Titelbild "Titusbogen" von pixabay.com

Die Jerusalem-Hauptstadtfrage: aus christlicher Sicht?!

Lesedauer ca. 5 Minuten

Es geht schon wieder los… Man wird mit frommen Petitionen zugespamt sich doch für eine Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels stark zu machen. Dies sei ja schließlich eine christliche Position, Christenpflicht jetzt den Mund auf zumachen usw. – das ist sorry: Bullshit! Die Jerusalem-Hauptstadtfrage aus christlicher Sicht ist keine, die mit 1-2 Versen aus dem Alten Testament beantwortet ist! Sie muss für Christen, wenn man sich dem Thema theologisch annähern will, vor allem im Licht des Neuen Testaments betrachtet und bewertet werden.

Mir juckt es in den Fingern das Thema auch geschichtlich und politisch zu beleuchten, aber das mache ich jetzt mal nicht! Ich will hier nur die ganz großen Leitplanken anreißen in denen Christen – wenn sie das Neue Testament ernst nehmen – die Sache bewerten sollten.

Jesu Reich ist nicht von dieser Erde!

Als Überschrift einer solchen Bewertung würde ich ganz klar den Ausspruch Jesu „Mein Reich ist nicht von dieser Welt!“ nehmen.

»Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wenn es so wäre, hätten meine Diener für mich gekämpft, als ich verhaftet wurde. Aber mein Königreich ist nicht von dieser Welt.« (Johannes 18, 36)

Die Jünger Jesu sollten nicht um Jesus kämpfen (und sie sollen es erst Recht nicht für eine Stadt tun). Warum? Weil das Reich Jesu nicht von dieser Welt ist! Alle theologischen Scheinargumente, dass diese oder jene Steine, Flüsse oder Orte dann doch das Zentrum des Reiches Gottes auf Erden seien sind im Grunde mit diesem Ausspruch Jesu schon entkräftet.

Ja, es stimmt – ich komme noch darauf zu sprechen – Jerusalem war/ist in der alttestamentlichen Erwartung sehr eng mit dem messianischen Reich verbunden. Auch die Jünger Jesu begannen deshalb immer wieder denselben Fehler, den auch heute manche Christen erliegen: sie wollten das Reich Jesu hier auf der Erde bauen. Immer wieder stritten die Jünger darüber, wer im Reich Jesu (Reich Davids/Reich Gottes/ Reich der Himmel) der Größte sein würde und wer mit Jesus im neuen Jerusalem herrschen würde:

Und sie fingen an zu streiten, wer von ihnen im kommenden Reich Gottes der Größte sein würde. Jesus sagte zu ihnen: »In dieser Welt beherrschen die Könige und Großen ihre Untertanen und werden doch als `Wohltäter´ bezeichnet. Unter euch aber soll der Größte den niedrigsten Platz einnehmen und der Leiter soll wie ein Diener sein. (Lukas 22,24 – 26)

Was tut Jesus hier? Er sagt seinen Jüngern immer wieder, dass sie sein Reich total falsch verstehen würden und das, dass mit dem neuen Jerusalem und seinem Reich, ganz anders ablaufen würde und jeder Streit unter ihnen zu diesem Thema totaler quatsch ist und sie sich stattdessen als Diener aller Menschen (ja auch der Muslime!!!) verstehen sollten!

Ein Kapitel vor diesen Versen warnte Jesus seine Gemeinde bereit in Lukas 21 davor, dass Jerusalem zerstört werden würde und erst (siehe auch Offenbarung/ neues Jerusalem) in voller Pracht wieder hergestellt werden würde, wenn die „Zeit der Heiden“ um wäre. Ich sag mal so: Die Jerusalemfrage ist für Christen keine politische, sondern eine eschatologische! Ja, er befiehlt seiner Gemeinde sogar sich aus dem Konflikt raus zu halten, Jerusalem zu verlassen und zu fliehen:

„… Wenn ihr aber sehen werdet, dass Jerusalem von einem Heer belagert wird, dann erkennt, dass seine Verwüstung nahe herbeigekommen ist. Alsdann, wer in Judäa ist, der fliehe ins Gebirge, und wer in der Stadt ist, gehe hinaus, und wer auf dem Lande ist, komme nicht hinein. Denn das sind die Tage der Vergeltung, dass erfüllt werde alles, was geschrieben ist. Wehe den Schwangeren und den Stillenden in jenen Tagen! Denn es wird große Not auf Erden sein und Zorn über dies Volk kommen, und sie werden fallen durch die Schärfe des Schwertes und gefangen weggeführt unter alle Völker, und Jerusalem wird zertreten werden von den Heiden, bis die Zeiten der Heiden erfüllt sind…“ (Lukas 21, 20 – 24)

Halten wir fest: Jerusalem wurde zerstört (siehe Titelbild „Titusbogen„) und wird erst am Ende der Zeit von Gott selber vollständig Wiederherstellung erfahren! Bis dahin sollten wir uns als Christen (Kinder des Friedens) für beide Seiten stark machen, denn unsere Liebe soll immer Ungeteilt sein.

Übrigens deuten die Propheten an, dass die umliegenden Völker um Israel dem verlorenem Stamm Israels am Ende der Zeit zugezählt werden und die beiden Brüder Isaac und Ismael Frieden schließen werden! DAS sollte unser Ziel sein!

