Warum ich mich als Christ politisch engagiere.
Liebe ist politisch - Titelbild von pixabay.com

Warum ich mich als Christ politisch engagiere? Hier meine Antwort.

Lesedauer ca. 2 Minuten

Suchet der Stadt Bestes…

Warum ich mich in der Politik engagiere? Es ist für mich eine Konsequenz der Nächstenliebe! Politik leitet sich vom griechischen Πολιτικά (politiká) oder auch Polis – Stadt – ab. Jeder kennt den Vers:

Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum HERRN; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s auch euch wohl (LU; Jeremia 29,7)

Der Auftrag an die Gemeinde Israel, in die Gesellschaft, die Polis, hinein zu wirken, wurde ihr nicht im gelobten Land gegeben, sondern im babylonischen Exil. Und die Stadt hieß damals „Babylon“! Das Volk Israel sollte also das Beste für seine Feinde, die auch noch in einem heidnischen System lebten, suchen! Die oft angeführten Gründe, nichts mit weltlichen Systemen zu tun haben zu wollen, werden hier – jedenfalls für das Volk Israel – ad absurdum geführt.

… und betet für sie

Das heißt, dass wir nicht nur beten sollen, sondern auch (und das wird in der Reihenfolge sogar zuerst genannt) das Beste der Stadt ganz aktiv suchen sollen. Das Beste für etwas zu suchen, ist ein Prozess, manchmal auch ein Kampf. Denn es geht darum zuzuhören, Kompromisse zu finden – Austausch voraussetzt –, d. h. den Weg eines demokratischen Prozesses zu gehen.

Frommer Gegenwind

Damals wie heute löst dieser Auftrag frommen Widerstand aus. Darauf geht Gott durch den Propheten einen Vers später ein:

Denn so spricht der HERR Zebaoth, der Gott Israels: Lasst euch durch die Propheten, die bei euch sind, und durch die Wahrsager nicht betrügen, und hört nicht auf die Träume, die sie träumen! Denn sie weissagen euch Lüge in meinem Namen. Ich habe sie nicht gesandt, spricht der HERR (LU; Jeremia 29,8f)

Wir stellen also fest, dass es in der jüdischen Diasporagemeinde theologische Auseinandersetzungen und unterschiedliche Meinungen zum Thema „Fromme und Politik“ gab und man nüchtern darum stritt, was in dem heidnischen, babylonischen System zu tun sei. Es schien auch – ich nenne das mal „charismatische“ Begründungen (prophetische Stimmen, träumen, weissagen) –, ein Pro und Kontra in Bezug auf die göttliche Sendung der Juden in die Polis hinein zu geben. Da sind wohl Propheten in der Gemeinde aufgestanden und haben Dinge gesagt wie: „Wir sollen nichts zu tun haben mit dem heidnischen System“, „Kein Anteil an Babylon.“ o.ä. Und Gott fährt richtig schwere Geschütze auf, indem er seiner Gemeinde sagt, dass er diese Propheten nicht geschickt hätte und er sein Volk sehr wohl beauftragt hätte, für das Beste der Polis (also Babylon) zu wirken und auch für sie zu beten.

Politik – ein Prozess

In ethischen Angelegenheiten haben wir es bei Veränderungen weniger mit Revolution als mit Evolution zu tun. Veränderungen vollziehen sich prozesshaft. Deswegen engagiere ich mich in meiner Heimatstadt Rödermark parteipolitisch und bin hier Fraktionsvorsitzender der SPD. In dieser Partei kann ich meine Ideen am besten entfalten. Zusammen mit meinen Genossen (zum Teil Katholiken, evangelische Christen, Muslime, Atheisten und Agnostiker) suche ich das Beste meiner Stadt, meines Bundeslandes und der Bundesrepublik Deutschland.

„Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist. Sie muss an den weltlichen Aufgaben des menschlichen Gemeinschaftslebens teilnehmen, nicht herrschend, sondern helfend und dienend.“  (Dietrich Bonhoeffer)


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