Ich hab ja nix gegen Ausländer, aber…

Lesedauer ca. 12 Minuten

Im Neuen Testament lehr uns Jesus, wenn wir eine Verfehlung des anderen bemerken, ihn zunächst vertraulich unter vier Augen darauf anzusprechen, nur wenn es gar nicht anders geht, soll man diese Dinge öffentlich machen.[1]

Das ist eine wirklich gute Regel, die ein harmonisches Miteinander erst Möglich macht, in der Neutestamentlichen Gemeinde muss niemand Angst davor haben gleich an den Pranger gestellt zu werden. Konflikte sollen im persönlichen Gespräch geklärt werden.

… aber: ES GAB EINE AUSNAHME! In frühen Urgemeinde findet sich ein Beispiel bei dem diese Regel über Bord geschmissen zu sein wurde und eine Verfehlung gleich, deutlich und in aller Öffentlichkeit angesprochen und widerstanden wurde! Ich meine den latenten Rassismus des Petrus.

Als aber Petrus später nach Antiochia kam, musste ich ihm vor allen widersprechen, denn er hatte sich eindeutig falsch verhalten. Zunächst hatte er ohne Bedenken mit den Christen, die keine Juden waren, an den gemeinsamen Mahlzeiten teilgenommen. Als aber einige jüdische Christen aus dem Kreis um Jakobus dazukamen, zog er sich zurück und wollte nicht mehr wie bisher mit allen zusammen sein. Er fürchtete nämlich die Vorwürfe der jüdischen Christen. So wie Petrus handelten auch die anderen Juden in der Gemeinde gegen ihre Überzeugung, und schließlich verleiteten sie sogar Barnabas dazu, den gemeinsamen Mahlzeiten fernzubleiben. Als ich merkte, dass sie nicht ehrlich waren und von der Wahrheit der rettenden Botschaft abwichen, stellte ich Petrus vor der ganzen Gemeinde zur Rede […]. (HfA; Gal2,11-14)

Zweimal heißt es in diesem Text, dass Paulus Petrus ‘vor allen’, öffentlich widersprach. Warum hält sich dieser Paulus nicht an das Gebot Jesu, solche Verfehlungen zunächst unter vier Augen anzusprechen? Was war die Verfehlung?

Die Verfehlung war ein latenter Rassismus! Jetzt können wir natürlich darüber streiten was Rassismus ist, der Rassismusforscher Étienne Balibar stellte fest…

„dass es nicht «einen» invarianten Rassismus, sondern «mehrere» Rassismen gibt, die ein ganzes situationsabhängiges Spektrum bilden [..] Eine bestimmte rassistische Konfiguration hat keine festen Grenzen, sie ist ein Moment einer Entwicklung, dass je nach seinen eigenen latenten Möglichkeiten, aber auch nach den historischen Umständen und den Kräfteverhältnissen in den Gesellschaftsformationen einen anderen Platz im Spektrum möglicher Rassismen einnehmen kann.“[2]

Heute sprich man auch vom sozialrassismus, religionsrassismus usw. – mancher fasst diese Dinge auch unter dem allgemeineren Wort der ‘Diskriminierung’ zusammen. Im konkreten Fall von Petrus würde ich von ‘nationalen Heilsegoismen’ sprechen, die durch Angst vor der eigenen Ausgrenzung durch ‘die eigenen Landsleute’ ausgelöst wurden.

Dabei hatte Petrus doch schon soviel erlebt! Er war dabei wie es in der ersten Gemeine Konflikte zwischen Juden und Griechen gab und Teil der Lösung gewesen. Er hat selber Leute mit eingesetzt die gegen diesen Konflikt arbeiten sollten.[3]

Weiter wurde er in spektakulärer Art und Weise vom Heiligen Geist in Vorfeld auf eine Begegnung mit einem römischen Hauptmann vorbereitet, besuchte diesen ‚Heidnischen Ausländer‘ und predigte dort sogar. In der Reflektion dieses Erlebnisses bekannte Petrus:

Ihr wisst, dass es einem jüdischen Mann nicht erlaubt ist, mit einem Fremden umzugehen oder zu ihm zu kommen; aber Gott hat mir gezeigt, dass ich keinen Menschen meiden oder unrein nennen soll. (LU; Apg10,28)

Trotzdem ließ ihn die simple Sorge vor der eigenen Ausgrenzung – oder wenigstens kritischen Nachfragen – durch seine eigenen Landsleute, sämtliche Erkenntnisse über Bord werfen. Auf den Punkt gebracht:

Die Angst ausgegrenzt zu werden, ließ ihn andere auszugrenzen!

