NEID das ‚letzte Gebot‘?!

Lesedauer ca. 7 Minuten

Heute soll es um ein heißes Eisen gehen, etwas was wir alle kennen: NEID

Wikipedia schreibt: „Neid existiert in zweierlei Ausprägungen:

  • dem Wunsch der neidenden Person, selbst als gleichwertig empfundene Güter zu erlangen, um die die beneidete Person beneidet wird (konstruktiver Neid)
  • dem Wunsch, dass die beneidete Person die Güter, um die sie beneidet wird, verliert (destruktiver Neid, auch Missgunst). Ersatzweise kann der Neidende auch den Wunsch nach anderem Schaden für die beneidete Person entwickeln.

Gesellschaftlich ist der Neid mehrheitlich eine akzeptierte, wichtige Triebfeder. So sagen wir zum Beispiel, dass Neid die höchste Form der Anerkennung sei. Aber das ist so pervers falsch: Respekt ist die höchste Form der Anerkennung.

Anbei ein paar Beispiele in denen die großen Denker unserer Zeit den Neid hoffierten und huldigten:

Der Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung. (Wilhelm Busch)

Die Anzahl unserer Neider bestätigt unsere Fähigkeiten. (Oscar Wilde)

Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich verdienen. (Robert Lembke)

Erfolg ist nur halb so schön, wenn es niemanden gibt, der einen beneidet. (Norman Mailer)

Das Phänomen des Neides spielt vor allem in der antiken Mythologie Griechenlands eine große Rolle, insbesondere bei der Vorstellung, dass Götter anderen Göttern oder den Menschen etwas neiden. Diese Vorstellung gibt es im Alten aber nicht. Gott – um das mal ganz klar zu sagen – ist nicht neidisch und wir sollen es auch nicht sein![1] Neid ist – um auch das mal ganz klar zu sagen – ein Eifer des Teufels.

Neid ist die Eifersucht darüber, dass sich Gott auch mit anderen Menschen außer uns beschäftigt. (Ernst R. Hauschka)

… und damit wiederspricht Neid dem höchsten Gebot unseren Nächsten zu lieben wie uns selbst!

Neidbeispiele in der Bibel

Im Alten Testament wird uns im letzten Gebot (10.) das Begehren des Eigentums anderer als Sünde bezeichnet.[2]

Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was sein ist.(Dtn 5,6–21)[3]

SuppeDer Karnevalist Bernd Stelter scherzte einmal folgendes und stellt damit die Tücke des Neides sehr gut heraus:

Eine Ehe ist wie ein Restaurantbesuch – man denkt immer, man hat das Beste gewählt, bis man sieht, was der Nachbar bekommt. (Bernd Stelter)

Neid hat auch etwas mit einem Perspektivwechsel zu tun. Vieleicht erinnert ihr euch noch an solche Scene am Tisch wo ihr einen Geschwisterteil bei den Eltern angezeigt habt: „Mama, schau mal wie der isst.“ Und die Mutter gab dann zurück: „Schau auf deinen eigenen Teller!“

Warum schauen wir immer auf die Teller der anderen, als auf unseren?

Wir denken selten an das, was wir haben, aber immer an das, was uns fehlt. (Arthur Schopenhauer)

Wir kennen alle die Geschichten von Kain und Abel, der Neid der Brüder auf Josef, der Neid Sauls auf David.

In 1Sam 18,9 findet sich ein Verb von der Wurzel עין ’jn (עַיִן ‘ajin „Auge“), um das Neidisch-Sein Sauls auf David auszudrücken.[4] Und das ist interessant, oder?

Neid wird hier vom ‚Auge‘ abgeleitet – Hier leitet sich auch das ab, was viele Orientalen bis heute den ‚bösen Blick‘ nennen.