Antichristlicher Geist

„Antichristlicher Geist“ – was für ein Wort in diesem Zusammenhang?! Aber weil mir diese Wortkonstruktion in dem Zusammenhang um die Ohren gehauen wurde hier mal eine andere Einordnung. Wir haben festgestellt, dass aus neutestamentlicher Sicht das himmlische Jerusalem erst von Jesus selbst aufgerichtet werden wird (wie genau wissen wir nicht). Aber nehmen wir die Aussage Jesu doch alle für einen Moment mal ernst, dass es alleine sein Job wäre!

„Anti-Christ“ bedeutet ja nicht ausschließlich „Gegen-Christus“, sondern auch „Anstatt-Christus“… wir sollten hier in der Tat sehr vorsichtig sein und keinem antichristlichen Geist auf dem Leim gehen und Jesus diese Wiederherstellung aus der Hand nehmen lassen.

Wenn Jesus sagt, dass er das machen würde und jemand anderes – und sei es der römische Kaiser, der Präsident von Disneyland höchst persönlich oder sonst wäre – sagt „nö, das mache ich jetzt!“, dann sollten wir sehr vorsichtig sein uns hinter so einem Anstattchristus zu versammeln!

Wir warten auf das neue Jerusalem

Christen warten auf das neue Jerusalem!

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.

Dieses neue Jerusalem wird nicht durch Heer oder Kraft erobert, sondern vom Himmel herabkommen – dafür habe ich noch keine Petition gesehen. Übrigens, wird dieses neue Jerusalem für alle offen sein! Die himmlische Stadt wird in der Offenbarung 21 sehr genau beschrieben, aber ein Detail verdient hier noch mal genauere Aufmerksamkeit:

Und ihre Tore werden nicht verschlossen am Tage; denn da wird keine Nacht sein. Und man wird die Herrlichkeit und die Ehre der Völker in sie bringen. (Offenbarung 21, 25f)

Dieses neue Jerusalem bleibt Weltoffen und wird niemals verschlossen – was für eine wunderschöne Hoffnung!

Konstruktiver Vorschlag

Statt Petitionen zu unterschreiben würde ich in diesem Fall allen raten Jesus hier sehr ernst zu nehmen und sich nicht mit einem eschatologischen „Taumelbecher“ zu betrinken:

Siehe, ich will Jerusalem zum Taumelbecher zurichten für alle Völker ringsumher, und auch Juda wird’s gelten, wenn Jerusalem belagert wird. Zur selben Zeit will ich Jerusalem machen zum Laststein für alle Völker. Alle, die ihn wegheben wollen, sollen sich daran wund reißen; alle Völker auf Erden werden sich gegen Jerusalem versammeln. (Sachaja 12, 2-3)

An dem Streit „wem gehört Jerusalem“ – einer Stadt die immer von vielen Völkern bewohnt wurde – sollten wir uns als Christen so jedenfalls nur sehr vorsichtig beteiligen (wenn überhaupt)! Wir sollten das Joch Christi tragen und keinen „Laststein“: Wir sind zu allen Völkern gesandt um ihnen gute Nachrichten, als Friedensbotschafter an Christistatt zu bringen (Deutschen, Israelis und Arabern, …) – das ist unser Job! Bis das Ende der Welt gekommen ist meine ich jedenfalls, dass Kompromisslösungen die einzig möglichen Lösungen sein können.

In diesem Sinne: Schalom!


Lied das zu meine Position ziemlich gut zusammenfasst

Dieses Lied ist schon etwas älter und die Bilder sind hier und da nicht ganz passend, aber das Lied selber finde ich sehr passend… aber höre selber mal rein…


 

Bewertung
[Stimmen: 5 Ergebnis: 5]

Vielleicht ist auch das was für Dich?

Gott versucht nur soviel wir ertragen können. Bullshit?!
Leser 741
Es gibt Verse in der Bibel, die haben es in sich! Dieser Text gehört definitiv dazu. Ich habe mich monatelang an diesem Text abgearbeitet – es war def...
Wenn der „Herr der Lügen“ Dich nicht anlügt
Leser 476
Der „Herr der Lügen“ ist ein Name des Teufels. Jeder vernünftige Mensch würde sagen, dass Lügen schlecht sind und notorische Lügner kein guter Umgang ...
„Gott hilft denen die sich selber helfen“ – oder?
Leser 1231
Nein, dieser Satz steht so nicht in der Bibel. Es ist kein Vers, sondern ein deutsches Sprichwort. Wie es mit Sprichwörtern so ist ist oft etwas dran,...
Die Herde – ein Bild für die Kirche
Leser 1111
In diesem Blogbeitrag veröffentliche ich für Dich exklusiv einige Ausschnitte aus einem meiner Bücher. Diesmal aus dem Buch Einfach überirdisch – entd...
Vegetarisches Christentum?
Leser 2380
Es gibt kein biblisches Gebot für Vegetarismus, aber ein paar biblische Gründe gibt es sehr wohl... Das Christentum gilt nicht als vegetarische Relig...
Staatsschulden? Das Erlassjahr die Lösung
Leser 381
Pfingsten und das Erlassjahr - ein Schuldenschnitt für alle. Lese hier eine preisgekrönte Predigt mit vielen spanendem, aktuellem Hintergrundwissen un...