Diesem Verhalten widerstand Paulus – Gott sei Dank – in aller Öffentlichkeit! Ich habe mich gefragt, ob nicht der eine oder andere Paulus ‘Lieblosigkeit’ vorwerfen könnte, schließlich ist die Liebe die Essenz des christlichen Glaubens, letztlich muss sich alles an ihr messen!

Ich glaube wir machen einen gewaltigen Fehler, wenn wir die Liebe mit Harmonie verwechseln! Das Gegenteil ist hier und da der Fall. Liebe kann und muss ab und wann auch den Konflikt nicht scheuen und das aus einem simplen Grund: Gottes Liebe ist zwar ohne Ansehen der Person, aber keinesfalls parteilos!

Die Liebe ist immer parteiisch, wenn es darum geht, dass einer den anderen unterdrückt, ausgrenzt, ausbeutet, usw. Die Liebe wird immer auf der Seite des Opfers stehen!

Kleines Beispiel: Ich liebe meine Kinder. Ich habe drei Stück und es ist wirklich so, ich liebe alle von ganzen Herzen und würde alles für sie tun. Wenn aber mein großer Sohnemann meine Tochter mit einem Sparten eins auf den Kopf haut, diese darauf hin blutend am Boden liegt, er aber wieder zum zweiten Schlag ausholen würde, dann wäre JEDER LIEBENDER VATER PARTEIISCH UND WÜRDE FÜR DAS OPFER PARTEI ERGREIFEN (ich muss denke ich nicht extra sagen, dass dieses Beispiel sehr konstruiert ist, meine Kinder haben sich -Gott sei Dank – noch nie ‘so’ ernsthaft verprügelt).

So ist es auch in der Liebe Gottes, so soll es auch bei uns sein. Liebe ist parteiisch und Paulus ergriff daraufhin Partei für eine Ausgegrenzte Gruppe.

Petrus mag in seinem inneren erwidert haben: “Ich habe ja nix gegen Ausländer, aber selber ausgegrenzt und etwas verlieren wollen, will ich auch nicht.” – menschlich verständlich, aber neutestamentlich auch absolut ‘unchristlich’!

Die Bibel zum Thema Rassismus

Die Geschichte ISraels find mit Abraham an. Abraham wird bis heute als Vater Abraham von den Juden, aber auch Muslimen und uns Christen verehrt. Und jetzt das überraschende: „Dieser Vater Abraham war ein heimatloser Wanderer!“

»Verlass deine Heimat, deine Verwandten und die Familie deines Vaters und geh in das Land, das ich dir zeigen werde! Von dir wird ein großes Volk abstammen. Ich will dich segnen und du sollst in der ganzen Welt bekannt sein. Ich will dich zum Segen für andere machen […]. Alle Völker der Erde werden durch dich gesegnet werden.« (NL; 1.Mo12,1f)

… alle Völker sollten durch einen Migranten/ Ausländer gesegnet werden! Die Heilsgeschichte Israels fängt mit Migration/ Auswandern an!

Aber sie fängt nicht nur damit an, sondern dieses Ausländer sein zieht sich wie ein Faden durch die Geschichte Israels! Wir kommen später noch einmal darauf, aber unmittelbar nach Abraham geht die Geschichte für Israel wo weiter? IN ÄGYPTEN und wieder als was? ALS FREMDE/ AUSLÄNDER!

Migration Teil der Identität Israels

Das ist ein roter Faden, der sich durch die Geschichte und die Grunderfahrung und Identität Israels zieht: Wir sind/ wir waren immer wieder die Fremden!

