Gastbeitrag von Uwe Schäfer. Titelbild von pixabay.com

Was ich Deutschland jetzt wünsche

Lesedauer ca. 3 Minuten

Gastbeitrag von meinem Freund Uwe Schäfer aus Wuppertal. Uwe ist Singer-Songwriter, Autor und Theologe. Seine besondere Leidenschaft gilt dem Kampf gegen Kinderprostitution auf der ganzen Welt.

Die drei großen politischen Gedankenschulen

Das letzte Jahrtausend hat drei große politische Gedankenschulen hervorgebracht: den Liberalismus, den Sozialismus und den Konservatismus. Es würde uns allen bestimmt gut tun, sich ein wenig mit diesen drei Ansätzen und ihrer Geschichte zu beschäftigen, vor allem aber würde es dem Niveau mancher politischer Diskussionen gut tun, wenn ein gewisses Grundwissen darüber bestünde bzw aufgefrischt würde. Alle politischen Parteien im Bundestag haben hier mehr oder weniger ihre Wurzeln.

Der Liberalismus

Der Liberalismus betont den großen Wert der Freiheit des Menschen. Er wendet sich gegen totalitäre Denkgebote von Herrschenden und träumt von einer Gesellschaft, in der der Einzelne größtmögliche Entfaltungschancen hat ohne kollektivistische Gleichmacherei oder unnötige staatliche Regulierungen. Eine gute Idee, wie ich finde!!!

„Wer anderen die Freiheit verweigert, verdient sie nicht für sich selbst.“
Abraham Lincoln 

Der Sozialismus

Der Sozialismus basiert auf drei Grundwerten, nämlich Gerechtigkeit, Gleichheit und Solidarität. Das Ideal ist eine Gesellschaft, in der keiner untergeht oder ausgebeutet wird, sondern wo der Starke den Schwachen selbstverständlich trägt und man gemeinsam das Ziel erreicht. Eine gute Idee, wie ich finde!!!


Sozialisten können Christen sein – Christen müssen Sozialisten sein.“ – Adolf Grimme.

Der Konservatismus

Der Konservatismus hat das Anliegen, Dinge, die sich bewährt haben, bewahren zu wollen und nicht durch unnötige Experimente aufs Spiel zu setzen. Die schon fast eingedeutschte Redewendung „Never change a winning team“ könnte auch eine treffende Überschrift für einen Artikel über konservative Werte sein. Ich muss gestehen, dass mir die beiden anderen Philosophien aus biographischen Gründen näher liegen, aber ich habe auch einen guten Grund, das Konservative zu mögen. Als Mensch, der sich bewusst für den christlichen Glauben entschieden hat, entdecke ich in der Bibel Ordnungen Gottes zum Wohle der Menschen, die ich für mich als verbindlich ansehe. Bei gewissen Themen denke ich also eher von diesen alten und aus meiner Sicht unaufgebbaren Werten her. So gilt also auch für den Konservatismus: Eine gute Idee, wie ich finde!!!

„Die Meinungsvielfalt der Konservativen besteht aus einem Sprechchor an der Spitze.“
Elmar Kupke

Aber wie kann das denn sein? Bin ich zu naiv in meiner Herangehensweise? Ich meine, die Protagonisten dieser politischen Weltanschauungen bekämpfen sich verbittert gegenseitig und oft genug unter der Gürtellinie und da komme ich daher und sage trotzig: „Ich will mich aber nicht entscheiden müssen. Ich habe Sympathien für alle drei!“? Ja genau, dafür will ich mit diesen Zeilen werben, nämlich alle diese Ansätze nicht als ein ‚entweder oder‘ sondern als ein ’sowohl als auch‘ zu begreifen. Weder Sozialismus, Konservatismus noch Liberalismus sind An-und Ausschalter zu einem politischen Paradies, sondern sind eher wie Regler an einem Mischpult, die es möglich machen, genau einzustellen und nachzuregeln, was gerade die politische Lage erfordert.

Das Problem: „ismus“

Das Problem ist das „ismus“ am Ende dieser Wörter, die mit einem wirklich guten Anliegen beginnen, so aber scheitern müssen und zwar daran, sich nicht als Beitrag zu einem größeren Ganzen, sondern als das Ganze selbst formuliert zu haben. Gemischt mit eitlem Ehrgeiz, Rechthaberei und Machtallüren ist das vielleicht die Ursache für die brutale Kaltschnäuzigkeit, die heute die politische Auseinandersetzung prägt und die unser Volk so politikverdrossen macht. Den Umgang miteinander im Bundestag empfinde ich oftmals einer demokratischen Republik schon lange nicht mehr würdig.

Was würde passieren, wenn viele Bürger und auch Politiker sich aufmachten, sachlich und der allgegenwärtigen Empörungskultur den Rücken kehrend, miteinander zu reden, gut zuzuhören, gute Fragen zu stellen und sich nicht mit schwarz-weißen Antworten zu begnügen?                                                                                      

Muss es immer „Entweder / Oder“ geben?

Was würde passieren, wenn wir alle unser aller politisches Erbe gemeinsam ehren würden und aus den geschichtlichen Entgleisungen lernen, ohne aber je das Kind mit dem Bad auszuschütten?                                                                             

Wäre es möglich, ein neues positives Klima des Aufbruchs zu schaffen, wo wir uns gemeinsam für unser Land einsetzen und neue totalitäre Verirrungen keine Chance haben angesichts solch einer gewinnenden, leidenschaftlich konstruktiven und respektvollen Atmosphäre?

Man darf mich gerne Utopist oder Traumtänzer nennen, aber ich bin fest entschlossen, an diesem Ideal festzuhalten und meinen Beitrag dahingehend zu leisten und auch einen Preis dafür zu bezahlen, vor allem in der Bereitschaft, mich zu verändern im Bezug auf die Art und Weise meiner Meinungsäußerungen. Mögen sie immer mehr geprägt sein von integrativer Leidenschaft und gewinnender Ganzheitlichkeit.

Ich ehre den Liberalismus und ja, ich bin auch ein Liberaler, aber niemals ein  Liberalist.

Ich mag den Sozialismus und ja, ich bin auch ein Sozi, aber wirklich kein SozialIst(WasWirSagen-Denker)

Ich stehe zum Konservatismus und ja, ich bin auch ein Konservativer, aber verschont mich bitte mit jeglichem starren ‚ismus‘.

Erst wenn wir (neu) begreifen, dass all das zusammengehört, auch wenn unsere Herzen vermehrt auf der einen oder anderen Seite schlagen mögen, gibt es eine echte Chance auf eine radikale demokratische Mitte, die für mehr Stabilität sorgen könnte. Das würde ich Deutschland jetzt sehr wünschen.

Weitere Infos zu Uwe Schäfer unter: https://www.uwex-musik.de/

Bewertung
[Stimmen: 6 Ergebnis: 4]