Gott ergreift Partei

Gott ergreift Partei

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Durch den Glauben wollte Mose, als er groß geworden war, nicht mehr als Sohn der Tochter des Pharao gelten,  sondern wollte viel lieber mit dem Volk Gottes zusammen misshandelt werden als eine Zeit lang den Genuss der Sünde haben, und hielt die Schmach Christi für größeren Reichtum als die Schätze Ägyptens; denn er sah auf die Belohnung. (LU; Hebr.11,24ff)

Als Christen wissen wir, dass Gott grundsätzlich alle Menschen liebt und dass es bei IHM kein Ansehen der Person gibt. Doch eine andere Wahrheit scheint uns dabei etwas aus dem Sichtfeld geraten zu sein: GOTT IST NICHT NEUTRAL! Er bezieht Position und stellt sich ganz klar auf eine Seite, was auch bedeutet, dass er sich gegen eine andere Seite positioniert. Die Seite, auf der Gott steht, ist eindeutig: die Schwachen, Armen, Versklavten und Unterdrückten.

„Selig seid ihr Armen – wehe euch, ihr Reichen, selig, die ihr jetzt hungert – wehe euch, die ihr jetzt satt seid“, so stellt Jeshua in seiner Feldrede heraus, auf welcher Seite Gott steht. „… gesandt um den Armen frohe Botschaft zu verkündigen!“ – So beschreibt er seinen messianischen Auftrag.

Es ist eine echte Verkürzung des Evangeliums, diese seliggepriesene Armut nur als „geistliche Armut“ deuten zu wollen. Wer das tut, ignoriert dabei das gesamte Lukasevangelium. Dort finden wir u. a. die Geschichte vom reichen Mann und dem armen Lazarus und gutes Anschauungsmaterial darüber, was Jeshua mit seinen Seligpreisungen und Weherufen gemeint hat. Gott sieht den Menschen ganzheitlich, kümmert sich um all seine Bedürfnisse und nicht nur um die Seele.

Mose hatte eine klare Entscheidung zu treffen: sich auf die Seite derer zu schlagen, die Gott erwählt hat. Dazu gehörte es, echte Nachteile in Kauf zu nehmen, in dem Wissen, dass es sich in Ewigkeit lohnen würde auf der Seite Gottes gestanden zu haben und allen temporären Verlust mit Freude dafür in Kauf zu nehmen. Man darf dabei nicht vergessen, dass Mose ja zu dem Teil der Gesellschaft gehörte, die Nutznießer der Versklavung des hebräischen Volkes waren.

Wenn wir zurückschauen auf vergangene Epochen, in denen Unrecht herrschte, bekämpft und überwunden wurde, fällt es uns nie schwer, uns richtig zu positionieren. Als Christen aller Konfessionen führen wir gern die Zitate Bonhoeffers im Mund, und wären wir heute im Dritten Reich, so stünden wir alle mit ihm im Widerstand, richtig??? Jemand sagte mal: „Die mutigsten Sprüche werden zumeist an den sichersten Orten geklopft!“ – und das ist wohl leider wahr. Tatsache ist, nur sehr wenige Christen standen damals auf der richtigen Seite. Es gäbe viele andere Beispiele aus der Geschichte zu nennen … Sklavenbefreiung, Frauenrechte, etc. …, wo die Gemeinde Jesu zum größten Teil auf Seiten der Mächtigen und Ausbeutenden stand, oder zumindest geschwiegen hat und alle Vorteile des Unrechtssystems in Kauf nahm.

Christen sind oft freigiebige Menschen, und das ist gut so. Wenn uns die Not der Armen vor die Augen gestellt wird, sind die Opferkörbe gut gefüllt. Was Christus aber von uns will, geht darüber hinaus. Gott hat die Armen erwählt und stellt sich auf ihre Seite, und genau das sollte seine Gemeinde auch tun. Mose sammelte kein Geld für die leidenden Israelis, sondern wechselte die Seite. Wer Brot unter den Armen verteilt, wird bald ein Heiliger genannt werden. Wer sich aber auf die Seite des Armen stellt, seinen Schmerz, seine Wut und seine Trauer spürt und teilt, wer behauptet, dass Armut angesicht des Reichtums ein Unrecht ist, und wer bereit ist, dieses Unrecht zu bekämpfen, der wird schnell Sympathien verlieren. Nein, wir gefallen uns oft besser in der Rolle der Gutmenschen, die sich gönnerhaft über die Armen erbarmen.

Was sollen wir tun, und was wünscht sich Gott von uns? Sozialwerke gründen? Opfer sammeln? Suppenküchen einrichten? Alles ganz wunderbare Dinge, aber damit geht es nicht los. Es beginnt mit unseren Herzen, die wir Gott hinhalten dürfen, damit er sie ändert. Dann werden wir uns von Herzen neu positionieren können, so wie Mose es tat, und die Armut dieser Welt nicht länger nur als „traurig“ ansehen, sondern sie als ein zum Himmel schreiendes Unrecht begreifen und uns davon tief treffen lassen. Sind die Herzen erst verändert, wird es an guten Projekten, Aktionen und Ideen nicht mangeln.


Der Artikel ist ein Gastbeitrag von Pastor Uwe Schäfer, Erstveröffentlichung in der Zeitschrift GEISTbewegt! Aktuelles aus dem BFP – Zeitschrift des Bundes Freikirchlichen Pfingstgemeinden KdöR; 1-2012:

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