Neben Ägypten gibt es einen weiteren traumatische Einschnitt in dem kollektiven Bewusstsein Israels, der diesen roten Faden fortführt – die Babylonische Gefangenschaft! In dem Psalm 137 wird deutlich wie man sich hier in der Fremde als Ausländer gefühlt hat:

An den Flüssen Babylons saßen wir und weinten, wenn wir an Jerusalem dachten. An die Äste der Weiden hängten wir unsere Harfen. Denn die uns gefangen hielten, wollten, dass wir singen, und die uns peinigten, wollten Freudenlieder hören: »Singt doch eins der Lieder von Jerusalem!« Doch wie können wir in einem fremden Land die Lieder des Herrn anstimmen? Wenn ich dich jemals vergesse, Jerusalem, soll meine rechte Hand gelähmt werden. Meine Zunge soll mir am Gaumen kleben, wenn ich nicht mehr an dich denke, wenn Jerusalem nicht mehr meine höchste Freude ist. (NL; Ps137,1-6)

Oder denken wir an Rut und Noomi. Ein ganzes Buch, das einer Ausländerin gewidmet ist, die darum Kämpft in Israel zu überleben, sich zu integrieren und später zur Vorfahrin König Davids und Jesus wird.

»Sieh doch«, sagte Noomi zu ihr, »deine Schwägerin ist zu ihrem Volk und zu ihrem Gott zurückgegangen, und du solltest ebenfalls umkehren und ihr folgen.« Aber Rut antwortete: »Verlang nicht von mir, dass ich dich verlasse und umkehre. Wo du hingehst, dort will ich auch hingehen, und wo du lebst, da möchte ich auch leben. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da will ich auch sterben und begraben werden. Der Herr soll mich strafen, wenn ich zulasse, dass irgendetwas anderes als der Tod uns trennt!« (NL; Rut 1,15-17)

Im AT gehört das Thema Migration und die Erfahrung des der Fremde/ der Ausländer zu sein zu einen der zentralsten Identitäten. Jeder Jude ist beispielsweise angehalten am Tag der ersten Früchte folgendes Bekenntnis und Gebet zu sprechen:

Dann sollt ihr vor dem Herrn, eurem Gott, sprechen: `Unser Stammvater war ein Aramäer, der umherzog und mit wenigen Männern nach Ägypten ging, um dort zu leben. Doch in Ägypten wurde er zu einem großen und mächtigen Volk. Als die Ägypter uns misshandelten und unterdrückten, indem sie uns zu Sklavenarbeit zwangen, riefen wir zum Herrn, dem Gott unserer Vorfahren. Er hörte unser Rufen und sah unser Elend, unser Leid und unsere Unterdrückung. Deshalb führte uns der Herr mit starker Hand und großer Macht, unter Schrecken erregenden Ereignissen und unter Zeichen und Wundern aus Ägypten. Er brachte uns an diesen Ort und gab uns dieses Land, in dem Milch und Honig überfließen. (NL; 5Mo26,5-9)

Israel war immer dazu aufgerufen anhand der eigenen Geschichte eine barmherzige Haltung gegenüber dem Fremden zu entwickeln. Warum sollte ich den Fremden gegenüber barmherzig sein? Weil ich selber ein Fremder war – seine Geschichte ist meine Geschichte!

Ausländer unter dem Schutz des Gesetzes

Weil der Fremde in Israel in der Regel selber kein Land besaß, war er genau wie Witwen und Waisen auf die Barmherzigkeit angewiesen. Gott verankerte dies auch in Geboten! Der Fremde war in Israel immer willkommen!

Der Ausländer hatte in Israel per Gesetz Anspruch auf Versorgung. Dies wird zB. bei der Verteilung des Zehnten deutlich, denn dieser – dass wissen nicht viele – war nicht nur für die Leviten, sondern auch für sozial Benachteiligte vorgesehen! Das ist übrigens auch der Grund, warum wir als Kirchengemeinde das Geld was wir gespendet bekommen, nicht nur für unseren Haushalt, sondern auch für andere missionarische, mildtätige Zwecke ausgeben.

