Weihnachtsgeschichte nach Titus - Weihnachten am Strand

Weihnachten auf Kreta – Die Weihnachtsgeschichte nach Titus.

Lesedauer ca. 6 Minuten

Hallo mein Name ist Titus, ich bin so etwas wie die Geheimwaffe des Schauul – Du kennst ihn wahrscheinlich unter seinem europäischen Namen „Paulus„. Schauul schickt mich immer wenn gar nix mehr in den Kirchen geht, es hier so richtig brennt, man sich hier so richtig die Köpfe einschlägt und kurz vor einer Spaltung steht.

Jeder hat so seine Berufung, alle ergänzen sich: Schauul und ich tun das auch: Er gründet die Gemeinde, zieht das weiter und gründet die nächste Gemeinde, ich mach dann die – ja sagen wir mal Detailarbeit: böse Zungen sagen, dass ich den Scherbenhaufen zusammenfege… – aber Nein! Ich will mich nicht beschweren, ich kann das, da hat Gott mich gut für ausgerüstet.

Ich bin in einem europäisch, westlichen Elternhaus aufgewachsen, nur meine Oma und Mutter haben viel Wert darauf gelegt, dass ich auch im Glauben erzogen wurde. Mein Vater war da ein eher wenig religiös/ säkular Eingestellter.

Ich bin also in beiden Welten aufgewachsen: ganz normal westlich, europäisches, modernes Elternhaus und mit den alten Geschichten aus der Bibel. Ich kenne beide Welten sehr gut – genau das prädestiniert mich in Gemeinden hier und da den Feuerlöscher zu spielen.

So hab ich diesen Job z.B. schon in meinem Geburtsort der korinthische Gemeinde[1] oder auch in Dalamatien[2] getan. Aber jetzt hab ich diesen Spezialauftrag von Schauul bekommen, der wirklich alles bisherige in den Schatten stellt!

Als Schauul nach Rom reiste, da reiste er in die europäische Hauptstadt mit der Fähre über Kaftor (du kennst die Insel unter dem Namen Kreta). Ne tolle Insel! Hier kann man gut Urlaub machen: tolle Strände, super Kulturangebot, moderne Infrastruktur… nur dort leben?!

Typisch Schauul, als der hier auf der Durchreise war gründete er überall wo er hinkam kleine Gemeinden, so in Guthafen, Lasäa und Phönix – Schuul erzählte ihnen von Jesus, die Leute waren begeistert, ließen sich taufen und dann… dann musste Schauul auch schon weiter und die junge Gemeinde bleib ohne Leitung und Anleitung zurück, viel schließlich schnell in alte Verhaltensmuster und stand jetzt kurz vor der Auflösung: Das hab jetzt ich an den Hacken, als Bischof eines kleinen engstirnige Inselvolkes.

Bitte versteht mich nicht falsch: ich liebe die Leute, aber sie treiben mich regelmäßig fast in den Wahnsinn! Als Schauul mit in seiner kurzen Mail mitteilte was hier zu tun wäre, da konnte ja keine Ahnen wie schwer das werden würde! Dabei hatte mich Schauul ja vorgewarnt, als er einen heidnischen Propheten von Kreta zitierte,… Moment… das lese ich Dir mal auszugsweise vor:

Einer aus ihren eigenen Reihen, ein Prophet aus Kreta, hat über sie gesagt: »Die Kreter sind alle Lügner; sie sind blutgierige Bestien und faule Vielfraße.« Das stimmt. Weise sie deshalb streng zurecht, damit sie im Glauben stark werden […]. Solche Leute behaupten, Gott zu kennen, verleugnen ihn aber durch die ganze Art, wie sie leben. Sie sind ungehorsam und widerlich und zu nichts Gutem zu gebrauchen! (NL; Titus 1,12 & 16)

Die Kretaner sind wirklich berüchtigt! Es gibt sogar eine westliches Wort in altgriechischer Sprache das es in unseren Wortschatz geschafft hat namens cretizo = das bedeutet Lügen! Was für Völkchen oder?[3] Aber je länger ich hier leben, kann ich die Leute auch mehr und mehr verstehen – nein ich sage nicht, dass ich ihre Ansichten teile, aber ich beginne ihre Denke mehr und mehr zu verstehen.

