Die Braut Christi - Kirche und Gemeinde_08
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Die Braut – ein Bild für die Kirche

Lesedauer ca. 16 Minuten

Die Bibel bezeichnet die Kirche als die Braut Christi. Doch was haben wir von solch einem Bild in der heutigen Zeit zu halten? Der Journalist Robert Lembke scherzte: »Es gibt zwei Perioden, in denen ein Mann eine Frau nicht versteht: vor der Hochzeit und nach der Hochzeit.« Viele Menschen unserer Tage trauen der liebevollen Verbindung zweier Menschen und dem Eheversprechen »Bis dass der Tod euch scheidet« nicht mehr besonders viel zu. Sie folgen traurigerweise der Strategie Clint Eastwoods: »Es gibt nur einen Weg, eine glückliche Ehe zu führen, und sobald ich erfahre, welcher das ist, werde ich erneut heiraten.«

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Wie kann man nun in solchen Tagen von der Kirche als Braut Christi sprechen? Wir können es und müssen es, denn die Bibel teilt die Meinungen der heutigen Zeit über die Ehe nicht! Nein, vielmehr möchte Gott, dass wir als Einzelne an seiner Idee der Ehe wieder heil werden, und auch als Kirche im Ganzen dürfen wir uns von Gottes Gedanken und Vorfreude auf seine Braut inspirieren lassen und lernen, umzudenken.

Eines möchte ich gerne vorwegnehmen: Wir werden gleich staunend (vielleicht schockiert) feststellen, dass Gott kein Problem mit dem Bild der Ehe – einem offenkundig sehr intimen Vergleich der Beziehung zwischen ihm und uns – hat! Die Unbefangenheit und Unschuld Gottes, mit der er an uns herantritt, überfordert viele Menschen. Wir müssen tief durchatmen, wenn wir Texte (wie den gleich folgenden) lesen, und die teils sehr erotischen und intimen Bilder erst einmal verdauen. Diese Vergleiche kommen uns unpassend vor, und wir sind fast schon versucht, von Blasphemie zu sprechen. Sie treiben uns vielleicht die Röte ins Gesicht und wir empören uns möglicherweise über derartige Anspielungen. Doch in den folgenden Texten vergreift sich kein Prophet im Ton, denn Gott selbst spricht durch die Propheten und setzt diese Beispiele sehr bewusst ein. Deshalb sollten wir versuchen, sie zu uns sprechen zu lassen.

Ich sagte zu dir: Du sollst leben! Du sollst leben und gedeihen! Ich ließ dich aufblühen wie eine Blume. So wuchst du heran und wurdest groß und überaus schön. Die Brüste wurden rund und das Schamhaar sprosste. Aber noch immer warst du nackt und bloß. Wieder kam ich an dir vorüber, und ich sah, dass du zur Liebe reif warst. Da nahm ich dich zur Frau. Ich breitete meinen Gewandsaum über dich zum Zeichen, dass du mir gehören und nicht mehr nackt und bloß sein solltest. Ich schwor dir Treue und schloss den Bund fürs Leben mit dir, ich, der Herr. So wurdest du mein. Ich badete dich und wusch dir das Blut ab, salbte dich mit Öl und gab dir ein buntes Kleid und Sandalen aus weichem Leder, ein Kopftuch aus feinstem Leinen und einen schön gewebten Mantel. Ich legte dir Schmuck an: Armspangen, Halskette, Nasenring, Ohrringe und einen kostbaren Stirnreif. So warst du nun mit Gold und Silber geschmückt und trugst Kleider aus den schönsten und erlesensten Stoffen. Du hattest Gebäck aus feinstem Mehl zu essen, das mit Honig und Öl bereitet war. Du warst unaussprechlich schön und wurdest zur Königin. Alle Welt rühmte deine Schönheit, die durch meinen Schmuck erst vollkommen wurde, sagt der Herr, der mächtige Gott! (Hesekiel 16,6-14).

Gut, den letzten Teil dieses Textes fi nden wir wahrscheinlich alle gut und inspirierend, aber den ersten Teil, indem Gott sogar die »Brüste« und »Schamhaare« seiner Braut erwähnt … Mal ehrlich, da müssen wir doch schon ein wenig schlucken, oder? Geht das nicht zu weit? Ich habe in einer Predigt einmal das Experiment gewagt und diesen Text laut vorgelesen. Es war sehr spannend und ich fühlte mich in die Zeit, in der ich als Student auf christlichen Teenagerfreizeiten predigte, zurückversetzt. Plötzlich fi ng in unserer Versammlung das Gekicher und Getuschel an. Es entspricht nicht ganz mancher christlichen Vorstellung, aber wir stellen fest: Gott hat weniger Probleme mit diesen Themen als wir!

