Interview mit einem Engel

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Interview mit einem Engel

Diesmal war auch ich als Autor mit dabei. In Absprache mit dem Herausgeber darf ich Dir meine Geschichte aber schon jetzt als kleines Geschenk schenken und hier präsentieren. Sie ist etwas unorthodox und handelt von einem Kriegsengel, Armeen des Lichts und der Finsternis und einem Journalisten, was es damit auf sich hat? Nun ließ selbst…

 

Interview mit einem Engel

Was Frieden auf Erden mit himmlischer Mobilmachung zu tun hat

Hallo, mein Name ist Verum Finder. Ich bin Journalist, schreibe für eine große deutsche Tageszeitung und ich hatte die einmalige Gelegenheit, eine historische Begebenheit der alten Weihnachtsgeschichte durch die Perspektive eines ungewöhnlichen Zeitzeugen zu rekonstruieren. Ob ich für diese Reportage den Pulitzerpreis bekomme, weiß ich nicht, ihre Ergebnisse jedenfalls sind nach meiner Überzeugung bahnbrechend und von enormer historischer und journalistischer Bedeutung. Mein Interviewpartner war die bisher spektakulärste Quelle meiner journalistischen Laufbahn: ein echter Engel!

Über gute Kontakte aus meiner Zeit in der Redaktion für Kirchen- und Weltanschauungsfragen konnte ich nach endlosem, bürokratischem Aufwand die Pressestelle des Vatikan überzeugen, einen Engel für meine Reportage zu gewinnen. Sein Name: Lux Bello.

Von diesem Lux Bello wollte ich die Ereignisse aus der sogenannten Weihnachtsgeschichte auf den Grund gehen, die durch den Kollegen Lukas überliefert worden sind. Der übrigens nicht nur Autor, sondern auch noch Arzt war. Auch dieser Lukas recherchierte die in seinem Werk verfassten Ereignisse – ähnlich wie ich – nicht als Zeitzeuge, sondern quasi als freier Journalist, durch akribische Zeitzeugenbefragung. In dem uns als „Weihnachtsgeschichte“ bekannten Text schrieb er unter anderem: […] und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens […].“ Um diese spezielle Passage sollte es in meinem Interview gehen.

Natürlich habe ich mich eingehend auf die Begegnung mit einem Engel vorzubereiten versucht. Wir einigten uns zunächst durch einen Mittelsmann, uns in meiner privaten Wohnung und nicht in der Öffentlichkeit zu treffen, das sei – so versicherte man mir – bei der Begegnung mit Engeln die normale Vorgehensweise.

Was bietet man als einem Engel an? Wie bereitet man sich auf eine solche Begegnung vor? Wie würde Herr Bello aussehen? Oder ist der Terminus „Herr“ in der Anrede bereits falsch gewählt? Spricht man jemanden, der einem im privaten Bereich begegnen möchte, mit „Sie“ und dem Nachnamen an oder mit „Du“ und beim Vornamen an? Ich beschloss, das Interview mit genau diesen Fragen zu eröffnen.

Da wir beide uns noch nie zuvor begegnet waren, war ich natürlich auch auf das äußere Erscheinungsbild des göttlichen Boten gespannt: Wie würde Lux Bello aussehen? Wie einer dieser kleinen, nackten, fliegenden Babys, wie sie in der Kunst vielfach illustriert wurden? Mit oder ohne Flügel? Besonders schön und makellos oder doch eher ein Durchschnittstyp? Eine reale Person oder eher eine metaphysische Erscheinung aus Licht und Nebel? Inmitten dieser Überlegungen klopfte es dann auch schon an meine Tür.

Durch den Spion meiner Wohnungstür erhaschte ich einen ersten Blick, doch was ich da zu sehen bekam, schnürt mir fast die Luft zum Atmen ab. Hatte sich der Mann in der Tür geirrt oder handelte es sich tatsächlich um meinen Interviewpartner? Ich öffnete zögerlich mit einem „Guten Tag, Verum Finder mein Name“ meine Tür. Der Mann vor meiner Türschwelle hätte auch ein Türsteher oder Kraftsportler, also Bodybuilder sein können! Seine Oberarme waren mindestens so dick wie meine Oberschenkel.