Am Ende jedes dritten Jahres sollt ihr die gesamte Ernteabgabe des betreffenden Jahres in die nächstgelegene Stadt bringen und dort aufbewahren. Sie ist für die Leviten bestimmt, denn sie besitzen kein Land und haben kein Erbe unter euch, sowie für die Ausländer, die Waisen und die Witwen in euren Städten, damit sie sich satt essen können. Dann wird der Herr, euer Gott, alles segnen, was ihr tut. (NL; 5Mo14,28f)

Ausländern stand per Gesetzt so etwas wie eine minimale Grundsicherung zu, ist das nicht erstaunlich? Aber nicht nur alle drei Jahre einmal richtig satt essen, sondern zu allen Jahreszeiten war Israel dazu verpflichtet, den Ausländern etwas übrig zu lassen:

Wenn ihr beim Ernten eine Garbe auf dem Feld vergesst, geht nicht zurück, um sie zu holen. Lasst sie für die Ausländer, Waisen und Witwen stehen. Dann wird der Herr, euer Gott, euch bei allem, was ihr tut, segnen. Wenn ihr die Oliven von den Bäumen schlagt, dann haltet keine Nachlese. Lasst die verbleibenden Oliven für die Ausländer, Waisen und Witwen hängen. Auch bei eurer Weinlese sollt ihr keine Nachlese halten. Die übrig gebliebenen Trauben sollen den Ausländern, Waisen und Witwen gehören. Denkt daran, dass ihr selbst einmal Sklaven in Ägypten wart. Deshalb fordere ich euch auf, nach diesen Anweisungen zu handeln. (NL; 5Mo24,19-22)

Immer wieder kommt – wir werden das noch sehen – diese Begründung „denkt daran, euch ging’s einmal genauso! Ihre Geschichte ist eure Geschichte!“

Dem Fremden wurde aber nicht nur eine soziale Grundsicherung per gesetzt garantiert, er hatte darüber hinaus eine Rechtssicherheit, einen Rechtsschutz:

Beugt Ausländern und Waisen gegenüber nicht das Recht und pfändet nicht das Kleid einer Witwe. Denkt immer daran, dass ihr einmal Sklaven in Ägypten wart und dass der Herr, euer Gott, euch von dort befreit hat. Deshalb fordere ich euch auf nach diesen Anweisungen zu handeln. (NL; 5Mo24,17f)

Einladung zum Glauben.

Der Fremde war in Israel willkommen. Selbstverständlich hatte er sich an die hiesigen Gesetzt zu halten, aber – das unterschlagen heute immer wieder viele Christen – er war von religiösen Gesetzten Weitgehens befreit! An rituelle Reinheitsgebote musste sich ein Ausländer nicht halten, das waren Gesetze die nur für Juden galten. Der Fremde genoss also Religionsfreiheit, wenn wir so wollen!

Esst kein verendetes Tier, denn ihr seid für den Herrn, euren Gott, geheiligt. Ihr dürft es den Ausländern, die bei euch leben, geben oder verkaufen; sie können es essen […]. (NL; 5Mo14,21)

Religionsfreiheit, Wahlfreiheit ist die Grundvoraussetzung dafür, dass sich ein Mensch nach eigenen, freien Willen zu Gott entscheiden kann! So war es in Israel, so sollte es auf der ganzen Welt sein! Frei nach dem Motto: „Du musst kein Christ werden, wenn Du hier lebst. Du hast die freie Wahl – per gesetzt garantiert – dich anders zu endscheiden! ABER ich laden dich herzlich zu meinem Glauben und den Segnungen Gottes ein!“

Der Fremde war in Israel von religiösen Vorschriften befreit, war aber immer wieder eingeladen am Segen Israels teilzuhaben:

Denk an den Sabbat und heilige ihn. Sechs Tage in der Woche sollst du arbeiten und deinen alltäglichen Pflichten nachkommen, der siebte Tag aber ist ein Ruhetag für den Herrn, deinen Gott. An diesem Tag darf kein Angehöriger deines Hauses irgendeine Arbeit erledigen. Das gilt für dich, deine Söhne und Töchter, deine Sklaven und Sklavinnen, dein Vieh und für alle Ausländer, die bei dir wohnen. (NL; 2Mo20,8-10)

Einmal die Woche wurden alle Ausländer dazu eingeladen am Segen Israels teilzunehmen. Ist das nicht fantastisch? Darüber hinaus gab es immer wieder die Einladung mit Israel zu feiern. In Dtn 16 werden die wichtigsten religiösen feste Israels aufgezählt: das Passah-Fest, das Wochenfest und Laubhüttenfest. Spannend was es dann im in diesem Text weiter heißt:

[…] Feiert mit euren Söhnen und Töchtern, euren Sklaven und Sklavinnen, den Leviten aus euren Städten, den Ausländern sowie den Witwen und Waisen, die unter euch leben. Denkt daran, dass ihr Sklaven in Ägypten wart, und befolgt daher diese Vorschriften gewissenhaft. Auch das Laubhüttenfest soll am Ende der Erntezeit […] gefeiert werden, und zwar sieben Tage lang. Bei diesem Fest sollt ihr fröhlich sein zusammen mit euren Söhnen und Töchtern, euren Sklaven und Sklavinnen, den Leviten, den Ausländern sowie den Witwen und Waisen, die in euren Städten wohnen. (NL; 5Mo16,11-14)

Spanend oder? Ausländer besaßen einen gesetzlichen Schutz, Religionsfreiheit, aber wurden immer wieder auch dazu eingeladen Teil zu haben, zusammen zu essen, zu feiern, den Gott Israels kennen zu lernen.

Beilen wir uns und springen wir ins NT. Was hat uns Jesus zu diesem Thema zu sagen gehabt? Auch Jesus war ein Flüchtling, der in Ägypten in der Fremde, als Ausländer aufwuchs. Später in Israel ist er wieder ständig umgezogen. In einem Gespräch mit einem Schriftgelehrten wird Jesu Erfahrung und Lebensperspektive deutlich:

Da sagte einer der Schriftgelehrten zu ihm: »Meister, ich will dir nachfolgen, wohin du auch gehst!« Doch Jesus entgegnete ihm: »Füchse haben ihren Bau, und Vögel haben ihre Nester, aber der Menschensohn hat keinen Ort, wo er sich hinlegen kann.« (NL; Mt8,20)

Jesus stellt sich selbst als einer dar, der hier auf der Erde keine richtige Heimat hat und sagt zu uns:

[…] ich war ein Fremder, und ihr habt mich in euer Haus eingeladen. (NL; Mt25,35b)

Vielleicht erinnert ihr euch an diesen Mt-Text? Jesus sagt, dass was wir dem geringsten antun, das tun wir ihm an. Kümmern wir uns um den Ausländer, nehmen wir ihn auf, dann nehmen wir IHN selbst auf!

Das griechische Wort heißt ‘xenos’ und beutet so viel wie ‘jemand der nicht zur Gemeinschaft dazugehört’ oder ‘jemand der aus seinem Land vertrieben wurde’. Diese Menschen sollen wir im Namen Jesus bei uns aufnehmen!

Die erste christliche Gemeinde

Die erste Gemeinde wurde in Jerusalem am Pfingstfest gegründet – einem Tag an dem alle Nationen in Jerusalem waren. Die erste Gemeinde hatte tausende Mitglieder aus allen möglichen kulturellen und sozialen Schichten!

Gemeinde im NT war immer eine Vielvölkergemeinde! Das war nicht immer Konfliktfrei (siehe Spannungen zwischen griechischen.- und jüdischen Christen in der ersten Gemeinde).

Oder schauen wir zu der Gemeinde in Antiochien – hier wurden die Jünger Jesu zum ersten Mal CHRISTEN genannt (Apg11,26). Spannend was es ganz kurz über die Zusammensetzung der Gemeinde heißt:

Es waren aber in Antiochia in der Gemeinde Propheten und Lehrer, nämlich Barnabas und Simeon, genannt Niger, und Luzius von Kyrene und Manaën, der mit dem Landesfürsten Herodes erzogen worden war, und Saulus. (LU; Apg13,1)

Alleine an den Namen kann man einige Rückschlüsse ziehen:

  • Simeon, die Niger wird sehr wahrscheinlich afrikanischer Herkunft gewesen sein.
  • Luizius von Kyrene, war möglicherweise auch Afrikaner oder Araber, den Kyrene befand sich in Nordafrika.
  • Barnabas, war levitischer Abstammung
  • Saulus war auch ein jüdischer Gelehrter
  • Manahen war vermutlich der Sohn eines Sklaven des Königs Herodes.