Das Thema Sexualität finden wir gleich auf den ersten Seiten der Bibel. Dort heißt es: »Adam schlief mit seiner Frau Eva.« Jetzt wirst du vielleicht darauf hinweisen, dass in deiner Bibelübersetzung nicht von Beischlaf, sondern von Erkennen die Rede ist, und ich muss dir zugestehen, dass du recht hast:

Sexualität finden wir gleich auf den ersten Seiten der Bibel.

Und Adam erkannte seine Frau Eva, und sie ward schwanger und gebar den Kain und sprach: Ich habe einen Mann gewonnen mithilfe des Herrn (1. Mose 4,1-2; LUT; Hervorhebung durch den Autor).

Doch wir müssen feststellen, dass Adam seine Frau zumindest so sehr geistlich und körperlich erkannte, dass Eva infolgedessen schwanger wurde. Daher ist die Übersetzung der Gute NachrichtBibel mit Sicherheit zulässig. Zähneknirschend müssen wir es hinnehmen, dass die Bibel kein Problem damit hat, über Sexualität, Intimität und Erotik zu sprechen.

Ich gebe ihnen ein verständiges Herz, damit sie mich erkennen und begreifen, dass ich der Herr bin. Mit ganzem Herzen werden sie zu mir umkehren. Sie werden mein Volk sein und ich werde ihr Gott sein (Jeremia 24,7; Hervorhebung durch den Autor).

Ich sehe in meiner Vorstellung wieder eine Überschrift der antiken Boulevardpresse: »Blasphemie. Sexuelle Anspielungen auf Allmächtigen«. Schockierend, aber Gott gebraucht an dieser Stelle dasselbe doppeldeutige Wort, mit dem die Bibel den sexuellen Verkehr zwischen Mann und Frau umschreibt! Wir schließen daraus: Die Sexualität zwischen Mann und Frau scheint für Gott ein gutes Bild dafür zu sein, wie nah, persönlich und intim er mit den Seinen zusammen sein möchte, so nah nämlich, dass es nicht mehr näher geht. Ja, als Christen glauben wir an einen persönlichen Gott, der Mensch wurde, um uns nahe zu sein. Doch dass Gott uns so nahekommen möchte, berührt zumindest uns Deutsche eher unangenehm. (Ich hoffe, dass nicht darauf hingewiesen werden muss, dass Gott diese Bilder nur als Beispiele und Vergleiche einsetzt und nicht mehr!)

Gott, der Bräutigam Israels – das Bild im Alten Testament

Durch den Propheten Jesaja lässt Gott seinem Volk Folgendes sagen: Denn dein Gemahl ist dein Schöpfer, HERR der Heerscharen ist sein Name, und dein Erlöser ist der Heilige Israels (Jesaja 54,5; ELB).

Der Schöpfer und Herr der Heerscharen stellt sich seinem Volk als sein Gemahl vor. Wow, das spricht von einer sehr engen Beziehung und Liebe, die Gott den Menschen anbietet! Er möchte der Bräutigam seines Volkes sein. Das ist mehr als nur schmeichelhaft, darauf kann man »sich etwas einbilden« und sich schon einmal auf die Hochzeit freuen. Gott bietet seinem Volk eine ganz neue Ebene der Beziehung an, denn mit seinem Bräutigam spricht man anders als z.B. mit einem mächtigen General oder König. Das Volk Israel hätte damals eigentlich vor Freude Luftsprünge machen müssen, denn so ein intimes Angebot Gottes, das ist schon etwas! Aber nicht nur das Volk Israel soll sich darüber freuen, nein, auch Gott selbst fiebert dem Tag der Hochzeit sehnsüchtig entgegen:

Die Braut Christi - Kirche und Gemeinde
Die Braut Christi – Kirche und Gemeinde

Wie ein junger Mann sich mit seinem Mädchen verbindet, so wird sich dein Schöpfer für immer mit dir verbinden. Wie ein Bräutigam sich an seiner Braut freut, so wird dein Gott Freude an dir haben (Jesaja 62,5).

Wenn wir uns alle Bibelstellen in diesem Zusammenhang genau ansehen, dann stellen wir fest, dass es immer heißt: »Ich werde mich verheiraten«, oder: »Du wirst dich mit mir vermählen.« Gott bietet damit zwei Dinge an: erstens eine Verlobung im Hier und Jetzt und zweitens eine Hochzeit im Dort und Dann. Das Volk Israel war, wenn wir so wollen, mit Gott verlobt. Die großartigen Segnungen, die es erlebte und genießen durfte, waren nur die Vorbereitungszeit!