Die Menschen habe hier ihre ganz eigene westliche Kultur geschaffen und sind stolz drauf, sie haben einige berühmte Dichter und Denker, sind ein Kulturvolk und dabei auch sehr wohlhabend! Die ganze Häfen und die zentrale Lage machen es möglich: man lebt vom Import/Export. Ein Volk von Händlern, Bänkern, großen Redereien, hier und da ein wenig Tourismus – es geht den Leuten gut hier im Westen.

Ja, Touristen sind willkommen, aber Fremde die bleiben wollen? „Klar geht es den Menschen nicht überall so gut wie hier, aber müssen die dann ausgerechnet hier stranden?! Man hat sich seinen Wohlstand hier schließlich selber erarbeitet!“ – das skizziert so ungefähr die Denke hier. Nein, Rassisten sind die Leute hier alle nicht! Wie gesagt, wenn Händler oder Touristen mit Devisen kommen, dann sind alle Willkommen – egal welche Hautfarbe oder Religion, aber Arme, die nur was kosten?!

Genau diese Denke ist das Problem der Menschen hier. Mein Problem ist jetzt, dass viele von ihnen Christen geworden sind und ich ihnen hier im Namen Jesu das Herz und die Denke waschen darf – Danke lieber Schauul, ha, ha, ha;-)

Was ist also zu tun?

  1. gute Gemeindeleitungen finden und in den Gemeinden einsetzen
  2. theologischen Streit unterbinden
  3. und – die Königsdisziplin – die Gläubigen auf gute Werke ausrichten

Schauul hat gut reden, ich soll sie z.B. anleiten Gastfreundlich zu sein. Er hat mir den Brief in griechisch geschrieben und ein Wort verwendet, dass es zwar gut auf den Punkt bringt, mir die Sache aber nicht erleichtert: philoxenia – den Fremden liebe… den Fremden lieben!!!

Die Menschen hier haben Angst vor den Fremden! Es gibt hier Parteien die Stimmung gegen die Fremden, die für mache – wobei die tierisch übertreiben – wie ein Tsunamis an unsere Küsten spülen. Wie kann man Christen die tief in ihrem Herzen allen Fremden misstrauen, Angst davor haben etwas teilen zu müssen, abzugeben, dafür gewinnen die Fremden zu lieben?

In seiner kurzen Mail schreibt Schauul mindestens 8 Mal, dass ich sie alle daran erinnern soll Gutes zu tun. Ich hab mir hier schon den Mund fusselig geredet, bisher leider nur mit mäßigen Erfolg. Doch jetzt will ich es noch einmal wagen!

Ich habe mir also noch mal die Mail von Schauul zur Hand genommen und will es jetzt noch einmal wagen. Wir feiern hier in den nächsten Tagen Weihnachten – ein tolles Fest: selbst die keine Christen sind finden das Fest toll… vor allem die Kaufleute und Händler hier, aber Gott bewahre uns, dass wir dieses Fest kretanisieren… ähh sorry: kommerzialisieren.

Wir sind jetzt hier mitten in der Adventszeit. Advent bedeutet Ankunft, eigentlich Adventus Domini (lat. für Ankunft des Herrn). Wir Christen erinnern uns daran, dass Jesus in diese Welt gekommen ist und uns Menschen begegnet ist – Halleluja! Was für ein genialer Anlass um über die Menschwerdung Gottes nach zu denken.

Und genau in diesem Advent nennt Paulus, in seiner alten Mail an mich, den Grund dafür warum die Kretaner Gutes tun sollen… aus dem griechischen ins deutsche übersetzt schreibt er wörtlich, dass …

… die Güte und die Menschenliebe unseres Retter-Gottes erschien… (Titus 3,4)

Unser Gott ist ein „Retter-Gott“! Was für eine Charakterisierung Gottes… Aber was machen wir Inselbewohner aus ihm?

  • Der Lobpreis/good Vibration-Gott…
  • Der christliche Werte-Gott / kretanische Kultur-Gott…
  • der uns hier auf unserer Kulturinsel segnende Gott…
  • den Wohlstandsgott zu dem ich vor meinen Geschäften bete…

Seht ihr hier justiert Paulus was nach er nennt JAVE den Retter-Gott! Das ist gut… das muss ich meinen Leuten hier auf der Insel in dieser Weihnachtszeit erzählen. JA, wenn unser Gott ein Retter-Gott ist, was sollen dann auch wir sein? Richtig: Retter! Ja, wir sollen die „Religion“ mit dem „Rettersyndrom“ sein… – unser Gott ist ja auch so einer, ein Retter-Gott.

