Dürfen christen sich tätowieren
In der Bibel gibt ein kein Tattoverbot. Tielbild von pixabay.com

Dürfen sich Christen tätowieren? Du wirst überrascht sein!

Lesedauer ca. 4 Minuten

Zu einem gesunden Glauben gehört auch eine kritische Emanzipation und eigene ethische Bewertungen. Eine der Dinge war auch das Thema Tattoos. Tattoos, so hab ich es gelernt sind gaaaanz schlimm und einen „echten“ Christen verboten, als Beleg dafür wurde vor allem folgende Stelle heran gezogen…

Ihr sollt um eines Toten willen an eurem Leibe keine Einschnitte machen noch euch Zeichen einätzen; ich bin der HERR. (LU;3Mo19,28)

 

In der Bibel gibt es kein Tattoverbot

Soweit so gut. Durch mein Studium und meiner Arbeit mit biblischen Texten lernte ich viel später, dass der Textzusammenhang (Kontext) wichtig für die Auslegung einer solchen Stelle ist. Zunächst einmal bin ich auf die Worte „Ihr sollt um eines Toten willen an eurem Leibe…“ gestoßen.

Sprich, hier wird kein generelles Verbot ausgesprochen, sondern ein heidnischer Totenkult angesprochen bei dem man sich aus Trauer um einen Verstorbenen schnitt, ätzte oder (Luther schreibt: „… noch euch Zeichen einätzen…“; Elberfelder schreib in der Fußnote „Tattoo„) – sprich: tätowierte.

Dürfen christen sich tätowieren

Dürfen Christen sich tätowieren? In der Bibel steht dazu wenig.

Sich aus Trauer Schmerzen zuzufügen ist sicherlich NICHT im Sinne Gottes, aber ein generelles Verbot sich zB. aus ästhetischen Gründen ein Bild in die Haut zu malen, lässt sich hier in meinen Augen nicht so einfach ableiten.

Zweitens – und da muss man schon fast wieder lachen – ist es immer wieder interessant wie selektiv wir Christen Texte lesen, denn wenn wir einfach mal den Vers vor unserem Tattoovers lesen, dann… aber lesen wir die Verse doch zunächst einmal:

Ihr sollt euer Haar am Haupt nicht rundherum abschneiden noch euren Bart stutzen. Ihr sollt um eines Toten willen an eurem Leibe keine Einschnitte machen noch euch Zeichen einätzen; ich bin der HERR. (LU;3Mo19,27&28)

Sprich: jeder der zu dem Schluss kommt, dass Tattoos verboten sind, sollte sich konsequenter Weise auch persönlich für ein Haar.- und Bartschneideverbot einsetzen! Alles andere wäre jedenfalls sehr Doppelmoralisch, oder was meinst Du?

Tattoos in christlicher Tradition?!

Hinfort mache mir niemand weiter Mühe; denn ich trage die Malzeichen Jesu an meinem Leibe. (LU; Gal 6,17)

„Die Malzeichen Jesu“ klingt so, als wenn Paulus tatsächlich Wunden gehabt hätte, die denen Jesu geglichen hätten. Tatsächlich gebraucht er im griechischen sogar das Wort „Stigmata“. Im modernen Sprachgebrauch heißt jemand stigmatisiert, an dem sich auf irgendeine seltsame Weise auf einmal die Wundmale Jesu zeigen.

Dürfen christen sich tätowieren

Gibt es christliche Tatoos?

Laut Brockhaus passiert das gelegentlich bei (angeblich) besonders mystisch veranlagten Personen; als erstem bei Franz von Assisi und seitdem bei wenigen hundert Menschen überhaupt – in meinen Augen ist dies aber ein total okkultes Verständnis (aber das ist ein anderes Thema).