Die Hochzeit, das große Fest, die Vereinigung stand noch aus!

Eine Verlobungszeit ist immer auch eine Vorbereitung für die eigentliche Hochzeit. Gott weiß, dass diese Zeit für die Menschen nicht immer die einfachste ist. Man lebt in einer Spannung zwischen Jetzt und Noch-nicht-Jetzt, zwischen Hier und Noch-nicht-Hier! Vielleicht wird man auch von quälende Fragen, Zweifeln, schwierigen Umständen, Anfechtungen, Zeiten des Sturmes und der Wüsten geplagt. Doch Gott ist dieser innere Kampf seiner geliebten Braut bekannt, und er hofft, dass sie trotz allem zu ihm stehen wird.

Gott stellt sich seinem Volk Israel als Bräutigam vor und legt ihm damit die Bürde auf, sich auf den Tag der Eheschließung vorzubereiten und um Himmels willen durchzuhalten. Gleichzeitig verspricht er seiner Braut eine wunderschöne Hochzeit und eine traumhafte Zeit danach – dieses Bild sollte sie in ihrem Herzen bewahren und ihr dabei helfen, alle Schwierigkeiten zu überwinden:

Ich schließe die Ehe mit dir für alle Zeiten; mein Brautgeschenk für dich sind meine Hilfe und mein Schutz, meine Liebe, mein Erbarmen und meine unwandelbare Treue. Du wirst erkennen, wer ich bin – ich, der HERR (Hosea 2,21-22).

Gott setzt auf all die Segnungen, die auf die Braut warten, noch etwas drauf, indem er sagt, dass sich die Ebene der Beziehung zu ihm am Tag der Hochzeit noch einmal radikal ändern wird:

Wenn das geschieht, wirst du mich deinen Mann nennen – sagt der HERR zu Israel – und nicht mehr deinen Baal. Ich werde dich dazu bringen, dass du das Wort Baal nie mehr in den Mund nimmst (Hosea 2,18-19).

Das Wort Baal heißt ins Deutsche übersetzt Herr oder Besitzer: Dieser Titel wird am Tag der Hochzeit abgeschafft. Der Herr der Heerscharen wird von da an nur noch vertrauensvoll Ehemann genannt werden. Dieses Angebot Gottes ist überwältigend!

Jesus, unser Bräutigam – das Bild im Neuen Testament

Bitte sehe es mir nach, wenn ich an dieser Stelle einen Ostfriesenwitz erzähle. Zu meiner Verteidigung darf ich erneut daran erinnern, dass ich selber Ostfriese bin und daher eine Art Geburtsrecht habe, ihn zu erzählen: Der junge Ostfriese geht zum Standesamt, um ein Aufgebot zu bestellen. »Und wo ist die Braut?«, fragt der Beamte. Staunt der Ostfriese: »Braut? Ich denke, die bekommt man hier!«

Ja, mein ostfriesischer Landsmann war wohl nicht der Allerhellste, denn eine geeignete Braut muss man sich in der Tat vor dem Aufgebot suchen und unter Umständen sogar einen hohen Preis für sie bezahlen. Jesus hat uns gesucht und gefunden und uns ein unglaublich teures Brautgeschenk gemacht: Golgatha. Bisher galten die verwendeten Bilder in erster Linie Israel, doch wir können sie, nach allen Regeln der sauberen Bibelauslegung, in zweiter Linie vorsichtig auf uns übertragen. So ruft Paulus seinen Zeitgenossen in Erinnerung, dass Gott bereits im Alten Bund eine radikale Veränderung der Verhältnisse ankündigt hat.

[…] und hat uns auch berufen, nicht nur aus dem jüdischen Volk, sondern auch aus den anderen Völkern, wie er es im »Buch des Propheten« Hosea sagt: »Ich werde die mein Volk nennen, die nicht mein Volk waren; ich werde die meine geliebte Frau nennen, die bisher ungeliebt war« (NGÜ; Römer 9,24-25; Hervorhebung durch den Autor).

Paulus schreibt in diesem Text auf der einen Seite von den Völkern (Plural), auf der anderen Seite von der geliebten Frau (Singular). Ein fantastischer Gedanke: Die vielen, vielen Menschen aus den vielen, vielen verschiedenen Völkern und Nationen, jene, die die Bibel immer wieder mit dem Wort Heiden zusammenfasst und zu denen auch wir gehören, werden zusammengezählt und zusammengebracht, und ihre Summe wird »Gottes geliebte Frau« genannt werden! Aus einem großen, bunten Plural wird ein ganz besonderer Singular: die Braut Gottes! Gott nennt auch uns Geliebte – ist das nicht fantastisch?

