Von Pechvögeln und Glückskindern

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Nach einem Sportunfall hatten sich 600 Milliliter Blut in Samuel Diekmanns Herzbeutel angesammelt. Wäre es nicht rechtzeitig bemerkt worden, wäre der Theologe heute nicht mehr am Leben. Glück im Unglück. Seitdem weiß der Pastor: Man muss Glück beim Namen nennen, so wie die biblische Figur Lea es getan hat.    

Finnische Forscher haben in einer Studie gezeigt, wo sich Freude, Wut und Trauer im Körper abbilden. Die Versuchsteilnehmer mussten beschreiben, wo sie welches Gefühl im Körper verorten. Daraus haben die Wissenschaftler erfahren, dass Glück im gesamten Körper empfunden wird, während Scham beispielsweise nur im Kopf stattfindet. Eine spannende Sache, oder? Sein Glück zu lokalisieren, Orte im Körper dafür finden zu können.

Lea nannte ihren Sohn Gad – sie nannte das Glück beim Namen

In der Bibel finden wir den Begriff „Glück“ das erste Mal bei Lea. Sie war die „ungeliebte“ Frau Jakobs. Eigentlich wollte Jakob ihre Schwester Rahel heiraten, aber durch einen Trick jubelte der Brautvater dem Schwiegersohn die ältere Tochter Lea in der Hochzeitsnacht unter. Nach dem Vollzug der Ehe bekam Jakob aber auch Rahel. Lea hatte es in dieser Dreierkonstellation nicht einfach. Sie war ihr ganzes Leben das dritte Rad am Wagen. Nachdem Lea keine weiteren Kinder mehr bekommen konnte, weil sie zu alt war, war sie wirklich am Verzweifeln! Durch ihre Magd Silpa gebar sie schließlich doch noch einen weiteren Sohn. „Da sagte Lea: Zum Glück! Und sie gab ihm den Namen Gad (d. h. Glück)“ (1. Mose 30,11).

Der Name Lea bedeutet die Arbeitsame oder auch die Müde. Sie, die „müde Arbeiterin“, die keiner haben wollte, erfuhr auch endlich einmal einen Glücksmoment. Aber sie war schlau und konservierte diesen Moment mit der Namens-gebung ihres Sohnes. Wenn sie ihren Sohn rief, dann rief sie ihn mit dem Namen „Glück“. Damit wurde sie immer und immer wieder an ihr Glück und ihr persönliches Wunder erinnert.

Richtige Glücksmomente erleben viele Menschen oft erst nach einer schweren Zeit, nach einer schwierigen Situation auf der Arbeit oder einer Krankheitsphase. Mein persönliches Glücksmoment fand ich letztes Jahr in einem schrecklichen Unfall.

Auch bei Glückskindern ist nicht alle Tage Sonnenschein

Eigentlich bin ich ein richtiges Glückskind – dachte ich zumindest immer. Mein Name – -Samuel – bedeutet „von Gott erhört“. Ich war der Erstgeborene in meiner Familie. Meine Eltern konnten eigentlich medizinisch gesehen keine Kinder bekommen, und dennoch wurde ich geboren und von meinen Eltern als Wunder und Geschenk Gottes gefeiert – ein echtes Glückskind eben! Aber auch bei uns Glückskindern ist nicht alle Tage Sonnenschein.

Glück gehabt durch Gottes Rettung

Vor etwa einem Jahr war ich im Fitnesscenter und stemmte Gewichte, als mir plötzlich schlecht wurde. Hatte ich mich übernommen? Brütete ich eine Grippe aus? Die nächsten Tage ging es mir immer schlechter, mein Kreislauf sackte kon-tinuierlich ab. In einer Nacht fühlte es sich plötzlich so an, als ob jemand auf meinem Brustkorb sitzen würde. Meine Frau rief den Notarzt. Im Krankenhaus bekam ich dann die Diagnose: Beim Sport waren mir Titanstangen – die man mir 2 Jahre zuvor wegen eines Unfalls in den Brustkorb eingesetzt hatte – gebrochen und ein Teil der Stange hatte sich in meinen Herzbeutel gebohrt, so dass dieser voll Blut gelaufen war. Ich wurde sofort notoperiert.

Über 600 ml Blut pumpten mir die Ärzte aus dem Herzbeutel ab. Es war super knapp! Der Druck war so groß, dass das Herz kaum noch gegen den Außendruck arbeiten konnte und zu kollabieren drohte. Ohne OP hätte ich wohl nicht überlebt. Glück gehabt bzw. Rettung durch Gott erlebt! Über Facebook verbreitete sich die Nachricht von -meinem Unfall schnell. Rund um den Globus -haben Menschen für mich gebetet, und Gott hat sich erbarmt!

