Christen und Umweltschutz

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Für manche Christen ist es ein zu vernachlässigendes Thema: Der Umweltschutz. Der Mensch ist doch schließlich das Wichtigste, die Krone der Schöpfung. Gott hat unabhängig von unserem Handeln versprochen es Sommer und Winter werden zu lassen und auf ewig Saat und Ernte verheißen. So lauten etwa Argumente mit denen vor allem in den USA die Verantwortung für den Klimaerwärmung und Umweltschutz geleugnet oder relativiert werden. Aber ganz so einfach können wir unsere „Umweltsünden“ nicht rechtfertigen.

Zunächst eine kleine Begriffserklärung:

  • Umwelt, das ist die den Menschen umgebene Welt.
  • Sünde, das ist die Verfehlung eines Göttlichen Zieles.

Als Gott den Menschen schuf übertrug er ihm einen Auftrag: „Gott, der Herr, brachte den Menschen in den Garten Eden. Er sollte ihn bebauen und bewahren.“ (NL; Gen2,15) Statt vom Umweltschutz könnten wir Christen auch von dem Schöpfungsbewahrungsauftrag sprechen. Da wo der Mensch diesen Auftrag ignoriert und nicht nachkommt, verfehlt er ein Gott gesetztes Ziel und sündigt nach unserer Wortdefinition.

In der Ökologie spricht man von nachhaltigem Handeln, vom verantwortlichem Umgang mit Ressourcen etc. all dies versucht im Grunde nichts anderes, als den göttlichen Auftrag die Erde zu bewahren zu beschreiben. Diese Themen sollten uns Christen nicht fremd sein, wissen wir doch, dass Gott der Eigentümer der Erde (3Mo25,23), wir lediglich seine Verwalter derselben (Ps8,5) sind und am jüngsten Tag auch die zur Rechenschaft gezogen werden, die sich an Gottes Eigentum – der Erde –versündigt haben: „*…+ dass du den Lohn gibst deinen Knechten *…+und die du verdirbst, welche die Erde verderben.“ (elb;Offb11,18). Mit dem Fall des Menschen, der Infizierung mit der Sünde und der Abkehr vom Schöpfer wurde die gesamte Schöpfung ins Chaos gestürzt. Der Mensch, ja sogar die Tiere und Natur, sind erlösungsbedürftig geworden.

Alles auf Erden wurde der Vergänglichkeit unterworfen. Dies geschah gegen ihren Willen durch den, der sie unterworfen hat. Aber die ganze Schöpfung hofft auf den Tag, an dem sie von Tod und Vergänglichkeit befreit wird zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt *…+. (NL;Rö8,20ff)

Wir Christen, die wir die Erlösung durch Gottes Gnade bereits schmecken durften, sollten ein Interesse daran haben, dass durch unsere Verkündigung und unser Handeln, die ganze Schöpfung Erlösung erfährt. Im Gegensatz zu unserem Mitmensch ist aber selbstverständlich dem Tier oder dem Baum nicht durch Wortverkündigung, sondern nur durch eine Rückbesinnung zum Bewahrungsauftrag geholfen! Eine kleine Reise durch die Bibel zeigt wie tief dieser Auftrag in unser Leben heute verankert gehört. Stichwort Nachhaltigkeit: Selbst im Kriegsfall war es geboten sich nachhaltig an der Natur – ja selbst an den Ressourcen der Feinde – zu verhalten:

„Müsst ihr eine Stadt lange belagern, um sie einzunehmen, sollt ihr keine Obstbäume fällen, sondern ihre Früchte essen. Legt keine Axt an sie. Sie sind doch keine Feinde, die ihr angreifen müsst!“ (NL;5Mo20,19) Nachhaltigkeit war ein Gebot des Alltags: „Wenn ihr unterwegs auf dem Boden oder in einem Baum ein Vogelnest findet, in dem junge Vögel oder Eier mit der Vogelmutter sind, dann sollt ihr nicht die Mutter zusammen mit den Jungen nehmen. Die Jungen dürft ihr nehmen, die Mutter sollt ihr aber fliegen lassen. Dann wird es euch gut gehen und ihr werdet lange leben.“ (NL;5Mo22,6f)

Stichwort Tierschutz: Es ist schon interessant, wie Gott dem Propheten Jona den Kopf wusch, als der die Stadt Ninive lieber zerstört, als verschont gesehen hatte: „Ninive aber hat über 120.000 Einwohner, die nicht zwischen links und rechts unterscheiden können, ganz zu schweigen von den vielen Tieren. Sollte ich eine so große Stadt nicht schonen?« (NL;Jo4,11) Gott ist seine Schöpfung nicht egal, er kennt jeden Spatz der zu Boden fällt (Mt10,29) und möchte, dass wir Menschen – seine Verwalter – auch dem Tier erbarmen zeigen.

