Darf man als Christ „Scheiße“ sagen?

Lesedauer ca. 4 Minuten

Nachdem ich in meinem Blog in der Vergangenheit dicke Bretter der Weltpolitik, Sexualethik usw. gebohrt habe wende ich mich jetzt mal einer profaneren, aber für mache fromme nicht weniger kontroversen, Fragestellung zu: Dürfen Christen „Scheiße“ sagen? Meine Antwort in Kurzform: Ja, na klar! Ist nur nicht immer schlau.

Zunächst einmal sollte wir aber eine generelle Unterscheidung zwischen „Schimpfwörtern“, „Kraftausdrücken“ und „Flüchen“ machen.

 

Schimpfwörter?!

Schimpfworte oder Invektive zielen auf Abwertung und Herabsetzung und werden meist in Bezug auf Personen verwendet. Schimpfworte sollen beleidigend wirken, indem sie den Beschimpften als den kulturell gesetzten ästhetischen, ethischen, hygienischen, intellektuellen, physischen oder religiösen Normen nicht genügend und mithin als subnormal bezeichnen, um damit kulturell oder persönlich sensible Bereiche zu verletzen.[1]

Das erste uns in der säkularen Literatur überlieferte Schimpfwort der Menschheit ist »Hund«, das in einem Gedicht in der altindischen Rigveda vorkommt, die vor rund 3000 Jahren entstanden ist, aber einige biblische Schimpfwörter sind noch viel älter.

Interessant ist zunächst, dass Schimpförter vor allem meist in der Bibel mit Lügen und dem Stichwort „Verleumdung“ angeklagt werden. Ein Schimpfwort soll keine Personen Verleumden, sprich ihnen etwas falsches nachsagen.

Dann hütet eure Zunge vor bösen Worten und verbreitet keine Lügen! (LU; ; Ps 34,14)

Trotzdem finden sich einige, teils derbe, Schimpfwörter gegen Menschen in der Bibel. Hier mal eine Auswahl an einigen biblisch verwendeten Schimpfwörtern:

  • „toter Hund“ 1Sam 24,15; 2Sam 9,8; 2Sam 16,9;
  • „stummer Hund“ Jes 56,10
  • „Floh“ 1Sam 24,15
  • „Kuh“ Am 4,1
  • „Wurm“ Hi 25,6; Ps 22,7
  • „Hundekopf“ 2Sam 3,8
  • „Eselsglied“ Ez 23,20
  • „Sohn einer Widerspenstigen“ 1Sam 20,30
  • „Schande des Schamteils seiner Mutter“ 1Sam 20,30
  • „Wandpisser“ 1Sam 25,22; 1Kön 14,10
  • „Kotbeschmutzter“ Spr 30,12; vgl. Mal 2,3
  • „Scheißefresser“ 2Kön 18,27; Jes 36,12

Selbst Jesus beschimpft die Pharisäer und bezeichnet sie als  „Schlangen“ und „Otternbrut“ (Mt 23,33)

Ob diese Beschimpfungen im Geiste von Ps23,14 KEINE VERLEUMDUNGEN sind, sondern lediglich „Tatsachen“ umschreiben wage ich nicht zu beurteilen, bei Jesus wird das wohl mindestens zutreffen. Aber auch ganz generell warnt uns die Bibel vor Unglück, wenn wir unsere Zunge im Gebruch von Schimpfwörtern gegen andere nicht im Griff haben:

Ein böses Maul wird kein Glück haben auf Erden; ein frecher, böser Mensch wird verjagt und gestürzt werden. (LU; Ps 140,12)

 

Kraftausdrücke?“

Ein Kraftausdruck richtet sich nicht gegen Personen, sondern drückt Ärger, Enttäuschung, Erstaunen oder Überraschung im Allgemeinen aus. In der Psychologie spricht man von einer Kausalkette aus drei Elementen: Frustration, Affekt, Aggression. Anders gesagt: Es passiert etwas, Du regst dich auf, und das muss raus. Auch davon findet sich einiges in der Bibel! So gebraucht Paulus beispielsweise den Ausdruck „Scheiße“ in der Bibel.

Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck, damit ich Christus gewinne. (LU; Philipper 3,8)

Was Luther und andere hier milde mit „Dreck“ übersetzen wagt nur die Einheitsübersetzung im Ansatz an die eigentliche Wortbedeutung mit „Unrat“ zu übersetzen. Im griechischen Grundtext steht hier das Wort „KAKOS“. Tatsächlich leitet sich unser deutsches Wort „KACKE“ von diesem griechischen Wort ab und zeigt bereits von dieser Ableitung was es eigentlich bedeutet. Paulus gebraucht hier also einen starken Kraftausdruck um sein altes Leben ohne Jesus zu beschreiben.

Gott selbst gebraucht – auch im Neuen Testament das eine oder andere Mal ganz schön deftige Kraftausdrücke, bzw. Bilder:

Doch du bist lau, weder heiß noch kalt. Darum werde ich dich aus meinem Mund ausspucken. (NeÜ; Offb3,16)

Das Wort „ausspucken“ kann man auch mit „erbrechen“ übertragen. Gott sagt hier – zugegebener Massen etwas blumig übersetzt, dass er „geistliche Lauheit zum kotzen“ findet.

 

Fluchen?!

Ein Fluch ist allgemein gesagt jemanden etwas schlechtes wünschen oder über ihn aussprechen! Ein Segen hingegen ist gutes über jemanden aussprechen und ihn wünschen.

Zunächst einmal ein paar sehr lustige, aber bitter böse jiddische Flüche: »Drei Schiffsladungen voll Gold sollst du erben, aber es soll dir nicht reichen, um deine Arztrechnungen zu begleichen!« »Berühmt sollst du werden – man soll eine Krankheit nach dir nennen!« oder »Mögen alle deine Gläubiger stets deine Adresse haben!«

Christen sollen – und das ist eindeutig – ein Segen sein und ihren Mitmenschen niemals Fluchen, sondern sie segnen! Worte haben Macht, das gilt im natürlichen wie im übernatürlichen/ geistlichen.

Ein Kind ein Leben lang mit „Du kannst nix! Bist genau wie Dein Vater! Zwei Linke Hände! Hätte ich Dich doch nie geboren“ usw. zu verfluchen hat eine enorme negative Kraft und wird das Kind bis ins Erwachsenenalter verfolgen. Ein Kind im Gegensatz mit Segenssprüchen, wie „Du bist so toll. Das hast DU super gemacht. Aus Dir wird was werden! ich bin stolz auf Dich. usw., zu segnen wird enorme positive Kräfte für das ganze Leben freisetzen. Zu letzterem sind wir als Christen berufen! Unseren Mitmenschen Gift und Galle an den Hals zu wünschen ist uns als Christen nicht gestattet.

 

Zusammenfassung

Ich will alles einmal kurz zusammenfassen:

  • Schimpfwörter gegen Menschen können hier und da angebracht sein, solange sie Menschen nicht verleumden.
  • Kraftausdrücke dürfen wir gebrachen solange sie unsere Gefühle in einer bestimmten Situation beschreiben.
  • Fluchen: Unseren Mitmenschen für die Zukunft negatives zu wünschen ist verboten

Um es mit mal etwas angepasst mit Paulus zu sagen „… manches ist erlaubt, aber nicht alles ist gut für uns!“ Das Neue Testament sagt uns:

Euer Wort sei allezeit in Gnade, mit Salz gewürzt; ihr sollt wissen, wie ihr jedem Einzelnen antworten sollt! (LU; Kol 4,6)

Salz ist immer ein Ausdruck der einen Konservierenden, auf die Ewigkeit vorbereitenden Charakter hat. Hier heißt es NICHT „Eure Worte sollen mit Salzsäure versehen sein…“. Sprich die Worte die wir mit und vor unseren Mitmenschen verwenden sollen genau an diesem Maßstab gemessen werden: Dient es der Ewigkeit? Konserviert und Heilt oder Zerstört es Menschen?

Ich für meinen Teil gebrauche hier und da Kraftausdrücke, bin mit Beschimpfungen sehr zurückhaltend und verzichte ganz – Ausnahmen bestätigen die Regel – auf Flüche. Wie machst Du das? Kennst Du noch weitere spannende Kraftausdrücke, Schimpfworte und Flüche aus der Bibel? Oder denkst DU es fehlt noch eine wichtige Aussage aus der Bibel? „Alle Erkenntnis ist Stückwerk“ – ich freue mich auf Deine Ergänzung im Kommentarbereich.

 


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[1] https://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/schimpfworte-at-3/ch/25e3d3204d6de64be938086c8f9f2024/

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