Neid ist der Ärger über den Mangel an Gelegenheit zur Schadenfreude. (Anonym)

Neid ist direkter Ungehorsam gegen dieses Uralte Gebot, das Jesus zum höchsten Gebot erklärte:

Räche dich nicht, und sei nicht nachtragend! Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst! Ich bin der Herr. (HfA; 3.Mose 19,18)

Dieser Ausspruch „Ich bin der HERR“ bedeutet ja „Ich bin JAHVE – Ich bin der ich bin!“ – sprich: Ich bin so, sei Du auch so!

Die Bibel ist voll von Warnungen gegen den Neid, man soll demnach nicht neidisch auf den Übeltäter (Ps 37,1), auf dem Gewalttätigen (Spr 3,31), auf die Sünder (Spr 23,17) oder auf böse Menschen im Allgemeinen sein (Spr 24,1) usw.

Warum? Weil Neid eben nicht glücklich macht, sondern zerstört! Die amerikanische Schriftstellerin Pearl Buck sagte:

Die gefährlichsten Herzkrankheiten sind immer noch Neid, Hass und Geiz.“ (Pearl Sydenstricker Buck)

… und tatsächlich gilt dieser Satz heute sogar medizinisch als gesichert: Neid tut nicht nur der Seele weh, sondern auch dem Körper.

Erste körperlichen Beschwerden könnten Dinge sein wie Magenschmerzen oder Herzrasen (5% von uns Deutschen gelten davon betroffen). Fast vier Prozent schlafen schlecht oder kämpfen mit massiven Schlafstörungen. Neid, kann aber auch in tiefe Depressionen führen.[5]

Es soll sogar geschlechtsspezifische Unterschiede im Neid geben. Bei Frauen geht es dabei oft um Jugend und Schönheit, bei Männern eher um das Glück anderer. In meiner Regersche staunte ich über einen Stern Artikel in dem Wissenschaftler herausgefunden haben wollen, dass neidische Frauen sogar einem höheren Demenz-Risiko ausgesetzt wären.[6]

Neidlose Nachfolge im Neuen Testament

Paulus schreibt daher im Galatherbrief:

Die Werke des Fleisches sind deutlich erkennbar: Unzucht, Unsittlichkeit, ausschweifendes Leben, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streit, Eifersucht, Jähzorn, Eigennutz, Spaltungen, Parteiungen, Neid und Missgunst, Trink- und Essgelage und Ähnliches mehr. Ich wiederhole, was ich euch schon früher gesagt habe: Wer so etwas tut, wird das Reich Gottes nicht erben. (EIN; Gal5,19-21)

Neben körperlichen Schäden hat Neid also auch eine geistliche Dimension mit verehrenden Folgen. Ich habe ein interessantes Zitat in diesem Zusammenhang gefunden, dass uns die geistliche Dimension ganz gut erklärt:

Erfolg ist so ziemlich das letzte, was einem vergeben wird. (Truman Capote)

‚Neid‘, wirkt genau wie ‚Unvergebenheit‘ und lastet schwer auf unserer Seele. Wir müssen diese Dinge um unserer Gesundheit und unserer Seele willen loslassen.

Paulus führt das Ganze noch mal weiter aus und sagt sogar, dass ‚Neid‘ im Grunde eine Folge von der Rebellion gegen Gott wäre!

Und da sie sich weigerten, Gott anzuerkennen, lieferte Gott sie einem verworfenen Denken aus, sodass sie tun, was sich nicht gehört: Sie sind voll Ungerechtigkeit, Schlechtigkeit, Habgier und Bosheit, voll Neid, Mord, Streit, […], ohne Liebe und Erbarmen. Sie erkennen, dass Gottes Rechtsordnung bestimmt: Wer so handelt, verdient den Tod. Trotzdem tun sie es nicht nur selber, sondern stimmen bereitwillig auch denen zu, die so handeln. (EIN; Römer 1,28-32)

Mit diesem gesellschaftlichen zustimmen haben wir uns in der Einleitung bereits beschäftigt „… Der Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung…“ usw.