So sollen wir u.a. ein entlaufendes Schaft nicht seinem Schicksal überlassen und es – selbst wenn es uns nicht gehört – bei uns zu Hause aufnehmen (5Mo22,1f), einem gestürzten Esel aufhelfen (22,4) und dem dreschenden Ochsen nicht am „Mehl naschen“ hindern indem wir ihm das Maul verbinden (5Mo 25,4). Weiter findet sich ein sehr spannendes Gebot Gottes, dass dem Haus Israel gebietet kein Tier zu schlachten, dass nicht dem Herrn geweiht war (3Mo17,2-6).

Vor allem die Erklärung Gottes ist hoch interessant hier heißt es bei Verstoß: „*…+ dem soll es als Blutschuld angerechnet werden: Blut hat er vergossen und ein solcher Mensch soll ausgerottet werden aus seinem Volk *…+.“ Bis dato sprach man von einer Blutschuld nur bei einem Mord an einem Menschen! Was für eine Aufwertung des Lebens eines Tieres? Auch an ihm können wir uns schwer versündigen. Sicherlich könnte – vielleicht müsste – man noch einiges zu diesen Stellen sagen, aber Summa Summarum können wir all diese Stellen zunächst so zusammenfassen: Gott liebt auch die Tiere, wir als seine Verwalter tragen eine hohe Verantwortung und sollen das Tier in der Ehrfurcht vor Gott behandeln und bewahren.

Mehr und mehr beginnen wir Menschen heute zu erkenne, dass unsere Umweltsünden, Sünden an Natur und Mensch sind. Vor allem an den nachfolgenden Generationen versündigen wir uns teils schwer. So brauchen abgeholzte Wälder mehrere Jahrzehnte um wieder aufgeforstet zu werden. Verödete Flächen drohen zu fast nicht mehr zu rekultivierenden, unfruchtbaren Wüsten zu werden. Radioaktive Abfälle müssen Millionen von Jahren sicher eingelagert werden. Das größte Ökosystem – die Meere – ernähren Millionen von Menschen, sind Heimat von etwa 80% aller Lebewesen unseres Planeten, doch mittlerweile gelten hier 75 % der Fischbestände als überfischt oder am Rande der Überfischung, ganz zu schweigen von Verschmutzungen durch Öl, Plastik und anderen Wohlstandsmüll. Eine Schuld die Generationen nach uns noch zu tragen haben (2Mo20,5).

Umweltschutz ist auch ein Akt der Nächstenliebe!

Das einzige was das Ökosiegel MANGELHAFT verdient ist die Bibel, das Evangelium, denn dies ist das einzige was nicht von der Umwelt abgebaut gehört! Als Pfingstler würde ich den Satz, „das wichtigste ist es das Evangelium zu predigen“ immer unterschreiben, aber was bedeutet das eigentlich? Die Gute Nachricht, dass uns Erlösung wiederfahren kann gilt ja nicht nur im Himmel, sondern auch hier und jetzt! Und nicht nur uns Menschen, sondern der ganzen Schöpfung (Rö8,20ff)! Im Vater Unser beten wir, dass sein Wille im Himmel und (jetzt) auf Erden Bahn brechen möge.

Sich dafür einzusetzen schließt auch den Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung mit ein. Sich als Gemeinde über diesen Auftrag hinwegzusetzen, weil man wichtigeres zu tun hätte, ist dem ganzheitlichen Ansatz des Evangeliums fremd. Im Übrigen stehen diesen ökonomischen Themen Evangelisation nicht entgegen – im Gegenteil.

Man kann als Gemeinde eine ganze Menge, sehr einfache Dinge tun, die den Bewahrungsauftrag mit dem missionarischen Auftrag kombinieren:

Man kann einen ökologisch nachhaltigen Stromanbieter wählen. Beim Einkauf für den gemeindlichen Kaffeetisch auf Nachhaltigkeit schauen (hier gibt es auch Nachhaltig produzierten Kaffee aus unserem Gemeindebund www.el-thallos.de). Unsere Kaffeestückchen bekommen wir z.B. von einer Bäckerei als „Wochenendabfälle“ kostenlos. Bei Flyern, Plakaten etc. mit dem Papier sorgfältig umgehen. Das Gemeindekonto bei einer Bank anlegen, die das Geld nicht in Rohstoffspekulationen, Rüstung und Raubbau an der Natur investiert (Tipp: Google „Krötengottesdienst“). Lebensmittel nicht sorglos wegschmeißen. Umweltverschmutzungen in der Stadt und Region ansprechen etc.

All diese Dinge kann eine Gemeinde als Zeugnis gelebter Gottesfurcht, dem Auftrag der Bewahrung der Schöpfung leben. Warum nicht mal eine Presseerklärung zu diesem Thema in der lokalen Zeitung verfassen? Warum nicht einmal einen Gästegottesdienst zu diesem Thema machen (am besten gleich den Ökobauern und den Besitzer vom Reformhaus um die Ecke einladen) und die erkündigung der guten Nachricht mit diesem Zeugnis unterstreichen?

Als Pfingstler, die wir zu Recht stets die Erfüllung mit dem Schöpfer Geist betonen, sollten es uns eine Freude sein, auch als ganzheitliche Bewahrer der Schöpfung zu gelten.

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