Das Evangelium und in China fällt ein Sack Reis um?

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Der Erzengel Gabriel erscheint einem berühmten Fußballspieler und sagt: “Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht für dich. Zuerst die gute: Du bist auserwählt, nach deinem Ableben in der himmlischen Fußballmannschaft zu spielen. Die schlechte: Du bist schon für nächstes Wochenende aufgestellt!”

So kann’s kommen. Wir kennen diese Frage “gute oder schlechte Nachricht?”. Als Christen verwalten wir einen unglaublichen Schatz – die GUTE NACHRICHT/ das EVANGELIUM.

Das Wort Evangelium kommt aus dem Altgriechischen (εὐαγγέλιον) und bedeutet „gute Nachricht“ oder „frohe Botschaft“ – so haben wir es alles gelernt und so bringen wir das auch an den Mann in unseren Begegnungen mit Menschen: “Ich habe gute Nachrichten für Dich!”

 

Das Evangelium und in China fällt ein Sack Reis um!

Je nachdem wie sehr man fromm sozialisiert ist hat man es uns so beigebracht, dass das Evangelium eine Kraft sei – und daran glaube ich auch! Aber wir haben da teilweise ein schräges Verständnis, da reden wir zB. mit Menschen und kommen ihnen mit – so wie man es uns beigebracht hat dem mächtigen Evangelium’ – einem Satz wie “Jesus liebt Dich! Das ist die beste Nachricht der Welt für Dich, ließ das Evangelium.”

… unser Gegenüber kann aber eventuell unsere Begeisterung gar nicht richtig nachvollziehen und antwortet ,wenn er nett ist: “Ja, das mag für Dich und euch Christen eine Gute Nachricht sein, aber was hat das mit mir zu tun?”

Wenn er ein bisschen muffig ist könnte er auch sagen: “Ja und in China fällt ein Sack Reis um! Was hat das mit mir zu tun?”

Es gibt tatsächlich ‘Gute Nachrichten’ die nur eine sehr eingeschränkte Relevanz haben, die einzelnen sehr wichtig sind, aber längst nicht jeder was mit anfangen kann.

Beispiel Bundesligaergebnisse: Fans flippen völlig aus, wenn ihre Fußballmannschaft gewonnen hat, Fußballmuffel wie mich tangiert das kaum! Sprich ‘eine gute Nachricht’ für manchen, aber mich interessiert und bewegt das kaum.

Manchem der nix mit dem Glauben zu tun hat geht es genauso wie mir Fußballmuffel mit den Bundesligaergebnissen: “Was flippen diese bekloppten Jesusfans schon wieder aus?!”

Man versteht das Evangelium, als eine Gute Nachricht für eine Subkultur – uns Christen – mit allerdings wenig gesellschaftlich allgemeiner Relevanz und Wichtigkeit. Aber Freunde hier müssen wir dazulernen: Das Evangelium ist nicht nur eine ‘Gute Nachricht’, sondern auch eine ‘Wichtige Nachricht’ mit gesamtgesellschaftlicher Sprengkraft und auch einer weltpolitischen Dimension und Anspruch.

Das Evangelium steht nicht nur für den Kuschel.-, Happyclub der Jesusfans, sondern hat den klaren Anspruch dieser ganze Welt zu verändern – wie konnten wir das nur aus den Augen verlieren?

Anfang diesen Jahren haben wir alle ja so komische SPAM-Briefe bekommen, die gaaaaanz schrecklich Wichtig waren, erinnert ihr euch?

 

Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde,

Wir nutzen bei der mit Ihnen bestehenden Geschäftsbeziehung die Lastschrift. Auf Grund der Umstellung des Zahlungsverkehrs auf die SEPA – Zahlverfahren in unserem Hause [und als Beitrag zur Schaffung des einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraums (Single Euro Payments Area, SEPA)] stellen wir ab dem 01.02.2014 unsere Lastschrifteinzüge auf das europaweit einheitliche SEPA-Basis-Lastschrift-verfahren um […].