Ihr kennt das Wort: »Deshalb verlässt ein Mann Vater und Mutter, um mit seiner Frau zu leben. Die zwei sind dann eins, mit Leib und Seele.« In diesem Wort liegt ein tiefes Geheimnis. Ich beziehe die Aussage auf Christus und die Gemeinde (Epheser 5,31-32).

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In der Bibel finden sich für die Gemeinde Bilder wie der Tempel, die Familie, die Herde oder der Baum. Aber was bedeuten diese Vergleiche eigentlich? Bild für Bild stellt der Autor dem Leser plastisch vor Augen, was Kirche ist. Und was sie sein kann!

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Dieser Vergleich, dass die Beziehung zwischen Mann und Frau etwas über die Einheit zwischen uns und Gott aussagt, ist sehr tief gehend, persönlich, intim – ein großes, wunderbares Geheimnis. Jesus ist der Bräutigam, wir sind seine Braut!

Vor einiger Zeit haben wir in einer Kleingruppe die Frage gestellt, was Jesus Christus für den Einzelnen ganz persönlich bedeutet. Eine Frau aus unserer Gemeinde sagte, dass Jesus für sie so etwas wie ein Geliebter sei. Allen Männern dieses Treffens kam dieser Vergleich zunächst einmal sehr unpassend vor. Natürlich verstand ich meine Geschlechtsgenossen – mir ging es ja ähnlich –, aber ich musste in der Gruppe kurz daran erinnern, dass diese Bezeichnung eine biblische Verheißung ist. Trotzdem verstehe ich es, wenn Männer sich damit schwertun, Jesus so zu nennen. Es bleibt aber, dass auch wir Männer diesen Gedanken – zumindest als kollektive Verheißung – nicht vergessen sollten. Jesus stellt sich in den Evangelien immer wieder als der Bräutigam vor (vgl. z.B. Lukas 5,34-35).

Wenn Jesus sich selbst den Bräutigam nennt, dann greift er damit die gesamte Tradition und Vorstellungswelt des Alten Testaments auf, wo sich Gott mit diesem Bild seinem Volk vorstellt, und macht sich damit Gott gleich! Lesen wir die neutestamentlichen Texte heute, dann fi nden wir sie einfach nur schön und romantisch, doch für die Leute damals müssen diese Aussagen Jesu reine Blasphemie gewesen sein, denn Jesus sagt mit dieser Selbstoffenbarung nichts anderes aus als: Ich und der Vater, wir sind eins(vgl. Johannes 10,30).

Halten wir also fest, dass Jesus der Bräutigam seiner Kirche ist, die er von Herzen liebt, auf die er sich freut und für die er bereits alles gegeben hat. Der Tag der Hochzeit des Schöpfers mit seiner Schöpfung wird alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen. Ich weiß, mein nächster Gedanke ist sicherlich nicht zu hundert Prozent theologisch haltbar, dennoch meine ich, dass er es wie kein anderer schafft, uns zum Träumen einzuladen. Denken wir doch einmal daran, wie wunderschön Gott diese Erde in sechs Tagen hat werden lassen, und versuchen wir uns dann im Weiteren nur ansatzweise vorzustellen, was Jesus in den letzten 2000 Jahren als perfekter Organisator im Himmel an Hochzeitsvorbereitungen für uns auf die Beine gestellt hat!

Der Hochzeitstag des Lammes ist gekommen; seine Braut hat sich bereitgemacht. Ihr wurde ein herrliches Kleid gegeben aus reinem, leuchtendem Leinen!« Das Leinen steht für die gerechten Taten der Menschen in Gottes heiligem Volk (Offenbarung 19,7-8).

Du bist die Braut!

Wie viele Menschen unserer Zeit auch nach neuen, modernen, alternativen Lebensmodellen suchen mögen, es werden sich auch weiterhin Menschen trauen, sich vor Gott und einander das JaWort zu geben. Der Wunsch nach festen, verlässlichen Beziehungen steckt tief in unserer DNS: Gott hat diese Sehnsucht nach Gemeinschaft in uns Menschen hineingelegt. Das Ziel einer Braut, die ihren Bräutigam freiwillig und aus Liebe heiraten möchte, wird – und das liegt auf der Hand – immer die Hochzeit sein. Die Hauptblickrichtung einer Braut geht zu ihrem Bräutigam. Sie träumt vom gegenseitigen Versprechen und vom neuen, gemeinsamen Lebensbund, der geschlossen wird und die geistliche und körperliche Einheit zum Ziel hat. Natürlich freut sich die Braut auch auf ihre Hochzeitsgäste, auf die Hochzeitsgeschenke und die Feier an sich, doch all das ist nur nebensächlich, denn es kommt ihr nur auf eines an: auf ihren geliebten Bräutigam.

