Titelbild von pixabay.com

Fakt ist: Jesus hat auch zur Intifada gegen Ungläubige aufgerufen, aber ganz anders…

Lesedauer ca. 4 Minuten

Das Judentum (und damit auch das Christentum) und der Islam haben viele gemeinsame Wurzeln, nicht nur religiöse, sondern auch kulturelle und sprachliche gemeinsame Wurzeln. Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Begriff Intifada (arabisch انتفاضة) auch im Judentum (die hebräische Schreibweise ist אינתיפאדה) bekannt ist. Was fast keiner weiß: Der Aufruf zur Intifada findet sich auch im Neuen Testament als Anweisung Jesu an seine Jünger.

Aber der Reihe nach!

Intifada in der arabischen Welt.

Der Begriff Intifada kommt aus dem arabischen intafada / انتفض und bedeutet so viel wie „abschütteln“, „loswerden“ oder „sich erheben“.[1] Wir kennen den Begriff vor allem als Aufruf zum Aufstand gegen Israel.

Die erste Intifada

Die erste Intifada begann als so genannter „Krieg der Steine“ 1987 und dauerte bis ca. 1993. Die erste Intifada kostete 2.332 Menschen das Leben. 1.162 Palästinenser wurden von israelischen Kräften getötet. Fast genauso viele Menschen wurden von den Palästinensern getötet, allerdings waren unter diesen Opfern nur 160 Israelis! Die anderen 1.000 Tote wurden im Zuge von Lynchjustiz, Blutrache oder Ehrenmorden von palästinensische Kräfte getötet. Nur 40–50 % von ihnen standen in Kontakt mit israelischen Kräften.[2]

Die zweite Intifada

Die zweite Intifada (Al-Aqsa-Intifada) begann im September 2000 und kostete 4628 Menschen das Leben. Die Israelis zählten in den 1558 Tagen der Al-Aqsa-Intifada 20.406 Anschläge, darunter 138 Selbstmordanschläge und 13.730 Schussüberfälle, sowie 460 Angriffe mit Qassam-Raketen. Nach Angaben der Zeitung Jedi’ot Acharonot wurden 1036 Israelis getötet (715 Zivilisten) und 7.054 verletzt. Die Palästinenser hatten 3592 (palästinensische Quellen: 3336) Tote (darunter 985 Zivilisten) zu beklagen.

Die dritte Intifada?!

Zu einer dritten Intifada rief nun im Dezember 2017 die Hamas auf. Anlass war die offizielle Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch die USA. Ich möchte jetzt thematisch nicht auf die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt eingehen. Was mich persönlich aber wundert, ist, dass Russland Westjerusalem bereits im April 2017 als Hauptstadt Israels anerkannte und damals niemand in der arabischen Welt an eine Intifada dachte!

Eine politisch und religiös sehr verfahrene Sache. Wirklich wundern muss einen der alte Hass nicht, denn die Hamas ( حَمَاسْ  bedeutet EIFERER)[3] die zur neuen Inifada aufrief hasst die Juden bis aufs Blut. In ihrer Charta heißt es unter anderem:

„Der Gesandte Gottes … sagt: ´Die Stunde (der Auferstehung) wird nicht kommen, bis die Muslime gegen die Juden kämpfen. Die Muslime werden sie töten, bis sich der Jude hinter Stein und Baum verbirgt, und Stein und Baum dann sagen: Muslim, oh Diener Gottes! Da ist ein Jude hinter mir. Komm und töte ihn´, außer der Gharqad-Baum, denn er ist ein Baum der Juden“ (S. 211, Artikel 7)

Die Haltung gegenüber dem Staat Israel ist kompromisslos und auf alle Zeiten festgelegt. Palästina wird als Teil des Dār al-Islām beschrieben seit der Eroberung durch den Kalifen Omar ibn al-Chattab im 7. Jahrhundert: „Palästina ist den Generationen der Muslime bis zum Tag des Jüngsten Gerichts gegeben.“ (Artikel 11) In Artikel 13 stellt sich die Hamas gegen friedliche Lösungen und internationale Konferenzen zur Lösung der Palästina-Frage.

Eine diplomatische Lösung scheint jedenfalls mit folgendem selbstaufgelegten Dogma unmöglich.

„Weder darf es oder ein Teil von ihm aufgegeben werden noch darauf oder auf einem Teil von ihm verzichtet werden …“ (S. 212, Artikel 11)

Ich könnte noch viel mehr zu dieser Charta und dem Konflikt schreiben, aber ich will es damit bewenden lassen. Ich denke, bereits diese Anmerkungen machen deutlich, mit welchem Eifer des Hasses eine Intifada gegen die Juden immer wieder betrieben wird. Der Hass scheint so tief und die Dogmen so absolut, dass Frieden aus menschlicher Sicht fast unmöglich erscheint!

Intifada im Neuen Testament und Judentum.

Jetzt zu meiner Behauptung, dass auch die Juden und Christen eine Intifada gegen Ungläubige kennen und dazu bis heute aufgerufen sind!

Wir erinnern uns, dass das arabische Wort Intifada eigentlich „abschütteln“ bedeutet, und mein Hinweis, dass Christentum, Judentum und der Islam auf gemeinsame Wurzeln zurückgehen. Auch die Juden und Christen kennen den Auftrag, sich von der Schmach und Ablehnung der Ungläubigen abzuschütteln.