Weiter schreibt Paulus aber noch ein interessantes Wort was ich gerade mit Menschenliebe wiedergeben habe – in der griechischen Mail steht hier aber Philanthropie. Davon leitet sich auch das Wort Philanthrop ab. Der Begriff stammt aus der griechischen Antike – also genau das worauf die Kretaner so stolz sind. Der Ausdruck bezeichnete meist eine wohlwollende, großzügige Einstellung Vornehmer, Mächtiger und Reicher gegenüber ihren sozial schwächeren Mitbürgern… Bähhmmm! Da haben wir es:

Unser Retter-Gott ist Philanthrop! Ein gütiger, geduldiger alle Menschen liebender Retter-Gott! Ja, nicht nur die Händler und Urlauber mit Divisen, auch die armen Fremden ohne Geld und Qualifikationen – Gott liebt sie! Für sie ist er in die Welt gekommen: DAS IST WEIHNACHTEN.

Verächtlich über das Gutmenschentum, naive Philanthropen zu spotten, sich abzuschotten und dem Hilfebedürftigen kalt die Schulter zu zeigen ist so ziemlich das Gegenteil von Weihnachten und Advent – der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus in diese Welt: ER IST PHILANTROP UND SEIN NAME IST RETTER.

Ja, es kann sein, dass diese Weihnachtspredigt als Bischoff von Kreta meine letzte sein wird… ich bin mir bewusst, dass diese Predigt polarisieren kann: Liebe polarisiert ja auch, denn ich kann ja oder nein zu ihr sagen. Genauso polarisiert auch Weihnachten, die Menschwerdung unseres Rettergottes, wir können Teil seiner ALLE Menschenliebenden Rettungsmannschaft sein oder unsere Herzen vor Gott und dem Nächsten verhärten.

Ich bete, dass dieses Weihnachtsfest an den Küsten von Europa hier etwas in den Gemeinden Jesu wieder ins richtig Licht rückt und wir zu Rettern, Philatropen und Philoxenen – den Fremden liebenden – werden. Dann nur dann haben die Kirchen auf der Insel der Glückseligen hier eine Überlebenschance, wäre doch wirklich schade, wenn der eigene Egoismus von uns Menschen das gute Werk, dass Jesus durch Paulus und Co. hier angefangen hat zu Nichte machen würde, oder?


[1] vgl. 1Kor4,17; 2Kor2,13; 7,6; 13f

[2] vgl. 2Tim4,10

[3] Ähnlich wie der Begriff korinthisch Leben, den Begriff pornäa/ Unzucht verdrängt hatte

Bewertung
[Stimmen: 6 Ergebnis: 4.3]

Vielleicht ist auch das was für Dich?

Gott versucht nur soviel wir ertragen können. Bullshit?!
Leser 742
Es gibt Verse in der Bibel, die haben es in sich! Dieser Text gehört definitiv dazu. Ich habe mich monatelang an diesem Text abgearbeitet – es war def...
Wenn der „Herr der Lügen“ Dich nicht anlügt
Leser 476
Der „Herr der Lügen“ ist ein Name des Teufels. Jeder vernünftige Mensch würde sagen, dass Lügen schlecht sind und notorische Lügner kein guter Umgang ...
„Gott hilft denen die sich selber helfen“ – oder?
Leser 1231
Nein, dieser Satz steht so nicht in der Bibel. Es ist kein Vers, sondern ein deutsches Sprichwort. Wie es mit Sprichwörtern so ist ist oft etwas dran,...
Die Herde – ein Bild für die Kirche
Leser 1111
In diesem Blogbeitrag veröffentliche ich für Dich exklusiv einige Ausschnitte aus einem meiner Bücher. Diesmal aus dem Buch Einfach überirdisch – entd...
Vegetarisches Christentum?
Leser 2380
Es gibt kein biblisches Gebot für Vegetarismus, aber ein paar biblische Gründe gibt es sehr wohl... Das Christentum gilt nicht als vegetarische Relig...
Staatsschulden? Das Erlassjahr die Lösung
Leser 381
Pfingsten und das Erlassjahr - ein Schuldenschnitt für alle. Lese hier eine preisgekrönte Predigt mit vielen spanendem, aktuellem Hintergrundwissen un...