Der Ehebund hat immer etwas sehr Romantisches und Emotionales, aber er ist viel mehr: Er ist eine Festlegung auf Lebenszeit. Eine Verbindung, die durch Zeugen, Recht und Ordnungen besiegelt wird, erst durch unser persönliches Ja-Wort zustande kommt und zusätzlich unsere persönliche Unterschrift verlangt. Der Schöpfer des Himmels und der Erde wünscht sich genau diese Festlegung auf Lebenszeit (bzw. Ewigkeit) von uns. Er wirbt um unser lautes und eindeutiges Ja-Wort vor einer Schar von ewigen Zeugen im Himmel. Er möchte einen Bund mit uns eingehen und wünscht sich unsere Treue, Ausdauer und Geduld. Wir, als Christi Braut, dürfen uns auf den Tag der Hochzeit freuen und unsere Verlobungszeit hier auf der Erde als eine heilige Vorbereitungszeit begreifen und annehmen.

Natürlich freut sich jeder Bräutigam am Traualtar über seine Braut. Mögliche kleine oder große Tragödien oder Verzögerungen der Trauzeremonie wird er bereitwillig entschuldigen. So ist es auch bei Christus: Er heiratet objektiv gesehen keine perfekte Braut; erst die Perspektive des verliebten (und gnädigen) Bräutigams macht unsere Hochzeit möglich. Die Hauptsache ist doch, dass die Braut Ja sagt. Ich habe Videos von Hochzeiten gesehen, wo die Braut ein total verdrecktes Brautkleid hatte und deswegen heulend zum Traualtar geführt werden musste. Als meine Schwester heiratete, bin ich als Prediger fast über meinen Talar gestolpert. Und bei der Hochzeit eines Freundes hingen noch Preisschilder – neonrot leuchtende Sonderpreisschilder – an der Kleidung des Brautpaares, die später sogar auf den meisten Bildern zu erkennen waren. Trotz der Tatsache, dass die Braut Christi auf dieser Erde niemals ganz perfekt sein wird, weiß Jesus, unser Bräutigam, unsere Anstrengung und leidenschaftlichen Versuche sehr zu schätzen, da sie doch vor allem ein Ausdruck unserer Liebe zu ihm sind.

Für mich als Mann ist es völlig unverständlich, wie viel akribisches Feintuning eine Braut in ihr Aussehen steckt. Wenn ich an meine Frau denke, dann kann ich nicht mit Gewissheit sagen, bei wie vielen Brautausstattern sie zusammen mit ihrer Mutter und einigen engen Freundinnen war, um das perfekte Kleid zu fi nden, und wie viele Bundesländer sie dafür bereist hat. Bei mir war das ganz anders: Ich habe meinen Anzug bei C&A gekauft – und sah auch gut aus. Ich habe keinen extra Friseurtermin vereinbart, um mir eine Hochzeitsfrisur zuzulegen – wobei ich das im Nachhinein doch besser hätte tun sollen. Ganz anders meine Frau: Sie hatte gleich mehrere Sitzungen: die Vorbesprechung, der Schnitt, die Probe und schließlich die eigentliche Hochsteckfrisur. Kurzum: Eine Braut investiert sehr viel Zeit, Geld und Überlegungen, um möglichst perfekt zu sein. Jesu Braut, seine Kirche, sollte sich die gleiche Mühe geben, sich immer wieder selbstkritisch im Spiegel der Schrift betrachten und für ihren Bräutigam zurechtmachen und korrigieren lassen.

Ihr Männer, liebt eure Frauen so, wie Christus die Gemeinde geliebt hat! Er hat sein Leben für sie gegeben, um sie rein und heilig zu machen […]. Denn er wollte sie als seine Braut in makelloser Schönheit vor sich stellen, ohne Flecken und Falten oder einen anderen Fehler, heilig und vollkommen (Epheser 5,25-27).

Würde man diesen Vers Menschen in der Fußgängerzone vorlesen und sie fragen, über welche wichtigen Eigenschaften die Braut Christi verfügen müsse, dann würde man vielleicht zu einer sehr plumpen und falsch verstandenen Bibelauslegung kommen, wie: »Hauptsache, sie sieht gut aus«, »Sie darf nicht zu alt sein« oder Ähnliches. Wir werden später auf diese Verse zurückkommen, uns aber zunächst den Grundanforderungen widmen, die Jesus an seine Braut stellt.