Jesus befahl seinen Jüngern eines Tages, dass sie in die umliegenden Ortschaften gehen sollten und die Kranken gesund machenund sich um Aussätzige, psychisch Kranke und andere Randgruppen kümmern sollten.[4] Dieser Auftrag stieß nicht nur auf Gegenliebe. Die Jünger wurden ausdrücklich davor gewarnt, dass sie mit Verfolgung, Folter und sogar Tod zu rechnen hätten. Sollten die Jünger auf eine ablehnende, politische oder religiöse Haltung stoßen und in einem Ort nicht willkommen sein, dann rief Jesus seine Jünger dazu explizit auf, diese Sache abzuschütteln (Intifada):

„Und wenn jemand euch nicht aufnehmen noch eure Worte hören wird – geht hinaus aus jenem Haus oder jener Stadt, und schüttelt den Staub von euren Füßen!“ (Matthäus 10,14)

Diesen Ritus hatte Jesus nicht erfunden, dann gab es vorher schon im Judentum. Jesus deutet ihn hier aber um. Jedes Mal wenn ein Jude außerhalb der Grenzen Israels war und wieder zurück in sein Land, in dessen Grenzen kam, dann schüttelte er den „heidnischen Staub“ von seinen Füßen ab … diesen heidnischen Staub wollte man nicht mit ins Heilige Land nehmen!

Das war es schon? Das ist die christliche und jüdische Intifada? Einfach nur im buchstäblichen Sinne ein „Abschütteln“? Kein Krieg, Rache, Vernichtung? Richtig!

Die Apostel erlebten im Neuen Testament wieder einmal Beschimpfung, Ablehnung und Verfolgung … Und was machen die Apostel?

 „Sie aber schüttelten den Staub von ihren Füßen gegen sie ab und kamen nach Ikonion.“ (Apostelgeschichte 13,51)

 

Man erlebte eine Demütigung, politisch oder religiös motivierte Ablehnung oder Verfolgung und verzichtete auf Rache, Selbstjustiz, Krieg usw. Im Lukasevangelium wird dies auch begründet: Das Gericht sei Gottes Sache und nicht der Auftrag der Jünger Jesu.[5] Ihr Auftrag ist es, Kinder des Friedens zu sein, das „Abschütteln“ dieser Dinge war ein Akt der Vergebung und des Liegenlassens, nicht der Rache, des Todes und Krieges. Immer wieder fordert das Neue Testament diese Geisteshaltung ein:

„Wenn nun deinen Feind hungert, so speise ihn; wenn ihn dürstet, so gib ihm zu trinken! Denn wenn du das tust, wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln. Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ (Römer 12,20f )

Islamistische Intifada vs. Christliche Intifada – ein Vergleich.

Ja, es gibt so etwas wie eine jüdisch/christliche Intifada, aber sie ist so ganz anders, als es die politischen Islamisten predigen.

 

Islamistische Intifada Christliche „Intifada“

 

Wortbedeutung: abschütteln Wortbedeutung: abschütteln
Rache Vergebung
Krieg Frieden
Tod Leben
Hass Liebe

 

Ich wünsche alle muslimischen, christlichen und jüdischen Freunden (aber auch allen anderen): Salam, Frieden, Schalom – lasst Euch nicht vom Hass auffressen, sondern werdet Kinder des Friedens und überwindet das Böse mit dem Guten.

 

 


[1] Glossar: „Intifada“. Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung; abgerufen am 9. Dezember 2017. [2] One Year Al-Aqsa Intifada: Fact Sheets And Figures – Collaborators. Palestinian Human Rights Monitoring Group, ; abgerufen am 24. Februar 2008. [3] Fatah   ‏(فتح  bedeutet Eroberung/Sieg) [4] Matthäus 10, 8 [5] Lukas 10, 11ff

Bewertung
[Stimmen: 6 Ergebnis: 4.8]

Vielleicht ist auch das was für Dich?

Gott versucht nur soviel wir ertragen können. Bullshit?!
Leser 741
Es gibt Verse in der Bibel, die haben es in sich! Dieser Text gehört definitiv dazu. Ich habe mich monatelang an diesem Text abgearbeitet – es war def...
Wenn der „Herr der Lügen“ Dich nicht anlügt
Leser 476
Der „Herr der Lügen“ ist ein Name des Teufels. Jeder vernünftige Mensch würde sagen, dass Lügen schlecht sind und notorische Lügner kein guter Umgang ...
„Gott hilft denen die sich selber helfen“ – oder?
Leser 1231
Nein, dieser Satz steht so nicht in der Bibel. Es ist kein Vers, sondern ein deutsches Sprichwort. Wie es mit Sprichwörtern so ist ist oft etwas dran,...
Die Herde – ein Bild für die Kirche
Leser 1111
In diesem Blogbeitrag veröffentliche ich für Dich exklusiv einige Ausschnitte aus einem meiner Bücher. Diesmal aus dem Buch Einfach überirdisch – entd...
Vegetarisches Christentum?
Leser 2380
Es gibt kein biblisches Gebot für Vegetarismus, aber ein paar biblische Gründe gibt es sehr wohl... Das Christentum gilt nicht als vegetarische Relig...
Staatsschulden? Das Erlassjahr die Lösung
Leser 381
Pfingsten und das Erlassjahr - ein Schuldenschnitt für alle. Lese hier eine preisgekrönte Predigt mit vielen spanendem, aktuellem Hintergrundwissen un...