Mit ziemlicher Sicherheit können wir jedoch davon ausgehen, dass Paulus nicht in dieser Weise „stigmatisiert“ war Stigma bedeutet übersetzt „Mal“, und zwar besonders ein Brandmal, eine Narbe oder auch eine – aber hier eher unwahrscheinlich – Tätowierung. Von Paulus wissen wir, dass er um des Glaubenswillen einige sollcher Narben durch Steinigung, Auspeitschungen usw. erlitten hat.[1]

Dürfen christen sich tätowieren

Der Kreuz gehört zu den meist gewählten Motiven bei Tatoos

Interessanterweise war es aber bei den ersten Christen üblich, sich am Kopf mit Kreuzen und ähnlichen christlichen Symbolen auf Grund von Gal6,17 tatsächlich zu tätowieren. Im Jahr 400 wurden diese Tätowierungen von Kaiser Konstantin verboten, ein Verbot, an das sich die christlichen Westkirchen fast ausschließlich hielten.[2]

Gott hat Tattoos?!

Ich weiß, dass die nächsten beiden Auslegungen für den einen oder anderen schon fast blasphemische Ansätze haben, aber es ist dennoch interessant sich diesen Lesarten einmal zu stellen. In Jesaja 49,16 sagt Gott von sich selbst: „Siehe, in meine beiden Hände habe ich dich eingezeichnet; deine Mauern sind immerdar vor mir!“ Das hebräische Wort an dieser Stelle bedeutet gravieren oder einschneiden. Sprich Gott selbst hat unsere Namen unwiderruflich in seine Hand „graviert“ oder sollten wir sagen tätowiert?!

In Offenbarung 19,16 heißt es über Jesus:

„Und er trägt an seinem Kleide und an seiner bloßen Hüfte den Namen geschrieben: «König der Könige und Herr der Herren.»“

Natürlich ist es auch möglich, dass der Name wirklich – mit einer Farbe – aufgeschrieben war, aber zu der Zeit in der diese Text verfasst wurde war es üblich, Statuen auf der Hüfte ihren Namen einzugravieren, nicht aber aufzuschreiben. Sprich in der Abfassungszeit dieses Briefes verstanden viele Lese diese Stelle tatsächlich so, dass Jesus ein «König der Könige und Herr der Herren.» – Tattoo auf der Hüfte hat!

Gute & schlechte Tattoos?!

Ich möchte diese Stellen einmal kurz zusammenfassen:

  • Ein allgemeines Tattoverbot lässt sich nicht aus der Bibel ableiten
  • Einige der ersten Christen ließen sich Tattovieren
  • Gott und Jesus haben so etwas wie ein Tattoo

Was bedeutet das für uns? Ich sage Dir, was es für mich bedeutet. Ich denke es gibt tatsächlich so etwas wie schlechte Tattoos, die Christen sich nicht in die Haut schreiben sollten. Aber dabei geht es um inhaltliche Aussagen der Hautkunst, nicht um die Kunst an sich.

Dürfen christen sich tätowieren

Ein Tatoo will gut überlegt sein.

Ich denke zB., dass es als Christ totaler Schwachsinn ist sich einen heidnischen Götzen, Harkenkreuz, pornografische Motive usw. zu tätowieren. Aber dabei geht es um andere Gebote, nicht um ein allgemeines „Tattoverbot“. Sich den Name der Frau, das Geburtsdatum der Kinder oder einen Bibelvers usw. tätowieren zu lassen ist ein ganz anderes Thema! Oder anders gesagt: Ist es gut sich nicht zu tätowieren, bzw. sich das gut zu überlegen? JA – aber eine Sünde ist es NICHT!

Alle Erkenntnis ist Stückwerk, das gilt auch für meine Überlegungen. Wie siehst Du das? Was denkst Du fehlt hier noch? Ich freue mich auf einen sachlichen Austausch und Feedback von Dir im Kommentarbereich.


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[1] „Stich, Punkt, Merkmal, Tätowierung, Brandmal, Schandfleck“ aus: Langenscheidts Taschenwörterbuch Altgriechisch [2] Tattoo Revue 2/99; Seite 48ffhttps://hochzeitsredner.berlin/

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