Diesen Gedanken finde ich super: „[…] voller Neid, Mord, Streit […], ohne Liebe und Erbarmen.“ – das stimmt! Auf jemanden den man liebt kann man nicht neidisch sein, da freut man sich mit und nimmt Anteil an seinem Glück.

Ursachen von Neid.

Wir haben schon 1Sam 18,9 angerissen indem wir ein Verb von der Wurzel (עַיִן ‘ajin) „Auge“ finden, das man mit neidisch sein übersetzt. Es geht also darum, dass man eigentlich auch undankbar ist und den Blick von seinem ‚Teller‘ habgierig zu dem anderen ‚Teller‘ schweifen lässt.

Aber die Bibel nennt noch weiter Dinge als eine Ursache auf die wir vieleicht so nicht gleich gekommen wären: der Hang zu Wortgefechten… kann zum Neid führen.

Jeder, der etwas anderes lehrt als die guten Worte von Jesus Christus, unserem Herrn, und nicht an der Lehre festhält, auf der unser Leben im Glauben beruht, der ist verblendet und unwissend. Ein solcher Mensch hat einen ungesunden Hang zu Streitereien und Wortgefechten, die zu Neid, Auseinandersetzungen, lästerlichen Reden und bösen Verdächtigungen führen und in dauerhaftem Streit enden. Solche Menschen haben ein verdorbenes Denken und kennen die Wahrheit nicht. Für sie ist das Leben mit Gott nur ein Mittel, sich zu bereichern. Wahrer Glaube und die Fähigkeit, mit wenigem zufrieden zu sein, sind tatsächlich ein großer Reichtum. Schließlich haben wir bei unserer Geburt nichts in die Welt mitgebracht und wir können auch nichts mitnehmen, wenn wir sterben. Deshalb wollen wir zufrieden sein, solange wir nur genug Nahrung und Kleidung haben. (NL; 1Tim6,3-8)

Ich diskutiere auch gerne! Aber ich streite nicht gerne – ich denke das ist ein Unterschied. Manche Menschen aber scheinen sich sehr gerne zu streiten… und genau das nennt Paulus eine Mitursache von Neid und Missgunst.

Mancher lehnt eine gute Idee bloß deshalb ab, weil sie nicht von ihm ist. (Luis Buñuel)

Leg deine Streitigkeiten nieder, höre auf immer das letzte Wort haben zu wollen…

Das Ablegen von Neid

Aber wie komme ich jetzt aus diesem destruktiven Sumpf heraus? Die Bibel sagt: Vergleichen und Neiden sind die Königswege zum Unglück, leg den Mist einfach ab!

Legt also alle Bosheit ab, alle Falschheit und Heuchelei, allen Neid und alle Verleumdung. Verlangt, gleichsam als neugeborene Kinder, nach der unverfälschten, geistigen Milch, damit ihr durch sie heranwachst und das Heil erlangt. Denn ihr habt erfahren, wie gütig der Herr ist. (EIN; 1Pet2,1ff)

Hey, wenn Du die Wahl hast glücklich oder neidisch zu sein, dann würde ich an deiner Stelle immer glücklich wählen, oder?

Petrus sprich davon Neid einfach ‚abzulegen‘, das hat etwas mit einem ‚loslassen‘, einem ‚inneren Endschluss‘ zu tun sich dieser ‚Mittel‘ nicht mehr zu bedienen.

Stattdessen sollen wir unserer Seele etwas anderes zukommen lassen! Paulus sagt in dem zuletzt gelesenen Text: […]Schließlich haben wir bei unserer Geburt nichts in die Welt mitgebracht und wir können auch nichts mitnehmen, wenn wir sterben. Deshalb wollen wir zufrieden sein […].

Beide Paulus und Petrus sprechen von den absoluten Basics eines Neugeborenen – das ist doch interessant, oder? Petrus sagt: „. Verlangt, gleichsam als neugeborene Kinder, nach der unverfälschten, geistigen Milch, damit ihr durch sie heranwachst und das Heil erlangt.“

Sprich kümmere Dich um Deine Nahrung die Gott Dir gibt! Verlange von Gott dem Vater wie eine schreiende Kind Versorgung und die gute geistliche Milch seines Evangeliums. Ja, wende deinen Blick ab von dem ‚Teller‘ der anderen und richtet deinen Blick auf die göttliche ‚Milchflasche‘ seiner Liebe.