„Guten Tag, mein Name ist Lux Bello, wir sind zu einem Interview verabredet“, kam mit kräftiger, ausdrucksstarker, tiefer Stimme zurück. „Aber natürlich …“ sagte ich und bat meinen Gast herein.

„Darf ich Ihnen etwas anbieten? Ein Wasser, Kaffee oder einen Tee?“, fragte ich zunächst und führte den Engel dabei ins Wohnzimmer an den Platz, den ich für das Interview am besten geeignet hielt.

„Ein Kaffee mit einem Glas stillen Wasser wäre wunderbar, wenn es Ihnen keine Umstände macht“, antwortete er höfliche. In der Küche hielt ich mich zunächst kurz an der Arbeitsplatte fest und atmete tief durch, sammelte mich, ging zurück ins Wohnzimmer, bediente meinen Gast und eröffnete das Gespräch. „Schön, dass es geklappt hat und Sie Zeit für mich gefunden haben. Hatten Sie eine angenehme Reise, haben Sie meine Wohnung gleich gefunden?“

„Ja, ich freue mich auch hier zu sein und die Ereignisse hier und da richtigstellen zu können. Danke für die Gelegenheit dazu. Die Reise war etwas turbulent, fast hätte mich die Gegenseite aufgehalten, aber meine Reisebegleiter konnten Schlimmeres verhindern, sodass ich mich freue, es doch pünktlich zu Ihnen geschafft zu haben.“ Die Frage nach der „Gegenseite“ und den anderen „Reisebegleitern“ lag mir zwar auf der Zunge, aber ich wollte nicht allzu naiv und unwissend erscheinen und fragte daher zunächst einige der Fragen, die ich mir zum Einstieg vorgenommen hatte zu stellen: „Wäre es Ihnen möglich, sich zunächst einmal kurz weiter vorzustellen? Darf ich bei Herr Bello als Anrede bleiben oder bevorzugen Sie eine andere Anrede? Was genau ist ihre Funktion heute, was war sie damals?“

„Ja, die Anrede Herr Bello ist für mich in Ordnung. Auch wenn sie nicht ganz exakt ist“, so der Engel. „Ich bin Offizier der himmlischen Garde, unter meiner Befehlsgewalt stehen heute zwei (2) himmlische Legionen. In selber Funktion war ich damals zur Geburt Jeschuas anwesend.“

Ich machte mir erste Notizen und fragte weiter: „Sagen Sie, sehen eigentlich alle Engel so aus wie Sie?“

Herr Bello nippte an seiner Tasse Kaffee und reagierte etwas verwundert: „Was meinen Sie mit ‚aussehen‘?“

„Nun ja, Ihre doch sehr maskuline und – verzeihen Sie mir – leicht einschüchternde, athletische Gestalt.“, konkretisierte ich meine Frage.

Bello grinste leicht, antwortete danach aber sofort: „Wir Engel sind von unserem gemeinsamen Schöpfer geschaffene Wesen. Genau wie Ihnen als Menschen, hat er auch jedem Engel ganz spezielle Eigenschaften und Talente gegeben, um seine vorgesehene Aufgabe zu erfüllen. Meine Aufgabe ist militärischer Natur. Neben der Kommandantur und Führung stehe ich aber auch mit in erster Frontlinie bei feindlichen Auseinandersetzungen und brauche daher meine ganze körperliche Kraft und Fähigkeiten. Andere Engel mit anderen Berufungen sehen teilweise anders aus. Jeder von uns ist einzigartig geschaffen, genau wie jeder von Euch Menschen. Wir haben Engel, die besonders musikalisch sind, andere sind sehr schnell, andere besonders tierlieb – um nur einen kleinen Einblick zu geben.“

„Ernsthaft?“, warf ich ein. „Bei der Geburt von Jesus Christus war Militär anwesend? Das war mir bisher noch nicht bewusst. In welcher Funktion?“