Erst mit Abstand kann ich wertschätzen, was Gott getan hat

Aber gleichzeitig wurde auch meine Frau schwer krank. Zudem gab es in der Familie noch einen Streit, der uns an die Grenzen unserer Belastbarkeit brachte. Alle diese Geschehnisse erschütterten uns in unseren Grundmauern. Meine Frau und ich sind uns in dieser Zeit nur an die Gurgel gegangen – wir waren einfach emotional am Limit. Erst heute kann ich mit ein wenig Abstand mein Glück im Unglück sehen und wertschätzen, was Gott in meinem und unseren Leben getan hat. Meine Frau und ich sind im Unglück gewachsen und heute glücklich, haben -unsere eigenen Schwachpunkte entdeckt und wieder neu zueinander „Ja“ gesagt.

Fange an, das Glück und nicht das Unglück zu benennen

Du meinst, dass Du das Unglück gepachtet hättest? Mir ging es im letzten Jahr auch so, aber heute glaube ich das nicht mehr! Fange an, das Glück und nicht das Unglück zu benennen. Albert Schweitzer hat einmal gesagt: „Viele Menschen wissen, dass sie unglücklich sind. Aber noch mehr Menschen wissen nicht, dass sie glücklich sind.“ Und schon der römische Philosoph Lucius Annaeus Seneca schlussfolgerte: „Glücklich ist nicht, wer anderen so vorkommt, sondern wer sich selbst dafür hält.“

Jeder von uns – so schwierig die eigenen Lebensumstände auch sein mögen – hat seine persönlichen Glücksmomente schon erlebt. Wir müssen sie aber konservieren, indem wir immer wieder an sie denken und Gott dafür danken. Ich habe dieses Jahr meinen Geburtstag jedenfalls bewusst gefeiert, mein Glück neu benannt und Gott dafür gedankt.

Vergiss Deine Glücksmomente nicht und danke für sie

An alle „müden Arbeiter“ da draußen: Gebt dem richtigen Kind einen Namen, benennt euer Glück! Manchmal braucht es dafür ein Absetzen der „Unglücksperspektive“. Setze mal eine andere Brille auf und fang an, das zu entdecken, was Gott Dir – auch im Unglück – schenkt. Hier und da braucht es dafür auch die Perspektive von anderen, z. B. von guten Freunden. Aber so oder so: Ich traue es Dir zu, Dein Glück zu lokalisieren und zu benennen. In den Sprüchen heißt es einmal über dieses Nachdenken in Form der Weisheit: „Wohl dem Menschen, der Weisheit erlangt, und dem Menschen, der Einsicht gewinnt! Denn es ist besser, sie zu erwerben, als Silber, und ihr Ertrag ist besser als Gold […]. Sie ist ein Baum des Lebens allen, die sie ergreifen, und glücklich sind, die sie festhalten“ (Sprüche 3,13-18). Wenn Du Deine Glücksmomente nicht vergisst, werden sie Dir lange ein Segen sein und auch in schwierigen Situationen mehr wert sein als Gold und Silber.

Erinnerst Du Dich an das Glückskind Gad? Als sein Vater Jakob ihn segnete, sagte er über ihn: -„Scharen werden ihn drängen, und er, er wird ihnen nachdrängen auf der Ferse“ (1. Mose 49,19). Sprich: Auch Glückskinder kommen in Bedrängnis! Aber sie sind nicht leicht zu besiegen. Von den Gaditern (dem Volk des Glücks), die sich David später anschlossen, wird gesagt, sie seien -„tapfere Helden, Männer des Heeres zum Kampf, mit Schild und Lanze gerüstet, deren Angesichter wie Löwen-Angesichter waren und die den Gazellen auf den Bergen gleich waren an Schnelligkeit“ (1. Chronik 12,8-15).

Sei ein Gaditer!

Ich weiß nicht, ob Du schon einmal einen Löwen im Zoo beobachtet hast. In der Regel ruhen diese Tiere tief in sich selbst und sind kaum aus der Ruhe zu bringen. Ganz anders die Affen, vor allem die kleinen Primatensorten: Sie kommen mir immer wie Lebewesen mit einer ADHS-Störung auf Speed vor. Jedes Geräusch macht sie nervös und lässt sie völlig ausflippen. So ist das oft auch bei uns Menschen. Aber Gaditer – solche, die ihr Glück benannt haben und darin ruhen – können trotz Herausforderungen und Problemen gleichzeitig auch echte, ausgeglichene, königliche „Löwen-gesichter“ haben. Das wünsche ich Dir auch. Habe Mut, sei ein Gaditer, ein Kind des Glücks, und gib dem richtigen Kind einen Namen.


Dieser Artikel ist bei idealisten.net im Magazin 2/2014 veröffentlicht worden. HIER kannst Du das PDF zum Magazin kostenlos bekommen oder Dir unter 06441 915–122 / aboservice@idea.de / idea e.V., Postfach 1820, 35528 Wetzlar ein persönliches Exemplar und die Hefte zum Weitergeben kostenlos zuschicken lassen.


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