Ohhaaa, das klang sehr wichtig und dann auch noch in zigfacher Ausgabe von sämtlichen Banken, Versicherungen, Vereinen usw. “GAAANNNNNZ WICHTIG”! Aber jetzt lass man weiter und staunte….

 

WAS ÄNDERT SICH FÜR SIE ALS KUNDE? ABSOLUT NICHTS! Sofern Sie uns bereits schriftlich eine Einzugsermächtigung erteilt haben, werden diese automatisch in SEPA-Lastschriften umgewandelt […].

Was für ein Schwachsinn! So wichtige Nachrichten, die überhabt keine Relevanz für mein Leben haben?! NA das nenne ich ja mal ne Zeitverschwendung!

Ich war kurz davor meine Versicherer auch mal anzuschreiben!

 

Sehr geehrte Versicherer,

wir die Familie Diekmann teilen Ihnen hiermit mit, dass wir nach Beschluss DFK’s (Diekmannsche Familien Konferenz) unser Sofa im Wohnzimmer um 0,5 Meter nach N/O stellen.

Was ändert das für Sie als Versicherer? Absolut nicht! Wir werden Ihre Briefe wie gewohnt auf unserem Lesesofa lesen, eine Neuadressierung ist nicht nötig, die interne Weiterverarbeitung wird automatisch für Sie umgestellt!

Viele erzählen genauso von Jesus weiter, machen die Leute total heiß, kündigen DIE ‘Gute Nachricht’ an und dann wenn es zu den Konsequenzen kommt nur ein: das ändert maximal deine Ausschlafgewohnheiten am Sonntagmorgen.

 

Das Evangelium ist WICHTIG

Wagen wir aber noch mal einen kleinen Rückblick zur Urgemeinde und dem Begriff ‘Evangelium’ – warum hatte das damals so eine Sprengkraft? Warum ist da heute nur noch so wenig von übrig?

 

Kaiserkult

Bereits bei Homer begegnet und εὐαγγέλιον als Fachbegriff für eine gute Nachricht.[1] Aber – und das ist ganz wichtig zu kapieren – in der römischen Kaiserzeit hießen Botschaften, die vom Kaiser ausgingen oder sich auf ihn bezogen, Evangelium. Auch seine Geburt und Krönung nannte man Evangelium.

Eine Nachricht auf höchster gesellschaftlicher.- und politischer Ebene vom Imperator selbst hieß ‘Evangelium’! Sprich, das war keine Nachricht für eine kleine eingeschworene Fangemeinde, sondern für die ganze Welt!

 

Messianische Zeit

Auf der anderen Seite tauchte dieser Begriff im Buch des Propheten Jesajas auf – zumindest in der LXX – in denen es um das messianische Zeitalter ging:

Zion, du Überbringerin der guten Botschaft, steig auf einen hohen Berg! Sprich mit lauter Stimme, Jerusalem, du Freudenbotin, sprich laut und fürchte dich nicht. Sag den Städten Judas: »Seht, da ist euer Gott!« Seht, der Herr, euer Herrscher, kommt mit Macht. Der Herr regiert zu seinem Nutzen. Seht hin: Er bringt eine Belohnung mit und führt sein wiedererworbenes Volk vor sich her. Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte: Die Lämmer wird er im Arm tragen und sie auf seinem Schoß halten, die Mutterschafe wird er freundlich leiten. (NL; Jesaja 40,9-11)[2]

Zur Zeit Jesu war dieser Begriff also sowohl ein weltpolitischer Begriff, der etwas ganz, ganz wichtiges ankündigt, als auch ein theologischer Begriff, der auf das messianische Zeitalter hinwies. Und genauso wird dieser Begriff auch im NT verwendet:

Nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus wieder nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium! (EIN; Markus 1,14f)

Viele Exegeten sehen in diesem Begriff eine bewusst gewählte Konkurrenz zur Verwendung im römischen Kaiserkult. Manche Forscher sehen dies als ein starkes Motiv: Nicht das Heilsversprechen und die Sieg der römischen Imperatoren bringen den Frieden, sondern Jesus Christus. So wird etwa die Geburtsgeschichte bei Lukas als bewusster Gegensatz zum Augustus-Kult interpretiert.