Das Erste ist die Treue!

Das Erste ist die Treue! Jesus treu zu sein ist das Allerwichtigste für jeden Einzelnen, aber auch für die Gemeinde als Ganzes! Seine Braut soll mit niemand anderem fl irten! Ich weiß nicht, ob du in einer Partnerschaft lebst und das Gefühl der Eifersucht kennst. Eifersucht kann selbstverständlich auch krankhafte, kontrollierende Züge annehmen, aber gehört in einem gesunden Maß zum Gefühlscocktail Liebe dazu. Hast du gewusst, dass einer der Namen Gottes »Eifersucht« ist (vgl. 2. Mose 34,14)? Der Gedanke daran, dass wir uns mit anderen Göttern oder Religionen einlassen, macht Gott, unseren Verlobten, rasend vor Eifersucht. Wir sollen mit niemand anderem fl irten als mit ihm allein! Wir sollen ihm alleine glauben, ihm alleine dienen und nachfolgen!

Als Ehepartner betrogen und hintergangen zu werden, das Fremdgehen und den Ehebruch des geliebten Partners zu erleben, ist wohl mit das Schlimmste, was man als Mensch erleben kann!

Das Vertrauen ist gebrochen und missbraucht, man ist verletzt und gedemütigt … Genauso fühlt sich Gott, wenn wir ihn hintergehen und anderen Göttern oder Prinzipien hinterherlaufen. Jesus nennt seine Zeitgenossen in diesem Sinne immer wieder ein »böses und ehebrecherisches Geschlecht« (vgl. Matthäus 12,39; 16,4; Markus 8,38).

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In der Bibel finden sich für die Gemeinde Bilder wie der Tempel, die Familie, die Herde oder der Baum. Aber was bedeuten diese Vergleiche eigentlich? Bild für Bild stellt der Autor dem Leser plastisch vor Augen, was Kirche ist. Und was sie sein kann!

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Wir sollen ihm treu sein in einer Zeit, in der alle möglichen religiösen Übungen, Gedanken und Praktiken wie die Esoterik, Horoskope, religiöses Heilen usw. voll im Trend sind. Kaum ein Geburtsvorbereitungskurs kommt heutzutage beispielsweise ohne diese und ähnliche Dinge aus. Viele Gespräche haben meine Frau und ich mit der Leiterin und den Teilnehmern der Geburtsvorbereitungskurse für unsere zwei Kinder geführt und erklärt, warum wir das eine oder das andere nicht mitmachen wollen. Überall begegnen uns diese Dinge, vieles davon scheint sogar harmlos und nützlich zu sein. Aber die Bibel nennt sie dennoch allesamt Götzendienst und damit auch Ehebruch gegenüber unserem Herrn.

Wer bestimmt deinen Tagesablauf? Die Liebesbriefe deines Verlobten (die Bibel) oder doch ein Mondkalender, das Horoskop deiner TV-Zeitung oder Ähnliches? Ich kenne eine Frau, die von ihrem Mann mehrere Male mit anderen Frauen betrogen wurde. Sie hat vor einigen Jahren wieder neu zu Jesus gefunden und nennt ihn jetzt stolz ihren persönlichen, wirklich treuen Mann an ihrer Seite. Die Liebe Jesu ließ ihren inneren Schmerz in den letzten Jahren heilen. Trotzdem zieht es diese Frau – fast wie bei einer Sucht – in Zeiten der persönlichen Bedrängnis immer wieder zu denselben Wahrsagern, die sie vor ihrem Leben mit Jesus aufgesucht hat. Ich erklärte ihr einmal sehr liebevoll, dass es sich für Gott wohl um denselben furchtbaren Schmerz handeln dürfte, den sie selbst damals empfand, als ihr damaliger Mann sie mit all jenen Frauen betrog.

Ja, es gibt »geistliches Fremdgehen«. Wir sind an dieser Stelle nicht nur dazu aufgerufen, uns nicht vorsätzlich in einen geistlichen Ehebruch zu stürzen, sondern eben auch – weil viele Dinge wie Homöopathie, Yoga und vieles andere mehr nicht klar als andere religiöse Systeme zu erkennen sind und die Grenzen hier tatsächlich fl ießend sein können – eine gesunde Skepsis zu entwickeln. Wir müssen uns hier und da als treue Verlobte die Mühe machen und unseren Verlobten um Erlaubnis und Erkenntnis bitten. Wir können uns selber Fragen stellen wie: Was ist der Hintergrund dieser Geschichte, wer hat es erfunden, wo führen diese Dinge hin, wer bietet sie an, worauf lasse ich mich damit ein, gibt es nicht bessere Alternativen etc.?