„Genau das wollte ich schon immer mal bewusst machen. Schön, dass wir gleich darauf zu sprechen gekommen sind. Haben Sie eine der heiligen Schriften da, die es bei Ihnen in gedruckter Form gibt? Sie nennen sie ‚Bibel‘? Dann könnte ich es Ihnen Schwarz auf Weiß zeigen.“

Ich war sehr froh, meine alte Bibel vor dem Interview aus dem Regal geholt zu haben. Den peinlichen Moment zuzugeben, dass ich dieses alte Buch schon lange nicht mehr in der Hand hatte, was aufgrund der Staubschicht, die sich auf ihren Buchdeckeln angesammelt hatte, auch nicht zu leugnen gewesen wäre, konnte ich mir so ersparen. Ich überreichte Herrn Bello also meine alte Bibel, die Version der Luther-Übersetzung.

Herr Bello nahm die Bibel in die Hand und schlug auf Anhieb die richtige Seite auf und fing an vorzulesen: […] und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens […].

Er machte eine kurze Pause und fuhr dann fort: „Sehen Sie, hier steht es doch: himmlische Heerscharen, das waren unter anderem meine Legionen und ich.“

Tatsächlich war mir noch nie bewusst aufgefallen, dass hier von einem militärischen Begriff die Rede war. Obwohl ich ja jedes Jahr in der Advents- und Weihnachtszeit in irgendeiner Form mit diesem Text der Weihnachtsgeschichte konfrontiert wurde. In meiner innerlichen Version, meiner Vorstellung der Ereignisse stellte ich mir eine Art himmlischen Chor vor, aber hier war ja tatsächlich die Rede von „Heerscharen“!

Der Engel führte dann weiter aus: „Das ist etwas, was ihr Menschen, obwohl ihr die Schrift habt, zumindest Weihnachten immer mal wieder darin lest und oder euch vorlesen lasst, total vergessen und – entschuldigen Sie diese deutlichen Worte – verkitscht habt. Damals ließ der Allmächtige den Horizont aufreißen und die gesamte himmlische Armee anrücken und den lange angekündigten Retter, aber auch Oberbefehlshaber aller himmlischen Streitkräfte zu ehren.“

Ich war verwundert und warf ein: „Und dann sangen sie alle: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen […]? Als Militärs?“

Herr Bello verschluckte sich fast beim Trinken und musste plötzlich einmal lauthals lachen: „Sie wollen mich nicht singen hören! Nein, wir haben nicht gesungen! Wir haben im Chor unseren lange geprobten Schlachtruf gerufen!“

„Ihren Schlachtruf?“ fragte ich nun mehr als erstaunt nach. „Das müssen Sie mir erklären? Gegen wen? Warum? Was für eine Schlacht?“

„Nun, ich denke, ich muss Sie hier ein wenig in militärischer Kriegskunst einweisen“, begann Herr Bello zu erklären. Auch die Heere der Menschen kennen solche Schlachtrufe. Die Römer nannten diesen ersten Teil der Schlacht Konfliktum, von diesem Begriff hat sich ihr heute eingedeutschtes Wort Konflikt abgeleitet. Die Römer schlugen sich dazu mit ihren Kurzschwertern auf die Schilde und brüllten ebenfalls in gewaltigen Sprechchören entsprechende Schlachtrufe. Der Zweck dieser Übung ist zum einen die Moral der eigenen Truppe zu stärken, aber vor allem auch den Feind einzuschüchtern – nennen Sie es Teil einer psychologischen Kriegsführung. Und ich kann Ihnen sagen …“, Herr Bello wurde jetzt sehr Ernst, „… das gegnerische Heer hatte damals nicht darauf geantwortet, sondern sich eingeschüchtert in ihre Schatten und Löcher für wenigstens eine kurze Zeit zurückgezogen. Auch die anwesenden Menschen, also die Hirten, mussten von unserem Militärseelsorger und -sprecher auf diesen Schlachtruf mit einem ‚Fürchtet euch nicht …’ vorbereitet werden.“

„Ok. Aber was ist das denn für ein seltsamer Schlachtruf: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen?!“ Ich wurde immer irritierter.

