!
  • Das ist einfach Populismus pur!

Ich stehe nicht nur dieses, sondern auch im nächsten Jahr (dann als Bürgermeisterkandidat – HIER stelle ich mich vor) zur Wahl und habe IMMER eine offenes Ohr für Sorgen und Ängste – auch in der Flüchtlingsfrage!

Hier kann mich jeder ansprechen und ich nehme mir gerne die Zeit, tausche mich aus, höre zu und erzähle von meinen Erfahrungen. Von unserer Politik vor Ort hätte ich – das meine ich ganz ehrlich – so etwas wirklich nicht erwartet und ich hoffe darauf, dass der Wähler diese auf Stimmenfang ausgerichteten Schachzug entsprechend bewertet!

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Bisher war ich von dem sportlichen, fairen Umgang unserer Parteien begeistert. Aber jetzt sage ich klar: Ich bin nicht damit einverstanden, dass man auf dem Rücken von Flüchtlingen in unserer Stadt Wahlkampf macht! Ich hoffe, dass ALLE wieder zu einem anderen Umgang mittelnder finden. Unser Land und unsere Stadt braucht keine Spalter, die der Macht wegen mit dem Feuer spielen, sondern Versöhner und besonnene Politiker! Das sage ich als Christ und Demokrat – und zwar aus tiefsten Herzen! Denn jeder, der hier zündelt und mit dem Feuer spielt, macht sich an Bautzen und Co. mitschuldig.

Ich weiß – diese Karte zu spielen ist verführerisch. Denn es ist einfach und den Stammtischparolen geschuldet. Aber es bleibt falsch und der guten Politik in RÖDERMARK nicht angemessen.

Ich wünsche mir, dass keiner diese Karte weiter als Trumpf ansieht. Im Wahlkampf – und auch danach in der politischen Arbeit – möchte ich nur zu gerne allen die Hand reichen, die in dieser Weise verantwortungsvoll auf solche faulen Trümpfe verzichten.


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