Als Kirche ist es unser Auftrag, unserem Herrn treu zu bleiben. Ein skeptischer Umgang mit anderen religiösen Systemen und Angeboten ist das eine, aber wir müssen uns daran erinnern, dass die Bibel Götzendienst viel weiter defi niert. Stichwort: unser Umgang mit Geld. In der Bibel nennt Gott das Geld eifersüchtig eine andere Gottheit, der man dienen und fälschlicherweise vertrauen kann und mit der wir letztlich unser geistliches Eheversprechen zu Gott brechen können. Jesus stellt uns ganz selbstverständlich vor die Wahl und sagt uns salopp ausgedrückt: Er oder ich, entscheide dich!

Niemand kann zwei Herren zugleich dienen. Er wird den einen vernachlässigen und den andern bevorzugen. Er wird dem einen treu sein und den andern hintergehen. Ihr könnt nicht beiden zugleich dienen: Gott und dem Geld (Matthäus 6,24).

Das Neue Testament nennt auch die Habsucht eine Form von Götzendienst (vgl. Kolosser 3,5), denn ich kann, selbst wenn ich nicht besonders viel Geld habe, davon »infi ziert« sein. Es gibt nichts Schlimmeres als einen geizigen Partner, oder? Stelle dir jemanden vor, der, obwohl er die fi nanziellen Möglichkeiten hätte, nie mit dir ausgeht und stattdessen alles für sich alleine behält. Gott ist alles andere als geizig, er ist sehr freigiebig und großzügig. Wir sollten es auch sein und ihm in diesen Dingen niemals untreu werden.

Zur Treue gehört natürlich auch die Bereitschaft zur Umkehr. Dann passiert nämlich Folgendes: Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit (1. Johannes 1,9; ELB; Hervorhebung durch den Autor). Gott sei Dank ist es so, dass unser Bräutigam uns treu bleibt, selbst wenn wir es nicht immer sind! Ohne diese Tatsache wären wir alle hoffnungslos verloren.

Die zweite mit der Treue verbundene Eigenschaft der Braut ist die Sehnsucht – das geduldige Warten auf den Bräutigam. Was lösen Sätze wie: »Jesus kommt wieder«, »Es dauert nicht mehr lang« in uns aus? Die Braut sehnt sich nach diesem Tag!

Allzu naiv sollten wir als Christen natürlich nicht sein, doch sollten wir aufpassen, dass wir umgekehrt auch nicht zu ungläubig werden! »Jesus kommt so bald nicht wieder …« – vielleicht haben wir so etwas selber schon gesagt oder gedacht, aber dem Wesen einer treuen Braut entspricht diese Aussage nicht!

Seid wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommen wird. […] Seid jederzeit bereit; denn der Menschensohn wird zu einer Stunde kommen, wenn ihr es nicht erwartet. Wer von euch ist nun der treue und kluge Diener, dem sein Herr den Auftrag gegeben hat, die übrige Dienerschaft zu beaufsichtigen und jedem pünktlich seine Tagesration auszuteilen? Ein solcher Diener darf sich freuen, wenn der Herr zurückkehrt und ihn bei seiner Arbeit fi ndet. Ich versichere euch: Der Herr wird ihm die Verantwortung für alle seine Güter übertragen. Wenn er aber ein schlechter Mensch ist und sich sagt: »So bald kommt mein Herr nicht zurück«, und anfängt, die ihm unterstellten Diener zu schlagen und mit Säufern Gelage zu halten, dann wird sein Herr an einem Tag und zu einer Stunde zurückkehren, wenn der Diener überhaupt nicht damit rechnet. Er wird diesen Diener in Stücke hauen und dorthin bringen lassen, wo die Scheinheiligen ihre Strafe verbüßen. Dort gibt es nur noch Jammern und Zähneknirschen (Matthäus 24,42-51).

Jesus nennt jene, die seine Wiederkunft leugnen oder den Tag X in weiter Zukunft vermuten, untreue und schlechte Diener! Wir sollen treu sein, uns auf den Tag seiner Wiederkehr freuen, uns Gedanken darüber machen, unseren Alltag darauf ausrichten, uns vorbereiten und jederzeit damit rechnen …

Eine Braut freut sich auf diesen Tag, den Tag der Hochzeit, den Tag der Wiederkunft! Es ist der wichtigste Tag in ihrem Leben, all ihre Energie, Vorfreude, Erwartungen und Vorstellungen sind darauf gerichtet. Was löst der Gedanke, dass Jesus bald wiederkommt, in dir aus? Ich glaube, es geht vielen von uns so, dass wir uns diesbezüglich wieder in guten, biblischen Erwartungshaltungen trainieren müssen.