 

Unsere Mission

Was versuche ich euch zu sagen? Das Evangelium ist nicht einfach nur eine gute, happyhippo Botschaft deren Relevanz nicht weit über ihre Zielgruppe, einer eingeschworenen Fangemeinde, reicht – NEIN, es ist eine gesellschaftsrelevante und verändernde Botschaft, mit weltpolitischer Sprengkraft!

Der Schöpfer schreibt der ganzen Welt einen persönlichen Brief:

Sehr geehrtes Menschenkind,

hiermit teilen wir Ihnen mit, dass der Schöpfer des Himmels und der Erde sein Zahlungssystem von ‘Werke’ auf ‘Gnade’ durch ‘Glaube’ umgestellt hat! Das neue Zahlsystem J.E.S.U.S. hebt alle anderen bisher gängigen Zahlsysteme auf!

Was sich für Sie als Erdenbürger ändert? Absolut ALLES! Das neue Zahlsystem benötigt einen kompletten Hardware austusche ihres Herzens, ihr steinernes Herz muss gegen ein weiches Herz aus Fleisch und Blut umgetauscht werden!

Du und ich – wir haben eine Botschaft die wirklich, super, super wichtig ist!

Aber jetzt etwas interessantes und sehr herausforderndes: Neben dem Substantiv εὐαγγέλιον, taucht aber auch das Verb ευανγελιζw (evangelisieren) sehr oft auf.[3]

Sprich die Gute.- und Wichtige Nachricht ist nicht nur eine Botschaft, sondern auch ein Auftrag, nicht nur Substantiv, sondern Verb.

Ist doch verrückt, wir verstehen unter evangelisieren fast ausschließlich, die gute Botschaft (das Substantiv) weiter zu sagen, stimmt’s?

Das Verb meint und verlangt aber viel mehr! Nehmen wir das Substantiv ‘der Sitz’, als Beispiel. Das Verb ‘sitzen’ hat auch sehr wenig mit vom Substantiv (der Sitz, der Stuhl usw.) erzählen zu tun, sondern eben mit der Tätigkeit ‘sitzen’. Genauso ist es auch mit dem ‘evangelisieren’!

Ist doch offenbar geworden, dass ihr ein Brief Christi seid, durch unsern Dienst zubereitet, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf steinerne Tafeln, sondern auf fleischerne Tafeln, nämlich eure Herzen. (LU; 2Kor 3,3)

Ich weiß, dass das ein ganz schöner Hammer ist, das muss man erst mal verdauen! Nicht ‘nur’ die Gute Botschaft weiter sagen, sondern sie vor allem sein!

Neben dem Substantiv evangelion (die gute Nachricht) und dem Verb evangelizo (Gutes nahrichten) gibt es noch ein Wort das Wort evangelistis – welches wir oft mit ‘Evangelist’ übersetzen. Vor der Grundbedeutung meint aber auch dieses wieder viel mehr: ‘Gute Nachricht sein‘!

Aber darf ich Dir was verraten? Wenn wir, Du und ich, das kapiert haben und anfangen das zu leben, dann wird die ‘gute Botschaft’ wirklich lebendig und für Menschen nicht nur Theorie und Nebensächlich, dann wir sie Relevant und dann wird sie Gesellschaftsverändernd und von weltpolitischer Sprengkraft!

Höre auf den Leuten etwas groß anzukündigen damit sie am Ende feststellen, dass nur heiße Luft drin war! Erzähl nicht nur das Evangelium, sei die gute Botschaft:

  • vergib Du Deinem Schuldiger
  • Gib dem Hungrigen zu essen
  • Heile den Kranken
  • Schütze den Schwachen
  • Biete Versöhnung an
  • Schätze Wert
  • Ermutige
  • Segne

Du bist nicht irgendjemand! Du bist gesendet vom Schöpfer des Himmels und der Erde… sei ein relevanter Brief Christi.

AMEN

 


 

[1] Homer: Odyssee 14, 152–167

[2] vgl. Jes 52,7; 60,6; 61,1

[3] Substantiv 72Mal, Verb 51Mal

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