… ganz unterschiedliche Leute! Total unterschiedlich in ihre sozialen, nationalen und kulturellen Herkunft – so sah Gemeinde aus! Weiter ist hier zu sagen, dass die Leitung der Gemeinde auch Multikulti war. Aus ihren Reihen kam der Arzt Lukas und Titus ein unverschnittener griechischer Konvertit!

Wir können festhalten, dass die Gemeinde im NT sich immer als Gesandte zu allen Völkern verstand! Gemeinde ist die Botschafterin der Versöhnung der Welt:

Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. Aber das alles von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus und uns das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt. Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. So sind wir nun Botschafter an Christi statt […]. (LU; 2kor5,18)

Unser Job als Christen, als Gemeinde ist es Versöhnung zu predigen. Versöhnung mit Gott, aber dann auch Versöhnung unter einender! Versöhnung unter den Völkern: hier fängt jetzt was neues an!

Vergesst nicht, dass ihr, die ihr keine Juden seid, aufgrund eurer Herkunft Außenstehende wart. »Unbeschnittene« nannten euch die Juden, die das äußere Zeichen der Beschneidung tragen. Damals lebtet ihr getrennt von Christus. Ihr wart vom Volk Gottes, Israel, ausgeschlossen und wusstet nichts von den Zusagen, die er ihm gegeben hatte. Euer Leben in dieser Welt war ohne Gott und ohne Hoffnung. Aber nun gehört ihr Christus Jesus. Ihr wart fern von Gott, doch nun seid ihr ihm nahe durch das Blut seines Sohnes. Denn Christus selbst brachte Frieden zwischen den Juden und den Menschen aus allen anderen Völkern, indem er uns zu einem einzigen Volk vereinte. Er hat die Mauer der Feindschaft, die uns früher trennte, niedergerissen. Durch seinen Tod hat er dem Gesetz mit seinen Geboten und Verordnungen ein Ende bereitet und dadurch Frieden gestiftet, indem er beide in sich zu einem einzigen neuen Menschen schuf. Er hat sie in einem Leib vereint und durch das Kreuz mit Gott versöhnt, sodass die Feindschaft ein Ende fand. Er ist gekommen und brachte die Botschaft des Friedens euch, die ihr fern von ihm wart, und den Juden, die ihm nahe waren. Durch das, was Christus für uns getan hat, können wir jetzt alle, ob wir Juden sind oder nicht, in einem Geist zum Vater kommen. Deshalb seid ihr nicht länger Fremde und ohne Bürgerrecht, sondern ihr gehört zu den Gläubigen, zu Gottes Familie. (NL; Eph2,11-19)

Die lokale chr. Gemeinde ist dazu aufgerufen mit ethnischen.- und sozialen Denken aufzuhören! Wir sind keine deutsche Gemeinde im sogenannten ‘chr. Abendland’ – wir sind die Jesus Gemeinde (so haben wir auch unsere Kirchengemeinde in Dietzenbach genannt)!

Rassismus entgegenstellen

Paulus nun stellte sich mit aller Kraft entschieden gegen einen nationalen, ausgrenzenden Heilsegoismus und verankert in seinen Briefen eine neue ‘nationale’ Identität:

“Unser Heimatland ist im Himmel.” (Phil 3,20)

Als ‘Himmelsbürger’ ist es absurd an nationalen Grenzen festzuhalten und den ‘anderen’ – aus was für Gründen auch immer – auszugrenzen und nicht willkommen zubeißen. Wo ist dieser paulinische Geist in unseren Gemeinden heute? Auch manchem ‘frommen rassistischen Geist’ müssen wir endschieden mit einer parteiischen Liebe entgegentreten und diesen notfalls auch uns unseren Gemeinden treiben!

Den Ausländer, der bei euch wohnt, sollt ihr wie einen von euch behandeln und ihr sollt ihn lieben wie euch selbst. Denn ihr selbst wart einst Fremde in Ägypten. Ich bin der Herr, euer Gott. (NL; 3Mo19,34)


[1] Matthäus 18,15-17

[2] Etienne Balibar: Rassismus und Nationalismus. In: Rasse, Klasse, Nation. Ambivalente Identitäten Argument Verlag 1998, ISBN 3-88619-386-1, Seite 52

[3] Apg.6

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