Die dritte Eigenschaft der Braut ist es, von ihrem Bräutigam zu schwärmen und verliebt von ihm weiterzuerzählen. Jesus ordnet jene, die über ihn schweigen, den Sündern und Ehebrechern zu (vgl. Markus 8,38)! Wir sollen stattdessen fl eißig zur Hochzeit einladen: Geht jetzt hinaus auf die Landstraßen und ladet alle zur Hochzeit ein, die euch begegnen! (Matthäus 22,9).

Als Teenager habe ich einmal zusammen mit einem Freund in meinem ostfriesischen Geburtsort für einen Jugendgottesdienst Werbung gemacht. Wir sind damals auf die Straße und in die Geschäfte gegangen, haben Einladungsfl yer verteilt und ausgelegt. Auch sind wir zu den anderen Kirchengemeinden der Stadt gegangen und haben deren Jugendgruppen eingeladen. In einer dieser Gemeinden trafen wir auf den Hausmeister, der uns, nachdem wir ihm begeistert von unserem Jugendgottesdienstkonzept erzählt hatten, sehr ernst anschaute und zu uns sagte: »Ihr lieben Knaben, ihr schwärmt mir viel zu viel! Wisst ihr denn nicht, dass es in der Schrift heißt, dass sein Leben BITTER war?«

Wir haben diese Reaktion nicht richtig verstanden, offen gestanden verstehe ich sie heute auch noch nicht. Natürlich ist es als Christ nicht immer leicht, natürlich gibt es auch Krisen und ein Kreuz zu tragen, doch darf uns all das doch nicht die Liebe und das Schwärmen für Jesus, unseren Herrn, rauben!

Gott bewahre seine Kirche vor Bitterkeit und fülle sie mit Liebe und einem von ihm schwärmenden Herzen und Mund! Die Kirche sollte überall, wo sie hingeht, auf den Landstraßen, beim Arztbesuch, beim Nachbarn, im Café, begeistert von Jesus erzählen und zu dieser Hochzeit einladen.

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In der Bibel finden sich für die Gemeinde Bilder wie der Tempel, die Familie, die Herde oder der Baum. Aber was bedeuten diese Vergleiche eigentlich? Bild für Bild stellt der Autor dem Leser plastisch vor Augen, was Kirche ist. Und was sie sein kann!

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Kennst du verliebte Pärchen? Ein Hormoncocktail aus Dopamin, Serotonin, Neurotrophin, Oxytocin und Testosteron lässt selbst gestandene Männer die verrücktesten, seltsamsten – kurz schwärmerischsten – Dinge über ihre Angebeteten sagen, wie mein Schatzilein, Bärchen, Zuckerschneckchen, Schmusi (mir wird als echtem Kerl ja fast schon alleine vom Schreiben dieser Wörter ganz komisch im Bauch). Wie klingt es aber, wenn wir über unseren Verlobten Jesus sprechen? Spürt man uns die Liebe und Zuneigung zu unserem Herrn ab, oder klingt es vielmehr sachlich und nüchtern, wenn wir über Gott reden? Stimmt es wirklich, dass wir Jesus lieben? Selbstverständlich dürfen und sollen wir Jesus auch mit unserem Verstand lieben, aber eben nicht nur! Wir sollen ihn von ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzem Gemüt lieben (vgl. Matthäus 22,37-39).


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Treue, Umkehr, Sehnsucht, Schwärmen, Weitersagen und Menschen einladen – das sind die wichtigsten Eigenschaften, die Gott, der Bräutigam, bei seiner Braut sehen möchte! Aber es wäre müßig, sie einfach so tabellarisch als »to do« abzuarbeiten. All diese Dinge tut die Braut nicht aus Leistungszwang, aus Anstrengung, sondern aus Liebe heraus! Wir kommen also letztlich zur Ausgangs- und alles entscheidenden Frage zurück: Liebst du den Bräutigam? Bist du noch immer in Jesus verliebt?

Bleibt im Schutz der Liebe Gottes und wartet geduldig darauf, dass Jesus Christus, unser Herr, wiederkommt und euch in seinem Erbarmen das ewige Leben schenkt (Judas 21).

Diese Dinge in der Summe machen eine makellose, vollkommene Braut ohne Falten und Flecken aus. Dafür hat Christus sein Leben gegeben!


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