Brenda und ich haben nach ihrem letzten Artikel ein paar Briefe und Email von Leuten bekommen die in den letzen Monaten sehr komisch zu uns waren. Wir waren beide sehr bewegt und sich aus allen Wolken gefallen, sie baten um Entschuldigung, weil sie neidisch auf uns und unsere Familie gewesen wären und uns Gift und Galle an den Kopf gewünscht hätten.

Nach dem Lesen von Brendas Artikel mussten sie weinen und haben sich bei uns entschuldigt. Einige kannten wir gut, andere kaum… – selbstverständlich haben wir die Entschuldigung sehr gerne angenommen.

Puhh… das ist gut! Lebt ab den Neid… das befreit!

Man will nicht nur glücklich sein, sondern glücklicher als die anderen. Und das ist deshalb so schwer, weil wir die anderen für glücklicher halten, als sie sind. (Charles-Louis de Montesquieu)

Positiver Aspekt von Neid

Ich möchte meine Gedanken jetzt zum Schluss aber noch mit einem positiven Aspekt von Neid schließen: Neid enttarnt unsere versteckten Wünsche.

Neid hat etwas Entlarvendes: Ein geheimes Ideal hat sich enttarnt. Ein Ideal, das, geprägt durch Erziehung, Gesellschaft, Gemeinde, Umwelt, in unserem Inneren vor sich hin schlummert. Und nun zu uns sagt: Kein Wunder, dass du dich unzufrieden fühlst, du hast ja auch deine Ziele nicht erreicht!

Das ist ein guter Anlass, um sich selbst zu hinterfragen: Will ich wirklich das, was der andere hat? Ist das mein ureigenster Wunsch – oder vielleicht nur eine Vorstellung, die meine Eltern, die Gesellschaft usw. mir eingeimpft haben? Wovon träume ich, an was mangelt es in meinem Leben, was macht mich wirklich glücklich? Und wie kann ich das erreichen?[7]

Schäme Dich nicht, wenn Du Neid empfindest! Betrachte dieses Gefühl vielmehr als ungewöhnlichen Hinweis auf ein eigenes Bedürfnis und …

  • komme zurück zu Gott als sein geistliches Kind und verlange nach seiner ‚geistlichen Milch‘
  • segne, statt fluche
  • freu dich mit, statt missgünstige Gefühle zu hegen
  • liebe, statt hasse

Der Satz ‚jeder ist seines Glückes Schmied‘ mag in vielerlei Hinsicht nicht stimmen, aber in diesem Punkt stimmt es: endscheide Dich Glücklich, statt neidisch zu sein.


[1] Miriam von Nordheim-Diehl; Neid; https://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/neid-3/ch/c2b27bedc454f89687d736966a1a2534/; 2009

[2] Im kleine Katechismus heißt es dazu: „Was ist das? Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unserm Nächsten nicht seine Frau, Gehilfen oder Vieh ausspannen, abwerben oder abspenstig machen, sondern dieselben anhalten, dass sie bleiben und tun, was sie schuldig sind.“

[3] vgl. Ex 20,2–17

[4] Miriam von Nordheim-Diehl; Neid; https://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/neid-3/ch/c2b27bedc454f89687d736966a1a2534/; 2009

[5] https://www.lebenshilfe-net.ch/index.php/D/article/826-Gesundheit/48395-Mit_Neid_umgehen/

[6] https://www.stern.de/gesundheit/stress-neid-und-angst-erhoehen-alzheimer-risiko-bei-frauen-2142360.html

[7] https://www.freundin.de/neid-zeigt-ihnen-den-weg-zum-glueck-neid-enttarnt-unsere-versteckten-wuensche-53087.html

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