„Das mag für euch Menschen ein seltsamer Schlachtruf sein, aber nicht für uns ‚Diener des Lichts!’, wie wir auch immer wieder mal genannt werden. Unser Ehrenkodex verbietet uns, gegen Fleisch und Blut zu kämpfen, im Gegenteil: Wir verstehen uns als Eure Schutzmacht! Nur in absoluten Ausnahmefällen und auf ausdrücklichen Befehl des Höchsten selbst darf gegen diese oberste Doktrin verstoßen werden! Genau dafür ist der Retter der Welt gekommen: Frieden auf Erden! Auch seine Nachfolger zeichnet diese Sendung des Friedensstifters aus.“ Herr Bello, der Engel, war jetzt immer engagierter bei der Sache.

„Aber Herr Bello, haben Sie dann nicht versagt? Haben Sie diesen Krieg nicht längst verloren? Auf der ganzen Welt gibt es tausende Konflikte! Kinder verhungern! Die Reichen beuten die Ärmsten aus und so weiter und so fort. Auch heute werden wieder irgendwo auf der Welt die ‚Klingen gekreuzt’. Warum lassen Sie das zu?“

Herr Benno stand plötzlich auf und musste sich augenscheinlich sehr beherrschen, flüsterte ein „Herr gib mir Kraft“ und setze sich danach wieder. Er schaute mir in die Augen und sagte dann mit sehr ruhiger Stimme: „Genau das wollte ich Sie fragen: Warum lassen Sie das zu? Warum lasst Ihr Menschen das zu? Erinnern Sie sich an die oberste Doktrin? Kein Kampf gegen Fleisch und Blut! Wir können nur aktiv werden, wenn Ihr aktiv werdet. Ihr wolltet die Verantwortung für Euer Leben und diese Erde. Also, macht was draus! Dafür ist der Friedefürst doch auch gekommen: um euch auch daran zu erinnern. Mit seiner Hilfe ist Frieden möglich, seine Kinder werden Friedensstifter genannt und das fängt nicht immer bei den großen Konflikten dieser Welt, sondern auch im Kleinen an! Warum schlagen Sie, mein lieber Verum Finder, zum Beispiel seit Jahren die Einladung Ihrer Eltern zu Weihnachten aus und befrieden Ihren inneren Krieg nicht endlich, durch das Angebot des Friedenstifters zu vergeben?“

Plötzlich gab es einen großen Knall und etwas wie ein heller Blitz erfüllte den ganzen Raum. Bruchteile später war alles vorbei, alles war wie vorher, nur mein Gast war plötzlich verschwunden. Aber auch ohne diese Erschütterung war ich alleine durch die letzten Worte des Engels tief getroffen! Es stimmt. Weihnachten ist so ganz anders, als ich mir es vorgestellt habe. Weihnachten bedeutet auch hier und da echte Konflikte und Konfrontationen mit Situationen die ich fürchte, die ich nicht angehe, die ich verdränge. Weihnachten ist ein Auftrag zum Frieden und der Zurückdrängung von meiner inneren und äußeren Finsternis! Mit diesem Ergebnis, eigentlich mehr mit dieser Erkenntnis, habe ich bei der Vorbereitung dieses besonderen Interviews nicht gerechnet.

Aber genau in diesem Sinne wünsche ich Ihnen nun, die Sie diese Zeilen lesen, frohe, friedensstiftende Weihnachten. Haben Sie keine Angst: Himmlische Heerscharen stehen Ihnen in der geistlichen Welt treu zur Seite und warten auf ihren Marschbefehl. Man erreicht sie über ein Gespräch mit dem Oberbefehlshaber. In der Fachsprache auch als ‚Gebet’ bekannt.

Ende


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Weihnachtswundernacht.inddWeihnachtswundernacht 3: 24 Erzählungen für die schönste Zeit des Jahres

Gebundene Ausgabe:160 Seiten

Preis: 14,95 Euro

Verlag: Brendow, J; Auflage: 1 (18. September 2014)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3865066704

ISBN-13: 978-3865066701

PS. Das Bild mit dem Engel (oben) ist übrigens ein Freund von mir, er ist Christ und modelt (will hier aber nicht namentlich genannt werden), die Flügel hat ihn mein Freund Igor von Photo Impuls hingezaubert.

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